Titelbild mit Faltplan unsichtbares Handwerk in Neubau

Posted On 22. Mai 2018 By In Shops, Übers Grätzel With 209 Views

Unsichtbares sichtbar machen – Handwerksbetriebe im Grätzl

Lokal, nachhaltig, einzigartig – die Vorzüge von Handwerksbetrieben sprechen für sich selbst. „Think global, act local“ ist ein immer wichtiger werdendes Motto, das es bewusst in unseren Alltag einzubauen gilt. Der Faltplan „Unsichtbares Handwerk in Wien“ gibt Aufschluss über die Hot Spots des Handwerks am Neubau und in der Josefstadt.

Die meisten Menschen lieben gelebtes Handwerk. Wenn sie es entdecken! Denn oft sind Handwerksbetriebe kleine Werkstätten und Ateliers, die als Klein- oder Einzelunternehmen geführt werden. Für viele, wenn auch nicht alle gleichermaßen, gilt, dass die zeitlichen und finanziellen Ressourcen für große Werbeauftritte mit nachhaltiger Außenwirkung beschränkt sind. Der Fokus auf den großen gemeinsamen Nenner aber, Besonderes in Handarbeit herzustellen oder die Basisprodukte für die Ausübung von handwerklichen Tätigkeiten bereitzustellen, verbindet und macht die scheinbar Kleinen im Zusammenschluss sichtbar.

Das Rechercheprojekt „Unsichtbares Handwerk“ befördert sehr eindrücklich das zu Tage, was viele BewohnerInnen des Neubaus und der Josefstadt wissen: Die beiden benachbarten Bezirke sind historisch reich an Handwerksbetrieben und haben sich dieses kostbare Erbe an vielen Stellen erhalten. Außerdem bietet die Gegend fruchtbaren Boden für UnternehmerInnen, die den Mut aufbringen, sich mit neuen Handwerksbetrieben hier anzusiedeln und sich auf die Qualitäten echten Handwerks zu verlassen. Denkt man an den 7. Bezirk, ist der Gedanke an die Seidenmanufakturen, die Posamentenfabrikanten und die Weißwarenlieferanten nicht weit. Einige dieser spannenden Geschichten haben wir den im7ten-LeserInnen schon erzählt (und laufend folgen neue!) – die Links zu den Artikeln haben wir Ihnen hier gleich eingefügt, damit Sie ganz tief in die Materie eintauchen können. Selbst wenn viele der damals großen Manufakturen heute nicht mehr bestehen, so erinnern doch Namen wie die Seidengasse oder die Bezeichnung Brillantengrund noch an die einst boomende Industrie im Grätzl. Und bei genauem Hinschauen sieht man, was es noch alles gibt …

Werkstatt statt Fabrik (Foto: Unsplash, Barn Images)

Wertvolles Handwerk

Um die Vielfalt und Dichte der heute hier ansässigen Handwerksbetriebe sowie jener Einzelhandelsunternehmen zu zeigen, die Produkte zur Ausübung handwerklicher Tätigkeiten anbieten, erarbeiteten das Eintagsmuseum und die Gebietsbetreuung Stadterneuerung einen Faltplan mit allen Adressen und interessanten Informationen rund ums Thema „lokales Handwerk und Stadtteil“. Auf einer Karte sind darüber hinaus alle Werkstätten und Betriebe eingezeichnet, was zu (mindestens) einem Erkundungsspaziergang und zum genauen Hinsehen einlädt.
Auch in unserem Grätzl befinden sich zahlreiche Unternehmen, die sich nachhaltiger Qualität verschrieben haben.

Erinnern Sie sich noch an unseren Beitrag über die Naturwaren von G. Dieroff, wo es Hanfseile, Sisalseile, Schnüre, Gurtbänder, Schließen und Griffe, Bambusrohre in verschiedenen Stärken, Peddigrohr, Rattan, Stuhlflechtrohr und allerlei Anderes gibt, was für die Herstellung oder Reparatur hochwertiger Handwerksprodukte wie beispielsweise Sessel benötigt wird? Ein Geheimtipp mit fast 130-jähriger Geschichte! G. Dieroff Nachfolger, Westbahnstraße 46, 1070 Wien.

100% FARBE – Der Name ist Programm (Foto: Veronika Fischer)

Wenige Gehminuten entfernt findet man 100% FARBE – ein Paradies für Künstler- und Handwerkerbedarf rund ums Thema Farbe. Acrylfarben, Ölfarben, Lacke, Öle, in allen Schattierungen, die das Farbspektrum so hergibt. 100% FARBE, Kaiserstraße 47, 1070 Wien.

Geht man die Kaiserstraße in Richtung Westbahnhof entlang, gelangt man zum Beschlägespezialisten Schmidtschläger, wo man Möbel-, Fenster- und Türbeschläge erstehen kann. Sicherheit für Ihr Zuhause hat hier oberste Priorität – Schmidtschläger bietet das A bis Z der Sicherheitstechnik. Gut zu wissen: Mit dem 24/7-Aufsperrdienst von Schmidtschläger kommen Sie schnell wieder in Ihre eigenen vier Wände, wenn die Türe zugefallen oder versperrt und der Schlüssel verschwunden ist. Schmidtschläger Beschlägespezialist, Kaiserstraße 41, 1070 Wien.

Apropos Unsichtbares sichtbar machen: Die Lederwarenmanufaktur Albert Pattermann, die vormals unter dem Namen H. Bartik firmierte, zog vor Kurzem aus einem Hinterhofatelier in der Westbahnstraße aus, um nun gut sichtbar in der Kaiserstraße hochwertige Taschen von Hand zu produzieren. (Anmerkung: Auf dem Plan noch an der alten Adresse eingezeichnet. Frisch umgesiedelt in die Kaiserstraße 8, 1070 Wien.)

Auch in der Westbahnstraße sind einige Handwerksbetriebe oder Zulieferer für handwerkliche Tätigkeiten angesiedelt. Waren Sie schon mal im Stoffsalon? Bio-Stoffe, trendige Farben, fröhliche Prints und regelmäßige professionelle Nähkurse auf hohem Niveau laden zum Eintauchen in die Materie Stoff und Kleidung ein. An einem Nähstück sollte sich jeder in seinem Leben probieren – zu Wertschätzungszwecken, aber auch weil man darin vielleicht eine Leidenschaft entdeckt. Stoffsalon, Westbahnstraße 38, 1070 Wien.

Wer mit dem Selbernähen (noch) seine Schwierigkeiten hat, hochwertige Kleidung aber schätzt, wird in der Modus Vivendi ModeLiebHaberei sein Glück finden. „Handwerk, das erlebt werden darf, in jeder Faser, mit allen Sinnen“, bringen es Monika Bacher und Charlotte Jakoubek treffend auf den Punkt. Den Bericht von unserem Besuch bei Modus Vivendi lesen Sie in Kürze auf im7ten, den Link liefern wir nach. Modus Vivendi, Westbahnstraße 7, 1070 Wien.

Modus Vivendi liegt Tür an Tür [genau genommen Wand an Wand] mit WauWau Pfeffermühlen. Hier dreht sich alles um Pfeffer, Salz, Chilli und Muskatnuss und das Mahlwerk, das die Würze erst so punktgenau dosiert. Tipp: Virtuell in unterhaltsamen Videos von Mühlen-Designer Thomas Kreuz informieren und dann persönlich zum Einkauf vorbeikommen! Zu den Videos geht es hier. WauWau Pfeffermühlen, Westbahnstraße 7, 1070 Wien.

Nachgefragt

“Unsichtbares Handwerk in Wien” Der Faltplan der Gebietsbetreuung Stadterneuerung und des Eintagsmuseums machen sichtbar, was gefeatured gehört.

im7ten hat bei drei UnternehmerInnen am Neubau nachgefragt, worin die Herausforderungen an einen Handwerks(zuliefer)betrieb liegen und/oder wo sie als Einzelhändler tagtäglich ganz besondere Stärke unter Beweis stellen.

„Alle KollegInnen, die ich in meiner Nähe kenne, mich eingeschlossen, führen ihre Betriebe mit viel Herz und Seele!“, sagt Alexandra Rath, die den zauberhaften Stoffsalon in der Westbahnstraße 38 führt, mit fester Überzeugung. „Wir bieten unseren KundInnen ein ausgezeichnetes Service, führen hervorragende Produkte, die man nicht überall bekommt und bieten ausführliche, professionelle Beratung an. Was uns kleine Betriebe ausmacht ist, dass wir in der Betreuung unserer KundInnen ein, zwei (manchmal auch drei) Schritte weitergehen und unser Service sich somit wesentlich von dem der Großbetriebe und Ketten unterscheidet. Und das ist es, was unsere KundInnen an uns schätzen! Mit einem/einer zufriedenen Kunden/Kundin schließt sich der Kreis, weil man als Betrieb vom Lob und der Anerkennung der KundInnen so viel Kraft schöpft und diese Energie wieder in die stete Verbesserung des eigenen Betriebs stecken kann.“

Auch Thomas Wally, der Geschäftsführer von 100% FARBE in der Kaiserstraße 47, sieht in qualitätsorientierter Kundschaft ein verbindendes Merkmal zwischen den im Plan hervorgehobenen Betrieben, weil KundInnen angesprochen werden, die sich „mehr“ erwarten. „Verbindend ist natürlich auch, dass viele Handwerksbetriebe bei uns einkaufen, da diese oft ganz spezielle Produkte brauchen. KundInnen, die Produkte in Handwerksbetrieben kaufen, erwarten in erster Linie Qualität. Wenn wir von einem Produkt drei Qualitäten führen, gibt es KundInnen, die ohne nach dem Preis zu fragen, die beste Qualität wollen. Man muss als Handwerksbetrieb, denke ich, nicht unbedingt günstig sein und es mag für den einen oder anderen eine Herausforderung sein, das Produkt nicht zu billig zu verkaufen.“ Der Neubauer Unternehmer stellt fest, dass Handwerksbetriebe nicht selten eine nicht ganz optimale geografische Lage haben, weshalb er Werbung für ganz besonders wichtig erachtet: „(…) am besten mit Google Adwords, einer guten Webseite und in den diversen sozialen Medien.“ Darüber hinaus zeigt er einen großen Vorteil auf: „Ein Handwerksbetrieb wird nicht sehr viele unterschiedliche Produkte verkaufen; das ist ideal für einen Webshop, mit dem man ruck zuck in die ganze Welt verkaufen kann.“

Einen Webshop betreibt auch Thomas Kreuz, der Designer und Erschaffer von WauWau Pfeffermühlen, der über seinen Onlineshop auch Salz-, Muskat- und Chillimühlen vertreibt, die er in Handarbeit fertigt. Für ihn liegt ein großer Vorteil eines kleinen Handwerksbetriebs in der Flexibilität, die er an den Tag legen kann. So kann er auf individuelle Kundenwünsche eingehen und Gewürzmühlen nach speziellen Größenvorgaben drechseln. “Man kennt den Produzenten und spricht mit ihm”, wirft Thomas Kreuz in die Waagschale, und sein Argument wiegt schwer, denn Vertrauen in ein Produkt und eine Marke sind bei seinen KundInnen gefragt. Während die Maschinen in Großkonzernen laufen müssen, um das Geschäft rentabel zu halten, bleibt ihm die Möglichkeit, auch einen Schritt zurück zu machen und sich immer wieder neu auf das Wesentliche zu fokussieren.

Entfaltbare Vielfalt

Den Faltplan finden Sie übrigens auf der Website der Gebietsbetreuung Stadterneuerung, wo Sie den Plan nicht nur kostenlos downloaden, sondern auch speichern und ausdrucken können.
Im praktischen Taschenformat und so hübsch gedruckt wie es ihm gebührt, liegt der Faltplan „Unsichtbares Handwerk“ auch im Büro der Gebietsbetreuung Stadterneuerung, Haberlgasse 76, 1160 Wien, und im Treffpunkt Lerchenfeld, Lerchenfelder Straße 141, 1070 Wien, auf.

Foto: © GB*west

Ausstellungstipp: Da wir gerade über die Handwerkstradition im 7. Bezirk sprechen:
Bis 30. Juni 2018 läuft im Bezirksmuseum Neubau, Stiftgasse 8, 1070 Wien, die Ausstellung Ausländer rein! – Geschichte der Seidenindustrie in Wien, bei der es um die „Entwicklung der österreichischen Seidenindustrie (…) unter dem Aspekt der unterschiedlichen politischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen“ (Quelle: Bezirksmuseum Neubau, Ausstellungsbeschreibung, Stand: 23.04.2018) geht. Beleuchtet werden auch die Nebengewerbe der Seidenindustrie. Wer sich anhand von Bild, Text und Material einen Eindruck machen möchte, kann das Bezirksmuseum am Donnerstag, 16:00 bis 18:00 Uhr, und am Samstag, 15:00 bis 17:00 Uhr, bei freiem Eintritt besuchen.

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... legt Wert auf treffende, bedeutungsschwere Worte. Hat dafür sogar eine Waagschale. Liebt das Kreative und Ungewöhnliche. Erzählt den im7ten-LeserInnen am liebsten UnternehmerInnengeschichten, die man beim Einkaufen im Grätzl sonst nicht so schnell erfährt.

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