„Bezirksgeheimnisse aus Archiven geborgen“

Bezirksgeheimnisse Wien Neubau. Foto im Hintergrund: © Michaela Krauss-Boneau, Cover: © KRAL Verlag

Das Autor*innenduo Alexandra Gruber und Wolfgang Muhr lädt in seinem neuesten Buch „Bezirksgeheimnisse Wien Neubau – Schauplätze der Geschichte entdecken“ zu einer Zeitreise durch unseren Bezirk ein. Bei den Recherchen stießen die beiden in alten Zeitungen und Büchern auf zahlreiche kuriose, dramatische oder amüsante Begebenheiten, die sich einst im Siebten ereignet hatten. Im Interview erzählen sie den im7ten-Leser*innen, was sie im neuesten Werk erwartet.

Blick vom Mariahilfer Gürtel aus auf den siebten Bezirk, 1905 – 1909
Verlag Anton Böhm, Wien (A. B. & Co., Wien) (Hersteller), 7., 6., Mariahilfer Straße - Blick vom Mariahilfer Gürtel aus, Ansichtskarte, 1905–1909, Wien Museum Inv.-Nr. 58891/786, CC0
Blick vom Mariahilfer Gürtel aus auf den siebten Bezirk, 1905 – 1909
Verlag Anton Böhm, Wien (A. B. & Co., Wien) (Hersteller), 7., 6., Mariahilfer Straße – Blick vom Mariahilfer Gürtel aus, Ansichtskarte, 1905–1909, Wien Museum Inv.-Nr. 58891/786, CC0

Wie seid ihr auf die Idee zu diesem Buch gekommen?

Alexandra Gruber: Unser Verlag betreibt eine Buchhandlung in der Neubaugasse, ich lebe im Siebten und Wolfgang ist privat ständig in diesem Grätzel unterwegs. Da hat es sich angeboten, in den Archiven nach historischen Neubau-Schmankerln zu suchen. Schließlich haben sich diese Begebenheiten direkt vor unserer Haustür abgespielt, das hat die Arbeit für dieses Buch besonders spannend gemacht.

Autorin Alexandra Gruber. Foto: © Harald Eisenberger
Autorin Alexandra Gruber. Foto: © Harald Eisenberger

Das ist nicht euer erstes historisches Buch. Ist die Arbeit besonders interessant, wenn man über die unmittelbare Umgebung schreibt?

Alexandra Gruber: Absolut. Ich sehe Orte oder Gebäude, an denen ich schon hundertmal vorbeigelaufen bin, nun mit anderen Augen. Ich wusste zum Beispiel nicht, dass in Spuckweite meiner Wohnung eine Mumie aufbewahrt wird.

Wolfgang Muhr: Ich bin sowieso immer neugierig, – ob nah oder fern spielt keine Rolle (lacht).

Wie habt ihr recherchiert?

Wolfgang Muhr: Indem wir alte Wien-Bücher und vor allem alte Zeitungen durchforstet haben. Die Vielfalt der Medienlandschaft in Wien während der Habsburgermonarchie war wirklich beeindruckend. Da schlummern noch viele Schätze, die darauf warten, geborgen zu werden.

Autor Wolfgang Muhr. Foto: © Harald Eisenberger
Autor Wolfgang Muhr. Foto: © Harald Eisenberger

Auf welchen Zeitabschnitt habt ihr euch konzentriert?

Alexandra Gruber: Vorweg: Wir haben keine Chronologie geschrieben, sondern völlig subjektiv bestimmte Ereignisse für unser Buch ausgewählt, die wir selbst interessant fanden. Der Fokus lag dabei auf dem 18. und 19. Jahrhundert sowie der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. In diesem Zeitraum gab es viel mehr Printmedien als jemals davor und danach. Da stößt man immer wieder auf Zeitungsartikel, die bisher noch niemand zitiert hat.

Wie schreibt man denn zu zweit ein Buch?

Wolfgang Muhr: Zunächst recherchieren wir beide. Dann schreibt einer den Beitrag, der andere überarbeitet ihn und kontrolliert alle Zahlen und Fakten nochmals genau nach. Das Neubau-Buch ist unser neuntes gemeinsames Projekt, dadurch sind wir schon sehr eingespielt.

Welche Wien-Neubau-Geschichten gefallen euch persönlich am besten?

Wolfgang Muhr: Schwierige Frage, da gibt es einige. Ich mag diesen kauzigen Kaffeesieder Josef Gabesam sehr gerne. Er wurde bekannt, weil er einmal Kaiserin Sisi gerettet hat, aber noch viel besser gefallen mir seine vielen schrulligen Aktionen. Oder die Geschichte eines Wirts aus der Neustiftgasse, der in der Nachkriegszeit während der größten Hungersnot köstliche Gerichte aus einem Zirkuselefanten zubereitet hat.

Der legendäre Kaffeehausbetreiber Josef Gabesam um 1860 Bildquelle: Johann Bauer (Fotoatelier), Gabesam, Cafétier, um 1860, Wien Museum Inv.-Nr. 71825/8, CC0 (https://sammlung.wienmuseum.at/objekt/477801/) Der legendäre Kaffeehausbetreiber Josef Gabesam um 1860 Bildquelle: Johann Bauer (Fotoatelier), Gabesam, Cafétier, um 1860, Wien Museum Inv.-Nr. 71825/8, CC0 (https://sammlung.wienmuseum.at/objekt/477801/) Der legendäre Kaffeehausbetreiber Josef Gabesam um 1860, Bildquelle: Johann Bauer (Fotoatelier), Gabesam, Cafétier, um 1860, Wien Museum Inv.-Nr. 71825/8, CC0, (https://sammlung.wienmuseum.at/objekt/477801/)
Der legendäre Kaffeehausbetreiber Josef Gabesam um 1860
Bildquelle: Johann Bauer (Fotoatelier), Gabesam, Cafétier, um 1860, Wien Museum Inv.-Nr. 71825/8, CC0

Alexandra Gruber: Ja, die beiden Kapitel mag ich auch besonders gerne. Offenbar lebten in unserem Bezirk schon immer besonders findige und geschäftstüchtige Menschen (lacht). Da gab es zum Beispiel noch so eine Wirtin, die berühmt wurde, weil sie die Reste der kaiserlichen Hofküche verkocht hat. Andererseits stand unser Bezirk auch für einen ganz anderen Wiener Typen: faule und verwöhnte Fabrikantentöchter- und -söhne. Natürlich stießen wir auch auf viele Tragödien. 1906 kam es zum Beispiel in der Altlerchenfelder Kirche zu einem tragischen Unglück, und in den 1960er-Jahren kollidierten direkt über der Neubaugasse zwei Kleinflugzeuge.

In der Altlerchenfelder Kirche ereignete sich 1906 eine Tragödie
Credit: 
Paul Ledermann (Hersteller), 7., Lerchenfelder Straße 111 - Altlerchenfelder Kirche, Ansichtskarte, 1911 (Herstellung), Wien Museum Inv.-Nr. 58891/779, CC0 (https://sammlung.wienmuseum.at/objekt/117865/)
In der Altlerchenfelder Kirche ereignete sich 1906 eine Tragödie
Credit: Paul Ledermann (Hersteller), 7., Lerchenfelder Straße 111 – Altlerchenfelder Kirche, Ansichtskarte, 1911 (Herstellung), Wien Museum Inv.-Nr. 58891/779, CC0

Wir danken für das Gespräch!

Das Buch „Bezirksgeheimnisse Wien Neubau – Schauplätze der Geschichte entdecken“ ist in der Buchhandlung Kral in der Neubaugasse 29 ständig vorrätig sowie in allen anderen Buchhandlungen erhältlich.

Veranstaltungstipp

Buchpräsentation: „Bezirksgeheimnisse Wien-Neubau – Schauplätze der Geschichte entdecken“

Am Donnerstag, 24. September 2026, lädt die Buchhandlung Kral-Neubaugasse zur Buchpräsentation ein. Das Autorenduo Alexandra Gruber und Wolfgang Muhr nimmt die Besucher*innen mit auf einen abwechslungsreichen Streifzug durch…

Buchhandlung Kral

Lesestoff für Groß und Klein, vom Taschenbuch bis zum großen Bildband, Fachberatung

Beitragstitelbild: Foto im Hintergrund: © Michaela Krauss-Boneau, Cover: © KRAL Verlag
Bild am Buchcover: Die Mariahilfer Straße um 1904, Credit: Brüder Kohn KG (B. K. W. I.) (Hersteller), 6., 7., Mariahilfer Straße – Blick gegen Hotel Kummer, Ansichtskarte, nach 1904, Wien Museum Inv.-Nr. 58891/759, CC0

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