Lange darbte das Stoffsackerl ein Dasein als nützlicher Alltagsgegenstand, den man zigfach zu Hause, aber im entscheidenden Moment nie eingesteckt hatte. Heute ist es ein wahres Kultobjekt! Jeder hat welche, jeder verwendet sie und jeder liebt seine kleine, individuelle Stoffsackerl-Kollektion.
Von Jutebeutel über Shopper bis hin zur Tote Bag – wir haben die schönsten, stylishsten Stoffsackerl aus dem 7. Bezirk für euch aufgestöbert.
Von der Plastikflut zur Baumwollrevolution
Wir alle haben ein halbes Leben mit Plastiksackerl-(Un)Kultur hinter uns. Damals, als Stofftaschen noch „Jutebeutel“ mit roten Flecken von beim Heimtragen zerquetschten Paradeisern waren, hing dem Stoffsackerl ein Öko-Label an. Und zwar nicht in einer positiven Weise – eher mit einer Portion Naserümpfen. Wenn man von Mama zum Einkaufen geschickt wurde und ein Sackerl von zuhause mitnahm, war jedes bedruckte Plastiksackerl von Konsum, Schöps und Stiefelkönig besser, als der Stoffbeutel, den Mama uns aufschwatzen wollte.
Ein beiges Stoffsackerl … das hatte in meinen Teen- und Twenjahren niemand bei sich, der was von Style und Coolness verstand.
Dinge verändern sich …
… und in dem Fall wirklich zum Besseren. Nicht nur die Kinder der 80er und 90er sind aus der Stoffsackerl-Boykott-Phase herausgewachsen, sondern wir haben dieses Trauma auch höchst erfolgreich nicht an Gen Z und Generation Alpha weitergegeben. Im Gegenteil: Stoffsackerl trägt man. Stolz! Und warum? Weil das Stoffsackerl eine Evolution durchgemacht hat! Aus Beige wurde bunt, aus leer wurde bedruckt, aus „Meh“ wurde Message. Stoffsackerl sprechen – mit Bildern, Sprüchen, Farben und Materialien. Sie sind zum Ausdrucksmittel geworden, zum Must-have-Accessoire und zum Statement Piece.
Stoffsackerl ist nicht gleich Stoffsackerl
Der wiederverwendbare Stoffsack mit zwei Tragegriffen hat viele Namen: Jutebeutel, Stoffsackerl, Einkaufstasche, Shopper, Tote Bag, Canvas Bag, Beach Bag – sie alle meinen funktional gesehen das Gleiche, sind aber definitiv nicht dasselbe!
Was sie verbindet, ist, dass sie faltbar und pflegeleicht, weil normalerweise waschbar, sind. Vor allem aber halten sie! Jahrelang. Jahrzehntelang, wenn man freundlich mit ihnen umgeht. Umso wichtiger ist es, ein Stoffsackerl ebenso weise zu wählen wie eine Handtasche, denn es wird viele Wege mit uns machen – gefaltet in der Jackentasche hin zum Geschäft oder Markt und dann in voller Pracht, mit allen Aufdrucken sichtbar wieder nachhause.
Genau für diesen Weg, wenn das mit guten Dingen gefüllte Stoffsackerl über die Schulter geworfen an uns baumelt, darf man ganz stolz zeigen, was man hat. Es geht um einen Vibe, eine Botschaft, eine Haltung, eine Lebensphase!
Sich jeden Tag neu erfinden
Klar, man kommt auch mit einer einzigen Stofftasche gut durchs Leben, aber realistisch betrachtet besitzt man ein paar – schon allein deshalb, weil man sie manchmal schlichtweg zuhause vergisst und eine neue, wiederverwendbare Tragehilfe an der Kasse mitnimmt. Das Schöne am Stoffsackerl ist, dass man sich für unter zwanzig Euro täglich neu erfinden kann: „Wer bin ich heute?“ – das schafft kaum ein anderes Accessoire.
Auf Stoffsackerl-Shopping-Tour durch Neubau
Die Idee zu diesem Beitrag entstand beim Flaniermarkt in der Neubaugasse – zwei Markttage im Frühjahr und zwei im Herbst, bei denen es entlang der gesamten Neubaugasse Stände mit Produkten rund um Design, Handwerk, Mode, Accessoires, Kunst und Wohnen zu entdecken gibt. Dazu finden Suchende Vintage-Schätze, genießen Schlemmer*innen die Kulinarik und schwingen Tänzer*innen das Tanzbein. Wohin man dabei auch blickt, sind Stoffsackerl im Einsatz. Es ist eine Parade! Ein Who-is-who wiederverwendbarer Tragehilfen, und man muss sich als Sackerl-Fan schon sehr zusammenreißen, nicht ständig fremde Menschen zu fragen: „Wo ist denn das tolle Sackerl her?!“

Deshalb haben wir beschlossen, dass ein Stoffsackerl-Guide her muss.
Emotional Baggage Bag
Den Anfang mach Femosa. Schon vor der Türe steht ein Drehständer, auf dem der Stoff hängt, aus dem die Sackerlträume gemacht sind: „my emotional baggage“ steht in weißen Buchstaben auf der schwarzen Tasche, „Fetish Club“ auf einer softpinken. Die Auswahl an Stoffsackerln bei Femosa ist zum Niederknien – dazu raten wir auch: unbedingt die Taschen in der oberen Etage des Drehständers durchschauen und dann auch in die Hocke gehen, um alle Modelle unten zu entdecken, schließlich muss man alles gesichtet haben, bevor man sich der Qual der Wahl hingibt.


Femosa, Neubaugasse 27, 1070 Wien
Fair-trade-Taschen
So ein wunderbarer Geschenkeladen! Handgemachte und fair trade Geschenke für Freund*innen, Geschenke für die Familie und Geschenke, die man sich selbst machen kann, sind hier bunt und vielseitig in die Regale geschlichtet. Die Stoffsackerl im Vorsprung der Eingangstüre springen mit den schönen Stoffen sofort ins Auge. Aktuell muss man sich zwischen Blätter- und Blütenmotiven entscheiden.

Für mich selbst eine klare Sache – Ocker und Ginkgoblatt … gibt es was Schöneres auf der … oh wait, was ist denn das?! Die einfärbigen Taschen im Shopper-Style im Geschäft sind toll und die coolen Freizeittaschen aus upcycelten Fischfutter- oder Zementsäcken findet man sonst nirgendwo. Okay, es ist beschlossene Sache, wir müssen noch einen eigenen Beitrag über Taschen im 7. Bezirk machen. Für heute konzentrieren wir uns auf die leichten Stoffsackerl, von denen es bei mamabulè einige zur Wahl gibt.

mamabulè – the wealth of cultures, Neubaugasse 45, 1070 Wien
mamabulè
Tote Bag
Bei WIER im Hof gibt es eine solide Auswahl an echten Statement Pieces – nicht nur in Sachen Stoffsackerl … und die heißen hier Tote Bags. Wenn man sich die Motive „Zwischenstation“ und „Endstation“ der hauseigenen Marke NKSP ansieht, versteht man, dass der Name zum Programm gemacht wurde. „A scheene Leich“ fand man im leicht morbiden Wien immer schon gut. Genauso wie ein Achterl im Schanigarten, weshalb auch der Schanigarten-Liebe eine Tote Bag gewidmet ist.

Die Motive der NKSP-Linie werden vom WIER-Team designt – federführend ist Cathi – und per Siebdruck auf den Baumwolltaschen aufgebracht. Der Vorteil von Siebdruck gegenüber Foliendruck ist die umweltfreundlichere, wasserbasierte Farbe. Das Ergebnis sind Tote Bags zum Verlieben. Übrigens auch perfekt als Wien-Souvenir abseits der touristischen Klassiker.

WIER im Hof, Neubaugasse 27 im Hof, 1070 Wien
WIER IM HOF
Merch Bag
Ihr kennt das Gefühl alle: Ihr mögt eine Band, eine Marke oder Ähnliches so sehr, dass ihr euch gern mit dem einen oder anderen Merch-Artikel eindeckt. Schließlich will man zeigen, wofür man steht und was man gut findet – Produkte in Bio-Qualität zum Beispiel. Genau das geht mit den Stofftaschen von SONNENTOR. In den Stoffsackerln lassen sich die Gewürze, Kräuter, Tees, Öle, Diffusor und Sirupglasflaschen sicher nachhause oder zur nächsten Gartenparty tragen.

SONNENTOR Neubaugasse, Neubaugasse 29, 1070 Wien
SONNENTOR Neubaugasse
Vom Taschenbuch zur Buch-Tasche
„Nur schnell bei KRAL reinschauen, was es Spannendes gibt“ und dann mit sieben neuen Büchern an der Kasse stehen. Passiert! Das Heimtragen ist aber ein doppeltes Vergnügen: Erstens weil es jetzt ganz viel zu lesen gibt und zweitens, weil die Stoffsackerlauswahl so unerwartet groß ist, dass man in der Buchhandlung KRAL durchaus auch einfach vorbeischauen sollte, um „nur“ ein Stoffsackerl zu kaufen. Jane Austen, Capybara, Sprüche für Buchfans … Ein heißer Geschenktipp für alle, die mit ihrem Geschenk sicher richtig liegen wollen: In der Buchhandlung KRAL kann man den im7ten-Gutschein kaufen, der sich in über vierzig Shops als bargeldloses Zahlungsmittel einsetzen lässt. Man kann also auch gut eines der schönen Stoffsackerl erstehen, im7ten-Gutscheine in der gewünschten Höhe erwerben und beides gemeinsam als pures Einkaufsvergnügen im 7. Bezirk verschenken.


Buchhandlung KRAL, Neubaugasse 27–29, 1070 Wien
Buchhandlung Kral
Bee-right-back-Einkaufstasche
Die Stofftasche für alle Bienenfans gibt es bei Wald & Wiese. Hier kommt man nicht her, um zwischen Taschen, sondern Honigsorten, Kerzen und Trüffelspezialitäten zu gustieren. Trotzdem gibt es natürlich eine nachhaltige, wiederverwendbare Stofftasche, die es dank des uniquen Stoffes in unser Best-of-Stoffsackerl geschafft hat. Wer fleißig aus der breiten Produktpalette eingesammelt hat, kann die Schätze von Wald & Wiese in der gelben Bienen-Stofftasche sicher nachhause transportieren.

Wald & Wiese, Neubaugasse 26 und Kaiserstraße 33, 1070 Wien
Beach Bag
Die Beach Bag von Motel a Miio ist ein magisches Stück Stoff! Die Farben sind einfach ein Traum und das Material ist ein weicher, aber dicker Baumwollstoff, der auch schwere Lasten mit einer Grazie trägt. Es gibt die Beach Bag mit doppelseitigem Motel-a-Miio-Aufdruck oder Logo auf der einen und Olá-Aufdruck auf der anderen Seite. „Hallo“ und „Tschüss“ auf Portugiesisch. Nicht nur wegen der Titulierung als Beach Bag weckt das Stoffsackerl Urlaubserinnerung, sondern auch weil die Keramik-Brand ganz fest mit der Liebe für portugiesische Handwerkskunst verbunden ist.

Motel a Miio, Neubaugasse 51, 1070 Wien
Not-a-bag? But definitely a Sackerl.
Im Reformhaus prokopp weiß die Kaffee trinkende Katze auf der Stofftasche, dass „more espresso less depresso“ macht und auch der Wunsch nach „more amor por favor“ wird in rosafarbenen Buchstaben verstofflicht. Ganz schön smart und multifunktional ist die Bag-&-Backpack-Kombination von notabag, die es bei prokopp gibt.


Reformhaus prokopp, Lindengasse 37, 1070 Wien
Goodbag
Die Goodbag ist die Einkaufstasche, die den Ozean reinigt und Bäume pflanzt. Sie wird fair produziert und besteht aus robuster Bio-Baumwolle mit extrastarken Tragegriffen. Neben dem offensichtlichen Nutzen einer zuverlässigen Stofftasche bietet die Goodbag mit einer eigenen App und einem Punktesammelsystem einen Anreiz, die Tasche als täglichen Begleiter mitzunehmen und beim wieder und wieder Verwenden Punkte und Trophäen zu sammeln. Die Goodbag gibt es in verschiedenen Designs wie „Think outside the bag“ im Aurinshop, wo es überhaupt eine riesige Auswahl an nachhaltigen Low-waste-Produkten gibt.

Aurinshop, Kirchengasse 25, 1070 Wien
DIY-Stoffsackerl
Für alle, die sich ihr Stoffsackerl in x-beliebigen Dimensionen selbst nähen wollen, gibt es im Stoffsalon eine große und absolut verführerische Auswahl an Stoffen. Auch hier gilt: Die Haptik des Stoffes, das Muster, die Farben, der Druck … sie sagen so viel über die stolzen Träger*innen des selbstgenähten Tascherls aus.
Wer übrigens noch nie an der Nähmaschine gesessen ist, bucht sich beim Nähkollektiv in einen der Kurse ein und lässt sich dort zeigen, wie man Stoffbahnen in Kleidung und Accessoires verzaubert.

Stoffsalon, Westbahnstraße 38, 1070 Wien
Der schmale Grat zwischen Stoffsackerl und Tasche
Was früher undenkbar (für mich) war, ist heute gar nichts Ungewöhnliches mehr: Manchmal kommen Schlüssel und Handy einfach in die Stofftasche und man verlässt das Haus ohne weitere Handtasche oder Rucksack. Das Stoffsackerl kann durchaus auch die verantwortungsvollen Jobs seiner großen Geschwister übernehmen. Deshalb verschwimmt die Grenze zwischen (Hand-)Tasche und Stoffsackerl mitunter. Schwimmen ist auch gleich ein gutes Stichwort, denn die letzte Tasche in Shopper-Form, die wir uns heute ansehen, ist der Bongusta Naram mit Frotteestoff im Streifenlook. Gibt’s bei Kitsch Bitch in verschiedenen Farben. Der erste Blick sagt Stoffsackerl, der zweite schreit Tote(ally cool) Bag, das Material behauptet Pool-Tasche. Ein Blick aufs Preisschild verrät, dass wir uns am oberen Ende der klassischen Stofftaschen-Price-Range und am Rand zur Kategorie Tasche befinden. Gut so! Genau hier wollten wir heute angekommen – im Grenzgebiet zwischen Sackerl und Tasche, denn es legt uns die Rutsche zu einem Beitrag, an dem wir schon für unsere im7ten-Leser*innen arbeiten.

Kitsch Bitch, KBS Corner, Neubaugasse 49, 1070 Wien
KITSCH BITCH SIGHT STORE
Up next: Auf Taschenjagd im 7. Bezirk
Im Herbst werfen wir einen Blick auf das Handtaschen- und Rucksackangebot aus dem Bezirk. So viel verraten wir vorab: Es wird schwer, sich zu entscheiden. Es gibt alle Größen, Farben, Formen und Materialien. Wir erzählen euch, wo ihr fündig werdet und an welcher Adresse ihr dem Taschner sogar im Atelier beim Fertigen seiner Handtaschen zusehen könnt.
PS: Das im7ten-Stoffsackerl
Das im7ten-Stoffsackerl von unserem Titelbild gibt es so nicht. Noch nicht. In diesem Mock-up hat unsere im7ten-Grafikerin Katharina Kastner lediglich visualisiert, was mal werden könnte.
Das im7ten-Logo steht für Offenheit, Nahbarkeit, Nachhaltigkeit, Gemeinschaft, Kreativität und Vielfalt. Werte, die man gerne spazieren trägt. Deshalb hatten wir, das im7ten-Redaktionsteam, große Freude, dass uns die Schüler*innen der Herbststraße ein Siebdruck-Sieb mit dem im7ten-Logo vorbereitet haben, das man sich im Rahmen der Meet the Makers – Summer Session auf ein T-Shirt oder eine Tasche drucken konnte.


Wenn ihr findet, dass eine im7ten-Tasche noch in eurer persönlichen Stoffsackerlsammlung fehlt, schreibt uns an blog@im7ten.com. Je mehr positives Feedback wir bekommen, desto wahrscheinlicher ist es, dass wir diese Idee in Zukunft verwirklichen können.







