Mehr als ein Shop – Ateliers im 7. Bezirk

Im Atelier von Stefanie Klausegger entstehen die Schmuckstücke ihres Labels My Magpie Vienna. Foto: © Michaela Krauss-Boneau

Der 7. Bezirk hat Charme, und zwar den, den man immer spürt, aber oft erst beim genauen Hinschauen in seiner Tiefe versteht. Wer durch die Neubauer Gassen spaziert, entdeckt liebevoll gestaltete Schaufenster, kreative Logos und ansprechende Werbebotschaften. Doch hinter mancher Ladentür steckt mehr als ein Shop: Kleine Labels haben im Siebten nicht nur ihr Geschäft, sondern machen hier auch die wertvolle Entwicklungs- und Kreativarbeit. Hier verwandeln kreative Köpfe Stoffe, Leder und andere Materialien in Schmuckstücke, Kleidung und Accessoires mit eigenständigem Charakter, und hier starten die Prozesse, an deren Ende etwas Einzigartiges steht. In den oftmals offen einsehbaren Ateliers wird entworfen, getüftelt und experimentiert. Doch was braucht es, damit aus einer ersten Idee etwas Eigenes wird? Oft sind es die Neugier auf neue Möglichkeiten, das Gespür für besondere Materialien und der Mut, eigene Wege zu gehen. Wir haben uns am Neubau umgesehen und Menschen getroffen, die mit ihren Ideen und ihrer Arbeit die kreative Vielfalt des Grätzls prägen.

ulliKo: Mode mit Taschen und durchdachten Details

Wie wird aus einem Stück Stoff ein Kleidungsstück, das gut aussieht und im Alltag funktioniert? Bei ulliKo in der Kirchengasse 7, 1070 Wien, beginnt der kreative Prozess nicht mit einem Trend, sondern mit Stoff, Schnitt und Handarbeit. Hinter dem Wiener Modelabel steht Designerin Ulrike Kogelmüller, die seit 2005 ihre eigenen Kollektionen entwirft. Sie zeigt, wie viel handwerkliches Können hinter einem gut sitzenden Kleidungsstück steckt. Dafür prüft sie die Haptik eines Stoffes, beobachtet, wie er fällt, und entwickelt daraus ihre Ideen. „Die Idee verändert sich durch den Stoff“, beschreibt sie ihre Arbeitsweise. Ein erster Entwurf wird zum Prototyp, der beim Nähen und Anprobieren so lange angepasst wird, bis Material und Schnitt zusammenpassen.

Ulrike Kogelmüller im ulliKo Shop in der Kirchengasse 7, 1070 Wien. Foto: Barbar Aichinger
Ulrike Kogelmüller im ulliKo Shop in der Kirchengasse 7, 1070 Wien. Foto: © Barbara Aichinger

Durchdacht bis ins Detail

Besonders wichtig ist Ulrike Kogelmüller, dass die Kleidung nicht nur gut aussieht, sondern im Alltag funktioniert. Taschen gehören deshalb zu jedem Kleidungsstück, ebenso wie durchdachte Schnitte und bequeme Passformen. Besonders deutlich zeigt sich dieser Anspruch bei den Hosen des Labels. Zehn verschiedene Schnitte stehen zur Auswahl, von zeitlosen Klassikern bis zur Marlene-Hose. Die Modelle gibt es in den Größen XS bis XXL, Länge und Passform können individuell angepasst werden.

Kurze Wege, hochwertige Materialien

Auch bei der Fertigung setzt ulliKo auf kurze Wege und persönliche Zusammenarbeit. Rund die Hälfte der Produktion findet in Wien statt, die andere Hälfte bei einem langjährigen Partnerbetrieb in der Slowakei, etwa eineinhalb Stunden von Wien entfernt. Mit dem Betrieb verbindet Ulrike Kogelmüller eine rund 20-jährige Zusammenarbeit. Verarbeitet werden hochwertige europäische Materialien, darunter Jerseys aus Polen sowie Merino- und Schurwolle aus Italien. Wo es passt, kommen auch Reststoffe zum Einsatz. „Keine Fernostware, darauf bin ich sehr stolz“, sagt die Designerin. Statt große Mengen auf Vorrat zu produzieren, lässt sie beliebte Modelle in gefragten Farben und Größen regelmäßig nachproduzieren.

Isabelle Uhl bei ulliKo, © Katharina Schiffl
Im Rahmen von Meet the Makers war Bezirksvorsteher-Stellvertreterin Isabelle Uhl bei ulliKo zu Besuch und nahm vor der Wand mit den ulliKo-Modellen Platz, die einen guten Überblick über den ulliKo-Style geben. Foto: Katharina Schiffl

Lieblingsstücke mit langem Leben

Wie die Kleidungsstücke ein zweites Leben bekommen, zeigt eine Secondhand-Aktion, die zweimal jährlich stattfindet. Kund*innen können gut erhaltene ulliKo-Stücke zurückbringen und erhalten dafür Geld oder einen Gutschein. Anschließend werden die Kleidungsstücke weiterverkauft. Ebenfalls zweimal im Jahr präsentiert die Designerin bei einem Defilee ihre neuen Kollektionen und bringt dabei Mode, Kund*innen und das Grätzl zusammen. Im Geschäft ist Ulrike Kogelmüller häufig selbst anzutreffen. Persönliche Beratung, individuelle Anpassungen und der direkte Austausch gehören zum Konzept. So sind über die Jahre nicht nur treue Stammkund*innen, sondern auch persönliche Freundschaften entstanden.

ulliKo

lokal gefertigte Damenmode, Accessoires, Steetwear, von Casual bis Business

Soova: Nachhaltige, farbenfrohe Mode für Groß und Klein

Zebras auf Shirts, Wiener Bims auf Latzhosen und Farben, die selbst graue Tage aufhellen. Bei Soova in der Lindengasse 31–33, 1070 Wien, trifft ausgefallenes Design auf alltagstaugliche Mode. Seit rund 20 Jahren entwirft Martina Schneider Mode, die aus der Reihe tanzt. Als Inhaberin und Designerin von Soova kombiniert sie auffällige Prints mit bequemen Schnitten und beweist, dass Kleidung für Kinder und Erwachsene ruhig ein bisschen frech, bunt und unkonventionell sein darf.

Innenaufnahme von Soova, Foto: © Michaela Krauss-Boneau
Im gemütlichen Soova-Store kann man sich in Ruhe umsehen und das Lieblingsmotiv auswählen. Foto: © Michaela Krauss-Boneau

Von Babykleidung bis Erwachsenenmode

Die Kollektionen tragen Namen wie ZebraLand, Lilalustig und simsalaBIM. Martina Schneider entwirft alle Modelle selbst, von Babykleidung ab Größe 50 bis hin zu Mode für Erwachsene. Kleider, Röcke, Hosen und die charakteristischen Latzhosen bringen Farbe und Individualität in den Alltag. Soova zeigt, dass Mode bequem sein kann und trotzdem jede Menge Persönlichkeit hat.

Produktion in Tschechien

Hinter den bunten Designs steckt auch ein klares Bekenntnis zu Verantwortung. Bio, nachhaltig, fair und bequem lautet das Motto. Produziert wird in einer kleinen eigenen Fertigung in Tschechien, nahe Brünn, weniger als 200 Kilometer von Wien entfernt. Dort entwickelt das Team die Schnitte, schneidet die Stoffe von Hand zu und näht die Kleidungsstücke. Die räumliche Nähe zu Wien und die Einhaltung sozial-ökologischer Standards sind für Soova ein wichtiger Teil des Konzepts. Bei den Materialien kommen unter anderem GOTS-zertifizierte Stoffe zum Einsatz.

Die süßen Motive werden in Wien vom Soova-Team designt. Foto: © Michaela Krauss-Boneau
Die süßen Motive werden in Wien vom Soova-Team designt. Foto: © Michaela Krauss-Boneau

Stoffreste mit einem zweiten Leben

Auch beim Zuschnitt wird darauf geachtet, möglichst wenig zu verschwenden. Stoffreste landen nicht einfach im Müll, sondern bekommen ein zweites Leben, etwa als Stoffsackerl, Dekoration oder Werbematerial. So verbindet Soova kreative Freiheit mit einem bewussten Umgang mit Ressourcen.
Das Ergebnis ist Mode, die gute Laune macht, ohne bei Qualität und Verantwortung Abstriche zu machen. Im Geschäft entdecken Kinder, Eltern, Geschenkesuchende und Tourist*innen Kleidungsstücke, die sich nicht so leicht in eine Schublade stecken lassen. Wer nicht persönlich im Siebten vorbeischauen kann, findet die farbenfrohen Kollektionen auch im Onlineshop.

Soova

bunte Kindermode aus 100 % Bio-Baumwolle, designt in Wien, made in Europe

MY MAGPIE Vienna: Wiener Architektur zum Anstecken

Eine Büroklammer wiegt ungefähr 1,2 Gramm. Genauso viel wiegt ein Paar Loops-Ohrringe von MY MAGPIE Vienna. Klingt nach fast nichts, ist aber ziemlich raffiniert, wenn daraus ein Schmuckstück entsteht. Seit rund neun Jahren entstehen die Designs von Stefanie Klausegger. Das Schmucklabel befindet sich in der Boutique von Sylvie T. in der Zollergasse 28, 1070 Wien. Hier zeigt die studierte Industriedesignerin, wie leicht Schmuck sein kann und wie viel Wiener Designgeschichte darin steckt.

Die My Magpie Vienna Schmuckstücke werden mit 3D-SLS-Druck gefertigt. Foto: bereitgestellt
Die My Magpie Vienna Schmuckstücke werden mit 3D-Druck gefertigt. Foto: bereitgestellt

Inspiration aus Architektur und Design

Der Name MY MAGPIE Vienna kommt übrigens nicht von ungefähr. Er ist von der sprichwörtlich diebischen Elster inspiriert, die für ihre Vorliebe für glänzende Dinge bekannt ist. Stefanie Klausegger sammelt ihre Inspiration allerdings nicht auf Dächern, sondern in der Architektur und Gestaltung. Elemente des klassischen Thonet-Geflechts und Gestaltungselemente der Wiener Secession, des Wiener Jugendstils und des Bauhauses übersetzt sie in Linien, Flächen und Strukturen, aus denen Ohrringe, Ketten und andere Schmuckstücke entstehen.

Vom 3D-Druck zum Schmuckstück

Bevor daraus etwas zum Anstecken oder Umhängen wird, beginnt die Arbeit am Computer. Stefanie Klausegger entwickelt jedes Design selbst und lässt ihre digitalen Entwürfe anschließend im SLS-Verfahren im 3D-Druck umsetzen. Schicht für Schicht entstehen aus flexiblem Polyamid die charakteristischen Formen. Dazu kommen je nach Design 925er Sterlingsilber, Gold oder Acrylglas. Doch aus dem Drucker kommt noch kein fertiges Schmuckstück. Anschließend gehen die Teile zurück nach Wien, wo Stefanie Klausegger jedes Schmuckstück von Hand zusammensetzt und vollendet. Sie montiert Ohrstecker sowie Goldkugeln und Acrylglaselemente und fügt die einzelnen Komponenten zusammen. Auch Qualitätskontrolle und Verpackung übernimmt sie direkt in der Boutique.

Stefanie Klausegger von My Magpie Vienna bei der Gestaltung ihrer Schmuckkreationen. ©Michaela Krauss-Boneau
Stefanie Klausegger von My Magpie Vienna bei der Gestaltung ihrer Schmuckkreationen. © Michaela Krauss-Boneau

Schmuck mit künstlerischer Handschrift

Rot, Gold, Schwarz und Weiß prägen die Farbwelt. Die Idee dahinter ist, Schmuck zu entwerfen, der nicht nur zu einem bestimmten Outfit passt, sondern sich über viele Jahre hinweg zu ganz unterschiedlichen Looks tragen lässt. Jedes Stück versteht sich dabei als kleines Kunstwerk. Dass MY MAGPIE Vienna gut in die Welt von Kunst und Kultur passt, zeigt auch eine aktuelle Zusammenarbeit. Für das Kunsthistorische Museum Wien hat Stefanie Klausegger eine exklusive Kollektion, inspiriert von Gustav Klimts „Nuda Veritas“, gestaltet. Künftig möchte sie noch stärker individuelle Kollektionen und Auftragsarbeiten für Museen, Institutionen und andere kulturelle Partner entwickeln. Wer sich in ein Stück verliebt, kann es online bestellen. Mittlerweile sind die Schmuckstücke von MY MAGPIE Vienna auch in ausgewählten Museumsshops erhältlich, etwa im MQ Point Vienna und im Leopold Museum.

My Magpie Vienna

kunstvolles Schmuckdesign kombiniert mit moderner 3D-Drucktechnik

Sylvie T.: Französische elegante Mode für den Alltag

„Lässig! Elegant! Einfach französisch!“ lautet die Devise von Sylvie T. in der Zollergasse 28, 1070 Wien. Seit rund zehn Jahren entwirft sie hier französische Mode für Frauen, die ihren eigenen Stil gefunden haben. Ihre Idee: französische Lässigkeit und Eleganz in den heutigen Alltag zu bringen. Entsprechend reicht das Angebot von Büro- und Casualmode über Röcke und Kleider bis hin zu Outfits für Bälle oder Hochzeitsgäste.

Von Paris nach Wien

Die Liebe zu Kleidung begleitet die gebürtige Pariserin schon seit ihrer Kindheit. Vor dem Kleiderschrank ihrer Großmutter probierte sie verschiedene Kombinationen aus und entdeckte früh ihre Freude daran, mit Mode zu spielen und Neues auszuprobieren. Nach einem Literaturstudium, einigen Jahren als Marketingassistentin in der Schweiz und einem Marketingstudium an der WU entschied sie sich schließlich, ihre Leidenschaft zum Beruf zu machen.

Sylvie Trenous ist das Gesicht hinter dem Wiener Modelabel mit französischem Chic Sylvie T. Foto: © Michaela Krauss-Boneau
Sylvie Trenous ist das Gesicht hinter dem Wiener Modelabel mit französischem Chic Sylvie T. Foto: © Michaela Krauss-Boneau

Design und Produktion

Die Designerin entwickelt ihre Kollektionen selbst und lässt sich dabei vor allem von dem inspirieren, was sie selbst gerne trägt. Ihre Schnitte sind klar, dürfen aber durchaus verspielt sein. Zum Einsatz kommen hochwertige Naturmaterialien wie Wolle, Seide und Viskose, teilweise auch Baumwolle und Leinen. Feine Stoffe wie Seide oder Wolltwill sollen der Silhouette schmeicheln, ohne die Bewegungsfreiheit einzuschränken. Bei Farben und Mustern darf es ruhig ausgefallen sein, bunt, gemustert und individuell.
Gefertigt werden die regulären Kollektionen in der Slowakei. Einzelstücke werden hingegen direkt in Wien gefertigt, Änderungen vor Ort vorgenommen. Passt ein Rock nicht perfekt oder wünscht sich eine Kundin ein bestimmtes Modell in einer anderen Farbe oder einem bestimmten Stoff, kann Sylvie T. es nach Wunsch anpassen oder anfertigen. Je nach Auftrag dauert die Anfertigung etwa zwei bis vier Wochen.

In der stilvoll eingerichteten Boutique in der Zollergasse 28, 1070 Wien, spiegelt sich der Stil von Sylvie T. wider. Foto: © Michaela Krauss-Boneau
In der stilvoll eingerichteten Boutique in der Zollergasse 28, 1070 Wien, spiegelt sich der Stil von Sylvie T. wider. Foto: © Michaela Krauss-Boneau

Mode nach Maß und persönliche Beratung

Dabei muss nicht jedes Modell völlig neu erfunden werden. Bestimmte Grundschnitte bleiben über längere Zeit erhalten und werden je nach Wunsch verändert, etwa durch andere Ärmel oder Stoffe. So entstehen aus bewährten Schnitten immer wieder neue Varianten. Gleichzeitig trägt dieser Ansatz zur Nachhaltigkeit bei, weil nicht für jede Saison völlig neue Schnitte entwickelt werden müssen.
Im Mittelpunkt steht bei Sylvie T. die Person, die das Kleidungsstück trägt. Sylvie T. berät auch zu Farbe und Stil und greift dabei auf ihre Ausbildung als Imageberaterin zurück. Gemeinsam wird ausprobiert, was zur jeweiligen Persönlichkeit passt. Denn ein gelungenes Outfit soll nicht verkleiden, sondern im besten Fall genau diesen kleinen Moment vor dem Spiegel auslösen: „Wow, das bin ich.“
Statt eines klassischen Online-Shops setzt Sylvie T. auf persönliche Beratung, Anprobe und individuelle Wünsche.

Sylvie T.

lässige, elegante und französische Mode für die vielen Gesichter einer Frau

art point: Mode als Ausdruck kreativer Ideen

Kann Kleidung mehr sein als ein schönes Outfit? Bei art point in der Neubaugasse 35, 1070 Wien, wird diese Frage auf jeden Fall mit Ja beantwortet. Hier wird Mode zum Ausdruck von Ideen, gesellschaftlichen Fragen und kulturellen Einflüssen. Hinter dem Label steht die Designerin und Künstlerin Lena Kvadrat, die art point 1998 in Moskau gründete und seit 2001 von Wien aus ihre Kollektionen entwirft. Mehr als 40 Kollektionen sind seither entstanden, jede mit ihrer eigenen Geschichte.

Kleidung als Sprache

Für die Modeschöpferin ist Kleidung eine Sprache. Was wir tragen, kann etwas über unsere Persönlichkeit, unsere kulturellen Wurzeln und die Gesellschaft erzählen, in der wir leben. Deshalb widmet sich jede Kollektion einem bestimmten Thema, das philosophische, soziale oder kulturelle Fragen aufgreift. Lena Kvadrat übersetzt ihre Gedanken in Farben, Proportionen und besondere Details. Ihr Motto lautet: „art point bedeutet, im richtigen Moment einen Punkt zu setzen.“ Bei aller Kreativität muss die Mode aber auch im Alltag funktionieren und tragbar sein.

Lena Kvadrat ist die Designerin hinter art point in der Wiener Neubaugasse.
Lena Kvadrat ist die Designerin hinter art point in der Wiener Neubaugasse. Foto: bereitgestellt

Von der Idee zum fertigen Kleidungsstück

Zweimal im Jahr entsteht im Atelier im Siebten eine neue Kollektion. Das Team entwickelt die Ideen und fertigt erste Prototypen, bevor die Kleidungsstücke in der Slowakei produziert werden. Schwarz spielt dabei eine zentrale Rolle. Dazu kommen eigens entworfene Stoffe mit auffälligen Prints. Für jede Kollektion gestaltet das Team zwei bis drei eigene Textilien, die in Italien oder Portugal hergestellt werden. Die großformatigen Muster verleihen den Kleidungsstücken jeweils einen eigenen Charakter, ohne dass die Handschrift des Labels verloren geht. Im Sortiment finden sich zum Beispiel asymmetrische Jacken, weit geschnittene Hosen, A-Linien- und Midi-Röcke mit raffinierten Details sowie Mäntel mit markanten Silhouetten.

Ein Concept Store mit Galeriecharakter

Auch im Concept Store gibt es einiges zu entdecken. Die Möbelmodule in der Mitte des Geschäfts erinnern an eine Galerie und lassen sich je nach Saison neu anordnen. So stehen einmal die neuesten Entwürfe einer Kollektion im Mittelpunkt, ein anderes Mal die Sale-Kleidungsstücke. Ein Hingucker ist auch der Kassentisch, der aus einem Einkaufswagen gefertigt und mit weißen Schubladen ergänzt wurde. Ergänzt wird die eigene Mode durch ausgewählte Schuhe, Taschen und Accessoires internationaler Marken.

Der Store von art point in der Neubaugasse hat Galeriecharakter.
Der Store von art point in der Neubaugasse hat Galeriecharakter. Foto: bereitgestellt

Mode, die zum Dialog einlädt

Mode soll bei art point nicht nur angeschaut, sondern auch diskutiert werden. Bei Veranstaltungen stellt Lena Kvadrat neue Kollektionen vor und lädt dazu ein, über die Bedeutung von Kleidung ins Gespräch zu kommen. Ihre Entwürfe sind damit mehr als tragbare Stücke. Sie bieten Anlass, die eigene Sicht auf Mode zu hinterfragen.
Das Label entwickelt sich weiter. Gemeinsam mit der Schweizer Brillenmarke VIU eyewear hat art point mittlerweile einen zweiten Standort im 18. Bezirk eröffnet.

art point

Mode ist Kommunikation – wortgewandte Designs, die Style und Funktion kombinieren

maronski: Nachhaltige Mode mit Wiener Wurzeln

Woran erkennt man Kleidung, die zur eigenen Persönlichkeit passt? Für Martina Meixner sind es raffinierte Schnitte, besondere Materialien und Designs, die Individualität ausdrücken, ohne jedem Trend hinterherzulaufen. Seit 2006 entwirft sie mit ihrem Label maronski im Siebten Mode für Frauen, die ihren eigenen Weg gehen. In der Neubaugasse 7, 1070 Wien, entstehen Kollektionen mit kräftigen Farben, ungewöhnlichen Materialkombinationen und einer unverkennbaren Handschrift. Leidenschaft, Herzblut und viel von ihrer Persönlichkeit stecken in jedem Entwurf. Von der ersten Idee bis zur Fertigung begleitet die Wiener Designerin ihre Kleidungsstücke selbst.
Auch der Name erzählt eine Geschichte. Er geht auf die „Maroons“ zurück, eine Bevölkerungsgruppe in der Karibik, die für Unabhängigkeit und Freiheit kämpfte. Was hat das mit Mode zu tun? Für maronski steht diese Geschichte für selbstbewusste Frauen, Lebensfreude und die Freiheit, den eigenen Stil zu finden. Die Kleidung soll sowohl im Alltag als auch zu besonderen Anlässen funktionieren und dabei alles andere als beliebig sein.
Zweimal im Jahr entwickelt Martina Meixner eine neue Kollektion. Seit 2012 verwendet sie dafür Bio-Baumwolle und Bambus. Die Stoffe bezieht sie von zwei deutschen Unternehmen, die nach dem Global Organic Textile Standard (GOTS) zertifiziert sind. Aus den ausgewählten Materialien entstehen Modelle, die mit raffinierten Schnitten auffallen und gleichzeitig bequem und alltagstauglich bleiben.

Martina Meixner hat das Wiener Modelabel maronski in der Neubaugasse gegründet
Martina Meixner entwirft die Kleidungsstücke für ihr Modelabel maronski, Foto: © maronski

Kurze Wege statt Überproduktion

Wo und von wem wird die Mode gefertigt? Die Produktion findet im 3. Wiener Gemeindebezirk sowie in einer kleinen, familiengeführten Werkstatt in Pata in der Slowakei statt. Mit dem Team vor Ort arbeitet Martina Meixner bereits seit vielen Jahren eng zusammen. Neue Modelle und laufende Aufträge bespricht sie persönlich mit den Mitarbeiter*innen und begleitet die Fertigung. Die Produktion innerhalb Europas ist für sie ein wichtiger Teil ihres Anspruchs, Mode verantwortungsvoll und unter fairen Arbeitsbedingungen herstellen zu lassen.
Auch bei den Stückzahlen setzt maronski auf einen bewussten Umgang mit Ressourcen. Statt große Mengen auf Vorrat zu produzieren, entstehen überschaubare Auflagen. So kann das Label flexibel auf die Nachfrage reagieren und unnötige Lagerbestände vermeiden. Wer ein Kleidungsstück individuell anpassen lassen möchte, kann dies auf Anfrage ebenfalls tun.

Lieblingsstücke mit Verantwortung

Wie konsequent Martina Meixner ihre Philosophie lebt, zeigt sich auch in ihrem Kleiderschrank. „Ich trage vor allem meine selbst entworfene Kleidung und mein Einkaufsbedarf ist damit zu 90 % abgedeckt (lacht).“ Bei den übrigen Kleidungsstücken achtet sie auf offizielle Zertifikate. Nachhaltigkeit ist für sie also nicht nur eine Frage der Produktion, sondern auch eine persönliche Haltung.
Im Shop in der Neubaugasse können Kund*innen die Kollektionen in familiärer Atmosphäre entdecken und sich beraten lassen. Wer lieber von zu Hause aus stöbert, wird auch im Onlineshop fündig. Für alle, die sich gerne überraschen lassen, gibt es die „No-risk-no-fun-Boxen“. Wie der Name schon verrät, gehört hier ein bisschen Mut dazu. Kund*innen geben ihre Lieblingsfarbe und Konfektionsgröße an und erhalten zwei Kleidungsstücke aus einer früheren Kollektion. Eine schöne Möglichkeit, neue Kombinationen auszuprobieren und Mode jenseits der aktuellen Trends zu entdecken.

Rosa Mosa: Wenn Holz auf Leder trifft

Wo früher ein Hutgeschäft untergebracht war, dreht sich heute alles um Schuhe, Taschen und Accessoires mit Charakter. Bei Rosa Mosa in der Richtergasse 1, 1070 Wien, treffen hochwertige Materialien auf traditionelles Handwerk und ungewöhnliche Designideen. Hinter dem Label stehen die Salzburgerin Simone Springer und der aus Kyoto stammende Yuji Mizobuchi, die sich beim Studium für Schuh- und Accessoire-Design am Cordwainers College in London kennenlernten. Seit 2001 entwerfen sie gemeinsam ihre Kollektionen. Das Besondere daran ist, dass Shop und Werkstatt unter einem Dach liegen.

Das japanisch-österreichische Designduo von rosa mosa ist in der Richtergasse 1, 1070 Wien, zu Hause.
Das japanisch-österreichische Designduo von rosa mosa ist in der Richtergasse 1, 1070 Wien, zu Hause. Foto: © Michaela Krauss-Boneau

Ein Netzwerk aus Handwerker*innen

Was Rosa Mosa auszeichnet, ist der Blick auf das Handwerk. Statt alle Arbeitsschritte selbst zu übernehmen, arbeitet das Duo mit einem Netzwerk spezialisierter Produzent*innen und Kunsthandwerker*innen zusammen. Dazu gehören ungarische Korbflechter*innen, traditionelle Stoffdrucker*innen und Färber*innen sowie Teppichweber*innen aus Salzburg. Die Materialien stammen von traditionellen Erzeugern aus Österreich, Italien und angrenzenden Regionen Osteuropas. So fließen unterschiedliche Handwerkstraditionen und das über Generationen weitergegebene Wissen ihrer Expert*innen in die Produkte ein.

Yuji Mizobuchi im Rosa-Mosa-Atelier. Foto: © Lisaedi
Yuji Mizobuchi im Rosa-Mosa-Atelier. Foto: © Lisaedi

Leder, Indigo und Pappelholz

Besonders spannend wird es bei den Materialien. Rosa Mosa setzt auf pflanzlich gegerbtes Leder, das mit natürlichen Gerbstoffen verarbeitet wird und seine charakteristische Struktur behält. Mit der Zeit entwickelt es eine individuelle Patina. Einige Lederarten werden zusätzlich im Burgenland mit Indigo gefärbt. Dabei entstehen Farbnuancen, die sich nicht exakt vorhersehen lassen. Genau diese kleinen Unregelmäßigkeiten sind erwünscht und machen jedes Stück besonders.
Auch bei den Schuhen zeigt sich die Freude am Experiment. Einige Modelle verbinden Leder mit leichten Sohlen aus Pappelholz. Die Schuhe lassen sich das ganze Jahr über tragen, je nach Saison mit dicken Socken oder barfuß. Viele Modelle können zudem individuell an den Fuß angepasst werden. Neben Schuhen für unterschiedliche Jahreszeiten entstehen Taschen, Gürtel, Hüte, Schals, Jacken, Westen und weitere Kleidungsstücke. Das Sortiment setzt auf zeitloses Design und langlebige Begleiter statt auf kurzlebige Trends.

Simone Springer ist die Designerin hinter dem Schuhlabel Rosa Mosa. Foto: © Michaela Krauss-Boneau
Simone Springer gründete das Label gemeinsam mit Yuji Mizobuchi. Foto: © Michaela Krauss-Boneau

Zwischen Tradition und Experiment

Simone Springer und Yuji Mizobuchi sind Mitglieder der englischen Guild of Master Craftsmen. Ihr Verständnis von Handwerk bedeutet allerdings nicht, alte Techniken einfach unverändert zu bewahren. Vielmehr probieren sie aus, was passiert, wenn bewährtes Wissen auf neue Formen, Materialien und kulturelle Einflüsse trifft. Bei Rosa Mosa entstehen so eigenständige Designs, die handwerkliche Erfahrung mit einem frischen Blick auf Mode verbinden.

rosa mosa footwear + accessories

handgemachte Schuhe, Stiefel & Sandalen, japanische Accessoires, natürlich gefärbte Mode

Fazit: Wo Kreativität auf Handwerk trifft

Die Vielfalt der Labels und kreativen Unternehmen im 7. Bezirk zeigt, wie unterschiedlich Ideen Gestalt annehmen können. Ob 3D-gedruckter Schmuck, pflanzlich gegerbtes Leder, maßgefertigte Schuhe oder farbenfrohe und nachhaltige Mode, am Neubau verbinden sich durchdachtes Design, handwerkliches Können und neue Ideen. Jedes Label bringt eine eigene Handschrift ein und zeigt, wie viel Überlegung, Erfahrung und Liebe zum Detail in den fertigen Produkten steckt. Bei unseren Besuchen wurde deutlich, wie vielfältig die kreative Szene unseres Grätzls ist und wie viel Persönlichkeit in den Entwürfen und Produkten steckt.

Text: Verena Lukanz

Titelbild: Michaela Krauss-Boneau

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