Alles muss heute schnell gehen. Bestellen, liefern lassen, auspacken und weiter. Umso spannender sind die Orte, an denen Dinge noch Zeit brauchen dürfen. Im Siebten gibt es davon einige. In kleinen Werkstätten wird Leder zugeschnitten, Stoff verarbeitet, Metall bearbeitet, Wachs gegossen und Papier bedruckt. Hier entstehen Taschen, Schuhe, Schmuck, Kleidung, Kerzen und Bilder nicht irgendwo, sondern direkt im Grätzl. Wir haben einige dieser Werkstätten am Neubau besucht und dabei entdeckt, wie viel Wissen, Geduld und Handarbeit hinter Dingen steckt, die uns im Alltag oft selbstverständlich erscheinen.
Taschner Alexander Wien: Wenn aus Leder langlebige Begleiter werden
Ein Schnitt, ein Stück Leder, viele Handgriffe: Bis aus einem flachen Stück Rindsleder eine Tasche wird, vergehen ein paar Stunden. Bei Taschner Alexander Wien in der Kaiserstraße 8, 1070 Wien, lässt sich dieser Prozess sogar durch die Schaufensterscheibe beobachten. Hinter dem Glas arbeitet Alexander Rippka an Taschen, Gürteln und Kleinlederwaren und führt damit ein Handwerk weiter, das in dieser Form selten geworden ist.

Die Geschichte der Manufaktur reicht bis in die frühen 1930er-Jahre zurück. Nach mehreren Standortwechseln kam der Betrieb nach dem Zweiten Weltkrieg in den Siebten. 2017 übernahm Alexander Rippka die Manufaktur und führt das traditionelle Handwerk seither unter dem Namen Taschner Alexander weiter. Auch heute greift er auf die Geschichte des Betriebs zurück. Alte Entwürfe und Schablonen aus dem Firmenarchiv dienen als Grundlage für Modelle, die er immer wieder neu interpretiert.
Widerstandsfähig, robust und elegant – die Ledertasche
Im Mittelpunkt steht das Leder. Verwendet wird Rindsleder in unterschiedlichen Ausführungen, mit genarbter Struktur, glatt oder rau. Je nach Einsatz unterscheiden sich auch die einzelnen Lederstärken. Manche Teile müssen besonders stabil sein, andere sollen beweglich bleiben. Aus dem Leder werden zunächst einzelne Schnittteile, die später zu einer Tasche zusammenfinden.

Zeitlose Modelle
Für den Zuschnitt braucht es Präzision und das richtige Werkzeug. In der Werkstatt arbeitet Rippka unter anderem mit einer großen Deckelschere, mit der sich Karton und Leder exakt zuschneiden lassen. Das schwere Werkzeug gehört ebenso zum Arbeitsplatz wie Nähmaschine, Schnittmuster und die verschiedenen Lederstücke. Zugeschnitten, verstärkt, genäht und geformt wird direkt vor Ort. Je nach Modell kann die Herstellung bis zu sechs Stunden dauern.
Die Kollektion besteht aus rund vierzig Modellen. Kund*innen können Material und Farbe auswählen und bestimmte Details individuell mitgestalten. So entsteht aus einem bestehenden Entwurf eine Tasche, die den persönlichen Vorstellungen entspricht. Alexander Rippka arbeitet dabei nicht für eine Saison. Seine Modelle sind bewusst zeitlos gehalten und sollen möglichst lange im Alltag funktionieren.
Das zeigt sich auch bei den Entwürfen. Während derzeit feste, offene Taschen gefragt sind, setzt Alexander Rippka weiterhin auf weichere Modelle, die sich verschließen lassen. Alte Muster und Schablonen werden dabei immer wieder aufgegriffen und weiterentwickelt. So bleibt die Geschichte der Manufaktur in den aktuellen Taschen sichtbar, ohne dass sie einfach unverändert übernommen wird.

Made to last
Auch wenn eine Tasche nach Jahren einmal beschädigt ist, muss sie nicht ausgemustert werden. Reparaturen gehören ebenfalls zum Handwerk. Ein gerissener Riemen lässt sich häufig wieder instand setzen, aufwendigere Arbeiten wie der Austausch eines Reißverschlusses brauchen entsprechend mehr Zeit. So kann eine Tasche, die vielleicht schon lange zum Alltag gehört, weitergetragen werden.
Denn genau darum geht es bei diesem Handwerk auch: um Dinge, die nicht nach kurzer Zeit ersetzt werden müssen. Eine Tasche soll ihren Besitzer*innen möglichst lange erhalten bleiben und dabei mit der Zeit immer mehr zur persönlichen Begleiterin werden.
Das spricht auch die Kundschaft an. Neben vielen Stammkund*innen kommen Menschen aus ganz Österreich und Reisende ins Geschäft, darunter Besucher*innen aus Kanada und den USA. Die Taschen kosten je nach Modell etwa 300 bis 1.000 Euro, im Durchschnitt rund 500 Euro.
Seit September 2026 gibt es neben der Werkstatt in der Kaiserstraße einen zweiten Standort in der Neubaugasse 49. Dort sind ebenfalls ausgewählte Modelle der Kollektion des Traditionsbetriebs zu finden.
Taschner Alexander Wien
Wald & Wiese: Wie aus Bienenwachs handgemachte Kerzen entstehen
Bienenwachs kann erstaunlich wandelbar sein. Mal wird es gegossen, mal gezogen, gerollt oder in andere Formen gebracht. Bei Wald & Wiese in der Kaiserstraße 33, 1070 Wien, entstehen daraus Kerzen in den unterschiedlichsten Formen und Farben. Was sie verbindet, ist ihr Ausgangsmaterial. Sie bestehen zu 100 Prozent aus reinem Bienenwachs und werden direkt vor Ort in der eigenen Werkstatt gefertigt.

Stammhaus, Werkstatt und Flagshipstore im 7. Bezirk
Dass Bienenwachs hier eine so lange Tradition hat, kommt nicht von ungefähr. Schon 1928 zog die Imkergenossenschaft in das Geschäftslokal ein. Zuvor befand sich dort eine Apotheke, im Hinterhof wurde Leder produziert. 1987 gründeten Ernst und Waltraud Wilhelm die IBZ-Bienenhof HandelsgesmbH, in die die Genossenschaft überging. Rund zwei Jahrzehnte später entstand aus dem Anspruch der Familie, Kund*innen persönlich und fachkundig zu beraten, die Marke Wald & Wiese. Heute führt Imkermeister Kurt Wilhelm den Familienbetrieb gemeinsam mit seiner Frau Marianne in zweiter Generation. Das Stammhaus mit Werkstatt ist bis heute in der Kaiserstraße geblieben, einen zweiten Standort im Siebten gibt es in der Neubaugasse 26.

Bienenwachs aus allen Ecken Österreichs
Bevor aus dem Wachs eine Kerze werden kann, muss allerdings erst einmal das Ausgangsmaterial stimmen. Das Bienenwachs stammt unter anderem aus Mauerbach bei Wien, dem Lainzer Tiergarten und der Region rund um den Attersee. Zusätzlich wird von Imker*innen aus der Steiermark, dem Burgenland sowie Ober- und Niederösterreich und der Voralpenregion zugekauft. In der Werkstatt wird es zunächst gereinigt und aufbereitet. Durch Zentrifugierung lässt sich das ursprünglich gelbliche Wachs so weit klären, dass fast weißes Wachs entsteht.

Bienenwachs ist ein besonderer Rohstoff. Es ist ein reines Naturprodukt, brennt vergleichsweise lange und bringt seinen eigenen, warmen Honigduft mit. Gleichzeitig verlangt es bei der Verarbeitung Erfahrung. Bienenwachs schmilzt bei etwa 62 bis 65 Grad Celsius und wird durch Wärme formbar. Je nachdem, welche Kerze entstehen soll, kommen unterschiedliche Techniken zum Einsatz.
Verschiedene Techniken der Kerzenherstellung
Für gegossene Kerzen wird das Wachs verflüssigt und in Formen gefüllt. Je nach Größe kann das Auskühlen einige Stunden dauern. Erst wenn das Wachs vollständig erkaltet ist, wird die Kerze vorsichtig aus der Form gelöst. Eine andere Möglichkeit ist das traditionelle Ziehen. Dabei wird der Docht immer wieder in flüssiges Wachs getaucht. Mit jedem Durchgang bleibt eine dünne Wachsschicht am Docht haften, die kurz fest wird, bevor die nächste folgt. So wächst die Kerze nach und nach in die Breite. Der Wechsel aus Eintauchen und Antrocknen braucht Geduld und ein gleichmäßiges Arbeiten. Auch die schlanken orthodoxen Kirchen- und Opferkerzen entstehen auf diese Weise.
Beim Rollen geht es wiederum ganz ohne flüssiges Wachs. Dünne Bienenwachsplatten werden um einen Docht gewickelt und so zur Kerze geformt. Aus demselben natürlichen Rohstoff ergeben sich damit ganz unterschiedliche Möglichkeiten, je nachdem, welche Form am Ende gewünscht ist.
Neben klassischen Stab- und Christbaumkerzen entstehen bei Wald & Wiese auch religiöse Motive, Handkerzen und ausgefallene Formen. Besonders beliebt sind etwa die Handkerzen „OK“ und „Peace“ oder für spezielle Anlässe eine Totenkopf-Kerze zu Halloween, Elefanten- und Buddha-Kerzen. Dazu kommen kräftiges Rot und tiefes Schwarz neben den natürlichen Bienenwachstönen Gelb und Chamois, ein edles Blassgelb, das durch das Ausfiltern von Pollenkörnern entsteht.

Bienenwachs gibt es aber auch ganz ohne Docht und Flamme. Als Backwachs kann es anstelle von Butter zum Ausstreichen des Backblechs verwendet werden. Und als Bienenwachsbalsam eignet es sich zum Pflegen und Polieren von Holzmöbeln. So lässt sich das vielseitige Naturmaterial auch abseits der Kerzen im Alltag einsetzen. Wer selbst ausprobieren möchte, wie sich Bienenwachs verarbeiten lässt, findet dafür ebenfalls das nötige Material. Bienenwachsgranulat, Dochte und Bastelsets für die eigene Kerzenherstellung gehören zum Sortiment.
Und auch wenn eine Kerze schon fast heruntergebrannt ist, muss ihr Wachs nicht verloren sein. Nicht vollständig abgebrannte Adventkerzen können zu Wald & Wiese zurückgebracht werden. Das übrig gebliebene Wachs wird wieder eingeschmolzen und für neue Produkte verwendet. Der Rohstoff bleibt damit im Kreislauf und kann erneut seinen Weg durch die Werkstatt antreten.
Neben dem Kerzenhandwerk gibt es im Stammhaus und im Shop in der Neubaugasse auch Honig, Kosmetik und weitere Produkte rund um die Biene sowie Trüffelspezialitäten. Am Ende verlässt das Bienenwachs die Werkstatt als Kerze und findet seinen Platz auf dem Küchentisch, am Fensterbrett oder auf der festlich gedeckten Tafel, wo es mit warmem Licht für gemütliche Stunden sorgt.
Edwin Zaloha: Schmuckstücke mit Persönlichkeit und viel Handarbeit
Ein Schmuckstück kann vieles sein: ein Erinnerungsstück, ein Liebesbeweis oder einfach ein Ausdruck der eigenen Persönlichkeit. Bei Edwin Zaloha in der Kaiserstraße 44–46, 1070 Wien, beginnt jedes individuelle Schmuckstück deshalb mit einem Gespräch. Die Goldschmiede wurde 1973 von seinem Vater gegründet. Edwin Zaloha selbst kam allerdings erst über einen Umweg zum Handwerk. Nach seiner Ausbildung in Flugtechnik und Maschinenbau begann er 1987 eine Lehre im elterlichen Betrieb und übernahm ihn 1993. Zu Beginn widmete er sich der Restaurierung von Antiquitäten. Damit finanzierte er seinen Laden und beschäftigte sich später auch mit der Rekonstruktion römischen Schmucks. Heute führt er die Werkstatt gemeinsam mit seiner Frau Erika. Ihre unterschiedlichen kreativen Zugänge fließen dabei auch in gemeinsame Schmuckideen ein.

Ein offenes Ohr für individuelle Wünsche
Was Goldschmied Edwin Zaloha besonders auszeichnet, ist die Zeit, die er sich für seine Kund*innen nimmt. Bevor er zu Hammer, Feile und Edelmetallen greift, hört er genau hin. Wie soll der Ring aussehen? Trägt die Person, für die er bestimmt ist, überhaupt gerne Schmuck? Eher auffällig oder schlicht? Und zu welchen Gelegenheiten wird er getragen? Gerade bei einem so persönlichen Auftrag wie einem Ehering geht es ihm nicht nur um Form und Material, sondern vor allem um den Menschen dahinter. Aus den Wünschen und Vorstellungen seiner Kund*innen entwickelt er erste Entwürfe, manchmal bereits während des Beratungsgesprächs. So wird aus einer anfänglichen Idee nach und nach ein konkretes Schmuckstück. Oft entstehen dabei Entwürfe, die sogar die ursprünglichen Vorstellungen der Kund*innen übertreffen.
Die Arbeit endet allerdings nicht mit dem ersten Entwurf. Zaloha setzt auf persönliche Betreuung und begleitet seine Kund*innen durch mehrere Gespräche, in denen Details besprochen und Entwürfe weiterentwickelt werden.

Erfrischend entschleunigt
Wie lange die Anfertigung dauert, hängt deshalb nicht nur vom Schmuckstück selbst, sondern auch von den individuellen Wünschen und dem zeitlichen Rahmen ab. „Ich arbeite gerne wie ein Mönch aus dem 11. Jahrhundert, aber mit elektrischem Licht und Gas“, beschreibt der Goldschmied seine Arbeitsweise. In seiner Werkstatt verarbeitet er unter anderem Gold, Silber und Kupfer. „Dabei braucht es nicht nur ein gutes Gespür für Gestaltung, sondern auch eine ruhige Hand und viel Feinmotorik“, verrät er uns. Edwin Zaloha bezeichnet sich selbst weniger als Handwerker denn als Künstler. Damit steht er in einer Wiener Tradition, in der Goldschmiedekunst und Gestaltung eng miteinander verbunden sind. Wien entwickelte sich bereits im 14. Jahrhundert zu einem bedeutenden Zentrum des Goldschmiedehandwerks. Später prägten Aufträge von Adel und Kirche sowie die Wiener Kunstgewerbeschule und die Wiener Werkstätte die kunsthandwerkliche Tradition der Stadt.
Besondere Techniken als freudestiftende Herausforderung
Besonders gerne arbeitet der Schmuckkünstler mit Techniken, die viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl verlangen. Dazu zählt Mokumé Gané, eine japanische Schmiedetechnik, bei der unterschiedliche Metalle geschichtet und zu einzigartigen Strukturen verarbeitet werden. Auch die Granulation, eine bereits aus der Antike bekannte Technik, gehört zu seinen Spezialitäten. Dabei werden kleine Metallkügelchen zu ornamentartigen Mustern gelegt und verschweißt. Kreativität, Durchhaltevermögen und fundiertes Wissen, etwa über Materialkunde und Kunstgeschichte, sind für diesen Beruf ebenso wichtig wie das handwerkliche Können. Auch als Quereinsteiger*in lässt sich das Goldschmiedehandwerk erlernen, vorausgesetzt, man bringt die nötige Ausdauer und Begeisterung mit.

Schmuck, der Generationen verbindet
Dass seine Arbeit über Jahrzehnte hinweg geschätzt wird, zeigt sich auch an seiner treuen Kundschaft. Manche Familien kommen bereits seit mehreren Generationen zu ihm. Was einst die Großmutter in Auftrag gab, wird später an Kinder und Enkelkinder weitergegeben. Neben individuellen Anfertigungen bietet Edwin Zaloha auch selbst entworfene Schmuckstücke in seinen Auslagen an. Sein Angebot reicht von Ringen und Eheringen über Anhänger, Colliers, Ohrschmuck, Broschen und Armschmuck bis hin zu Perlen- und Steinketten. Auch Kreuze und liturgische Geräte werden hier sorgfältig angefertigt. Wer bereits ein Lieblingsstück besitzt, kann außerdem mit Reparaturwünschen zu ihm kommen.
Für Goldschmied Edwin Zaloha liegt der Reiz seines Berufs darin, mit Geduld und ruhiger Hand etwas zu schaffen, das bleibt. Denn manche Schmuckstücke sind weit mehr als ein schönes Accessoire. Sie tragen Erinnerungen und persönliche Geschichten in sich.
Edwin Zaloha
Gerlinger Schuhe & Orthopädie: Leder, Leisten und Handwerk für jeden Schritt
Ein altes Sprichwort besagt nicht umsonst: „Zeig mir deine Schuhe und ich sage dir, wer du bist.“ Unsere Füße tragen uns klaglos durchs ganze Leben und verlangen im Grunde nur eines: gut behandelt zu werden. Doch wie entsteht eigentlich ein echter Maßschuh, der den Fuß unterstützt und seine*n Träger*in oft über Jahrzehnte begleitet? Bei Gerlinger Schuhe & Orthopädie in der Seidengasse 29, 1070 Wien, kennt man die Antwort auf diese Frage seit vielen Generationen. Was 1893 in Amstetten als kleine Schuhmacherei begann, ist heute ein hochspezialisierter Meisterbetrieb mitten im Siebten. Hier trifft traditionelles Schuhmacherhandwerk auf moderne Technik. Besonders deutlich wird das bei den orthopädischen Maßschuhen. Denn wie wird aus einem individuellen Fuß eigentlich ein passender Schuh? Der wichtigste Grundsatz lautet dabei: Nicht der Fuß wird an den Schuh angepasst, sondern der Schuh an den Fuß.

Ein uraltes Handwerk, kombiniert mit moderner Technik und Know-how
Am Anfang steht das genaue Kennenlernen des Fußes. Beim Maßnehmen werden beide Füße vermessen und ihre Besonderheiten erfasst. Bei Gerlinger Schuhe & Orthopädie kommt dafür unter anderem ein digitaler Fußscan zum Einsatz, ergänzt durch weitere Maße. Wo braucht der Fuß Unterstützung? Welche Stellen müssen entlastet werden? Ein zusätzlicher Abdruck kann dabei helfen, seine Form noch genauer festzuhalten.
Aus diesen Daten entsteht anschließend der persönliche Leisten, eine maßgefertigte Form aus Holz oder Kunstharz, die als Grundlage für den gesamten Schuh dient. Auf ihm werden die individuellen Einlagen angepasst, Ober- und Futterleder zugeschnitten oder der vernähte Schaft darübergezogen. Bevor der endgültige Schuh entsteht, zeigt ein transparenter Probeschuh, ob der Leisten die richtige Form hat und alles optimal sitzt. Gibt es Druckstellen? Muss an einer Stelle noch etwas verändert werden? Erst wenn die Passform stimmt, beginnt die endgültige Fertigung. Verstärkungen wie die Hinterkappe geben dem Schuh im Fersenbereich Halt, während die Brandsohle später die Grundlage des Schuhbodens bildet.
Jetzt wird es besonders handwerklich. Beim sogenannten Zwicken zieht der Schuhmacher den Schaft Stück für Stück über den Leisten und befestigt ihn an der Brandsohle. Mit Zange, Hammer und viel Gefühl wird das Leder gespannt und exakt an die Form des Leistens angepasst. Je nach Machart kommt anschließend ein Rahmen hinzu, der Oberleder, Brandsohle und Laufsohle miteinander verbindet. Zum Schluss bekommt der Schuh seinen letzten Schliff. Absatz und Sohle werden in Form gebracht, die Kanten geschliffen und die Oberfläche mit Wachs und Politur ausgearbeitet. Dann ist der Maßschuh fertig. Bis zu zwölf Wochen können von der ersten Vermessung bis zum fertigen Paar vergehen. Eine angemessene Zeitspanne für einen Schuh, der nicht für irgendeinen Fuß gemacht ist, sondern für genau diesen einen.

Einlagenversorgung für individuelle Bedürfnisse
Doch muss es eigentlich immer gleich eine komplette Maßanfertigung sein? Keineswegs. Das Team von Gerlinger Schuhe & Orthopädie bietet auch für alltägliche Beschwerden individuelle Lösungen wie Komfortschuhe mit Wechselfußbett und orthopädische Einlagen. Damit nicht nur der Fuß, sondern der gesamte Bewegungsablauf in den Blick kommt, steht im nahegelegenen Sportmotorikzentrum außerdem eine moderne Lauf- und Ganganalyse zur Verfügung.
Und immer steht das im Zentrum, was uns jeden Tag durchs Leben trägt: unsere Füße.

BILDERmacher: Wo Erinnerungen in Handarbeit entstehen
Ein Foto ist schnell gemacht. Aber was passiert eigentlich danach? Bis daraus ein hochwertiger Abzug, ein Wandbild oder ein Kalender wird, steckt einiges an Handarbeit und Know-how dahinter. Beim BILDERmacher in der Neubaugasse 7, 1070 Wien, dreht sich seit über 30 Jahren alles um Fotos und ihre Verarbeitung. 1998 fand der Betrieb im Siebten sein festes Zuhause und bietet dort weit mehr als klassische Passfotos. Hier werden Fotos entwickelt und gedruckt, Negative verarbeitet, Kalender gestaltet und Bilder in unterschiedlichsten Formaten zum Leben erweckt.
Von Foto über Kalender bis zur Hartschaumplatte
Wer die Ladentür des Geschäfts öffnet und den Blick nach hinten wandern lässt, entdeckt schnell die hauseigene Werkstatt. Gleich hinter dem Verkaufsraum werden die Aufträge direkt vor Ort bearbeitet. Nichts wird an ein externes Großlabor ausgelagert. Aus einer digitalen Datei oder einem analogen Negativ entsteht beim Fachbetrieb Schritt für Schritt ein fertiges Bild. Die Mitarbeiter*innen wählen das passende Verfahren, stimmen Format und Material ab, bearbeiten die Vorlage und übernehmen auch die weitere Verarbeitung.
Dabei geht es um weit mehr als das reine Ausdrucken. In der hauseigenen Werkstatt kann ein Lieblingsmotiv zum großformatigen Poster werden, auf Hartschaumplatte gedruckt oder seinen Platz in einem selbst gestalteten Kalender finden. Je nach Produkt muss das Bild anders vorbereitet, zugeschnitten, auf das jeweilige Material gebracht oder für die Weiterverarbeitung angepasst werden. Aus einer digitalen Datei wird so ein konkretes Objekt, das am Ende an der Wand hängt, in einem Buch steckt oder auf dem Tisch liegt.
Komplexe Vorgängen selbstverständlich aussehen lassen
Gerade darin zeigt sich, was das Fotohandwerk beim BILDERmacher ausmacht. Es verbindet technisches Wissen mit einem Gespür für Bild, Format und Material. Bei analogen Aufnahmen kommt die Entwicklung des Films hinzu, bei Vergrößerungen und Wandbildern die Verarbeitung auf dem gewünschten Material. Was am Ende selbstverständlich aussieht, ist das Ergebnis vieler kleiner Entscheidungen und Arbeitsschritte. Aus einem flüchtigen Moment wird etwas, das bleibt und angefasst, verschenkt oder aufgehängt werden kann.
Die Spezialität des Hauses
Besonders schnell geht es in der Neubaugasse bei der Farbnegativentwicklung. Sie gehört zu den Spezialitäten des Hauses und zählt nach eigenen Angaben zu den flottesten Angeboten dieser Art in Wien. Insgesamt wird sie in drei Filialen des BILDERmachers angeboten, darunter im Siebten. Auch Bestellungen per E-Mail oder online können kurzfristig erledigt werden, teilweise sogar innerhalb einer Stunde. Dahinter steckt nicht nur moderne Technik, sondern vor allem Erfahrung. Gerade bei analogen Aufnahmen braucht es Fachwissen, um Negative richtig zu entwickeln und daraus hochwertige Bilder entstehen zu lassen.
Und was, wenn es einmal ganz schnell gehen muss? Ein Passfoto wird gebraucht, die Urlaubsbilder sollen endlich ausgedruckt werden oder ein persönliches Geschenk fehlt noch. Auch dann ist das Wiener Fotofachgeschäft zur Stelle. Die Verbindung aus persönlicher Beratung, fachlichem Know-how und der vollständigen Verarbeitung vor Ort macht den Betrieb zu etwas Besonderem. Denn beim BILDERmacher wird aus einer Datei oder einem Negativ nicht einfach irgendein Ausdruck, sondern ein fertiges Stück Fotografie.
Disaster Clothing: Individuelle Mode direkt aus der Werkstatt
Die Nähmaschine rattert, Stoff liegt auf dem Arbeitstisch, daneben warten Schnittteile auf ihren nächsten Arbeitsschritt. Wer vormittags bei Disaster Clothing in der Kirchengasse 19, 1070 Wien, vorbeikommt, kann Manfred Lindner mitten in seinem Arbeitsalltag antreffen. Was andere Modegeschäfte hinter verschlossenen Türen halten, passiert hier direkt vor den Augen der Kund*innen. Manfred Lindner entwirft, schneidet, näht und probiert aus. Als Designer kümmert er sich auch um den Einkauf, Lieferant*innen, Kollektionen und den Verkauf von Kleidungsstücken.

Wie wird aus einer Idee eigentlich ein Kleidungsstück?
Bei Manfred Lindner beginnt der Weg oft ohne fertigen Schnitt. Eine Form entsteht im Kopf, wird auf Stoff übertragen und anschließend an der Nähmaschine ausprobiert. Passt die Proportion? Sitzt der Schnitt richtig? Funktioniert die Idee auch in der Praxis? Wenn nicht, wird wieder aufgetrennt, verändert oder ganz neu begonnen. Nicht jeder Entwurf schafft es bis zur fertigen Kollektion. Manchmal wird aus einem verworfenen Stück am Ende sogar etwas völlig anderes.
Hauseigene Modelinie: DC Line
Die Nähmaschine ist dabei seit Jahrzehnten im Einsatz und bildet gemeinsam mit der Overlockmaschine das Herzstück der Werkstatt. Der Modedesigner beginnt häufig früh mit der Arbeit, noch bevor die ersten Kund*innen den Laden betreten. Hier entstehen auch die Modelle seiner eigenen DC Line. Zweimal im Jahr entwickelt er neue Kollektionen für die jeweilige Saison. Mäntel, Tops, Röcke und Sweaterjacken für Damen und Herren gehören dazu. Viele Stücke werden nur in sehr kleinen Mengen gefertigt, teilweise entstehen gerade einmal zwei Exemplare. Dazu kommen Prototypen und Einzelstücke.
Wie individuell das werden kann, zeigt sich bei den Sonderwünschen seiner Stammkund*innen. Jemand bringt etwa ein Lieblingsstück der DC Line mit und möchte beispielsweise einen Rock in einer ähnlichen Anmutung. Designer Manfred Lindner nimmt die Idee auf, entwickelt daraus einen eigenen Schnitt und fertigt das Stück nach den gewünschten Maßen. Auch bei der DC Line können Kleidungsstücke nach Maß angefertigt werden, wenn ein vorhandenes Modell nicht passt und der entsprechende Stoff noch verfügbar ist. Der Preis entspricht dem des fertigen Stücks im Geschäft.
Doch bevor die Schere angesetzt und die Nähmaschine eingeschaltet wird, steht eine andere Frage im Raum.

Auf Tuchfühlung mit dem Sortiment
Welcher Stoff soll es überhaupt sein? Der Designer setzt bevorzugt auf Bio-Baumwolle, Wolle, Leinen und Hanf sowie auf TENCEL™-Fasern und Lenzing™ EcoVero™-Fasern der Firma Lenzing aus Österreich. Auch recycelte Materialien und pflanzlich sowie chromfrei gegerbtes Leder gehören zum Sortiment. Nachhaltigkeit beginnt für ihn damit also nicht erst beim fertigen Kleidungsstück. Sie reicht bis dorthin zurück, wo Stoffe und Materialien entstehen. Disaster-Clothing-Gründer Manfred Lindner besucht die Manufakturen seiner Lieferant*innen selbst und pflegt langfristige Geschäftsbeziehungen. Er möchte wissen, woher die Materialien kommen, wie sie verarbeitet werden und unter welchen Bedingungen produziert wird. Teilweise kennt er sogar die Menschen, die an der Herstellung beteiligt sind. Für einen Unternehmer, der seine Kleidung nicht einfach einkauft, sondern selbst entwirft und fertigt, gehört dieser persönliche Kontakt offenbar genauso zum Geschäft wie die Arbeit an der Nähmaschine.
Auch beim übrigen Sortiment bleibt diese Haltung sichtbar. Neben der eigenen DC-Line finden sich bei Disaster Clothing ausgewählte Labels wie zum Beispiel Derbe, LangerChen, Kuyichi, Got Bag, Freeman T. Porter, Blutsgeschwister, Mademoiselle YéYé und SKFK. Dazu kommen weitere Marken und kleinere Labels aus unterschiedlichen europäischen Ländern. Auch Wiener Designerinnen bekommen hier eine Verkaufsplattform. Wer kein eigenes Geschäft hat, kann die eigenen Kreationen bei Disaster Clothing präsentieren und verkaufen lassen.
Kleinere Reparaturen sind schnell erledigt
Und was passiert mit Kleidung, wenn sie nicht mehr ganz so aussieht wie am ersten Tag? Auch dann kommt Lindners Handwerk ins Spiel. Kleinere Reparaturen gehören zum Angebot. Ein ausgerissener Knopf lässt sich schnell wieder annähen, andere Schäden brauchen entsprechend mehr Zeit. Die Nähmaschinen sind also nicht nur dafür da, Neues entstehen zu lassen. Sie helfen auch dabei, Bestehendes länger im Alltag zu halten.
Dass der Modeschaffende diesen Ansatz schon lange verfolgt, zeigt ein Blick zurück. Disaster Clothing gibt es seit 1991, das Geschäft in der Kirchengasse kam 1998 dazu. Über mehr als drei Jahrzehnte ist die Verbindung von eigener Gestaltung, lokaler Produktion, fairer Herstellung und bewusster Materialwahl erhalten geblieben. Damit ist aus einem Geschäft längst mehr geworden als ein Ort, an dem Kleidung verkauft wird. Es ist zugleich Werkstatt, Atelier und Plattform für andere Kreative. Was braucht es, um all diese Rollen miteinander zu verbinden? Geduld, Kreativität und ein gutes Gespür für Stoffe, Maße und Proportionen gehören ebenso dazu wie technisches Verständnis und unternehmerisches Denken. Denn Manfred Lindner muss nicht nur wissen, wie ein Kleidungsstück entsteht. Er muss auch entscheiden, welche Stoffe ins Sortiment kommen, welche Modelle er entwickelt, mit wem er zusammenarbeitet und was am Ende auf den Kleiderbügeln im Geschäft landet.
Disaster Clothing
Fazit: Was Handwerk besonders macht
Was haben ein Maßschuh, eine Ledertasche, Kleidungsstücke, individuelle Schmuckkreationen, Bienenwachskerzen oder ein Foto gemeinsam? Im Siebten entstehen sie mit Zeit, Erfahrung und viel Handarbeit. Hier wird geschnitten, genäht, geschmiedet, gegossen und entwickelt. Es wird ausprobiert, angepasst, repariert und immer wieder an einer Idee gefeilt. Traditionelle Techniken treffen dabei auf moderne Möglichkeiten und persönliche Wünsche. Aus Materialien werden Dinge, die mehr können, als nur gut auszusehen. Sie begleiten uns, erzählen Geschichten und bleiben oft lange Teil unseres Lebens. Vielleicht ist das die schönste Seite des Handwerks: dass am Ende etwas entsteht, das man nicht nur anschauen, sondern wirklich in den Händen halten kann.
Quellen und weiterführende Lesetipps:
- Austria-Forum – Goldschmiedekunst, Stand: 30.09.2026
- Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus, Orthopädieschuhmacher/in, Stand: 01.10.2026
- Der Standard, Onlineartikel, Zu Besuch bei einem Wiener Taschner: „Hermès-Taschen haben mich nie beeindruckt“, Stand: 29.09.2026
- Gerlinger Schuhe & Orthopädie, Stand: 04.10.2026
- Österreichischer Zentralverband für Orthopädie-Schuhtechnik, Gehen ist keine Kunst, solange es keine Probleme macht. Maßschuhe vom Orthopädieschuhmacher, Broschüre.
- RIS: Orthopädieschuhmacher-Ausbildungsordnung § 3, Stand: 01.10.2026
- RIS: Orthopädieschuhmacher-Ausbildungsordnung § 5, Stand: 01.10.2026
- Wien Museum: Glanzstücke. Emilie Flöge und der Schmuck der Wiener Werkstätte, Stand: 30.09.2026
- WienTourismus: Wiener Werkstätte, Stand: 30.09.2026
Text: Verena Lukanz
Titelbild: In der Werkstatt von Taschner Alexander Rippka werden hochwertige Ledertaschen gefertigt. Foto: Michaela Krauss-Boneau






