Thomas Kreuz von WauWau Pfeffermühlen

Posted On 4. Juni 2018 By In Geheimtipp, Shops, Übers Grätzel With 186 Views

WauWau – bunter Hund, Zebrastreifen und der richtige Dreh

Er würzt sein Essen am liebsten mit Pfeffer und Chilli, hört von allen Neubauer Unternehmern, die keinen Gastrobetrieb führen, den Satz „Host an Kaffee füa mi?“ am häufigsten und führt man sich seinen Drive vor Augen, erinnert seine Machart an einen Pitching Wedge – den Golfschläger, der den Ball aus einer schwierigen Grube zu befördern vermag. Die Rede ist von Thomas Kreuz, Designer und 360-Grad-Advokat von WauWau Pfeffermühlen.

So klein und darf schon alleine raus.

Eine Grube, meist Bunker genannt, ist im Golfen ein Hindernis – nichts für Anfänger, nichts für Zweifler, aber sehr interessant für den Verlauf einen Spieles und deshalb auf jedem Golfplatz zu finden. Wie im echten Leben. Ohne Herausforderung gibt es kein Wachstum. Was das mit einem Pfeffermühlenmacher zu tun hat? Wissen Sie, gäbe es Thomas Pitching Wedge Kreuz nicht, hätte es vermutlich nie im7ten.com gegeben. Oder Kochen in der Hermanngasse. Oder Steine der Erinnerung in der Westbahnstraße. Er ist ein Hybrid zwischen einem Visionär und einem bodenständigen Handwerker, der die Antriebsart mit dem jeweiligen Gegenüber wechselt: Mal sprudelt er vor Ideen, mal zieht er sich zurück in sein Geschäftslokal und drechselt, hobelt oder feilt an neuen Plänen. Er hat viele spannende Einfälle und versteht es, die passenden Leute für die Umsetzung zu gewinnen. Im Team bewegt man etwas – diese Wahrheit hat er für sich und sein Grätzl schon vor Langem entdeckt, weshalb er auch nicht müde wird, seinen Impulsen, die Gegend entlang der Westbahnstraße für AnwohnerInnen, UnternehmerInnen und KundInnen spannender zu machen, nachzugehen. Der Unternehmer liebt sein Wohn- und Arbeitsgrätzl und bleibt dabei – wie es sich für einen Künstler gehört – kritisch und wachsam, an welchen Ecken und Kanten noch geschliffen werden muss und welche als markante Merkmale erhalten bleiben sollen. Für jedes Anliegen, das in ihm zu köcheln beginnt, sucht er sich den passenden partner in crime, der das Projekt bis zur Durchführung begleitet und obwohl er sich so für sein Neubauer Grätzl begeistern kann und so viel zu berichten weiß, ist es nie in einer von sich eingenommen Art, sondern stets in der Anerkennung eines „Wir“.

Sanfte Drehbewegung

Das „Ich, ich, ich“ liegt ihm nicht*, darum muss man die Informationen rund um sein core business in sanften Drehbewegungen aus ihm herausschrauben, denn eigentlich ist er ja nicht Grätzlbotschafter, sondern Pfeffermühlendesigner. Und Salzmühlen, Chillimühlen und eine Muskatmühle fertigt der Mann, den man fast ausschließlich im schwarz-weiß gestreiften Sakko kennt, auch. (Manch einer möchte meinen, es seien blau-weiße Streifen, but that’s not the point!) Geplant war das Ganze aber nicht:
EIGENTLICH ist Thomas Kreuz gelernter Goldschmied, darf sein Handwerk dank eines positiven Jurybescheids als Künstler ausüben und Schmuck sowie Objekte fertigen. Der Bildungsweg führte ihn allerdings weiter an die Angewandte, wo er Produktgestaltung mit Schwerpunkt auf Keramik studierte. Es ist dem Professor (oder dem Umstand eines fehlenden Lehrveranstaltungsinhaltes) zu verdanken, dass jedeR StudentIn im Rahmen einer Lehrveranstaltung ein Freithema zu wählen hatte, denn dabei entstand die Idee zur ersten Pfeffermühle: Ein Körper aus Keramik, ein Kopf aus Holz und wie auch die Nachfolgermodelle „sehr eindeutig phallisch, aber ein bisschen reduziert in der Form“, wie der Macher ihre Form spitzbübisch beschreibt, dann aber sofort in eine fachliche Erklärung über den Herstellungsprozess überleitet und die dahinterliegende Leidenschaft preisgibt.

Die großen Stückzahlen werden computergesteuert gedrechselt, Einzelstücke in Handarbeit hergestellt. Die Mahlwerke werden ebenfalls von Thomas Kreuz gefertigt – jedem Gewürz sein eigenes Mahlwerk. Bis vor Kurzem kamen die Mahlwerke noch aus der Schweiz, doch der Hersteller kann gesundheitsbedingt zurzeit nicht liefern. Thomas Pitching Wedge Kreuz weiß sich zu helfen. Er bestellte eine Stanze und sieht es als sein nächstes Projekt, die Mahlwerke für die Muskatmühlen selbst zu produzieren. Für die Chilli- und Pfeffermahlwerke, die er schon vor einer Weile zu fertigen begann, hatte er bereits Anfragen „und ich bin neugierig, wie es weitergeht“, sagt er mit vorfreudigem Ton in der Stimme. Es sind auch diese Entwicklungsprozesse, die für ihn besonders spannende Arbeiten darstellen. Ein beziehungsweise eineinhalb Jahre dauerten jeweils die Entwicklung des Chilli- respektive des Pfeffermahlwerks. Als er fertig war, wurde gefeiert: „Da habe ich mir dann schon einen Champagner gekauft“ – bei seinem Nachbar Un jour en france versteht sich.

 

Die Welt wird zum Dorf

Manchmal nimmt er sich Zeit, Schmuck herzustellen – Siegelringe, Ehrenringe, Eheringe. Letztere mag er angesichts ihrer Schlichtheit besonders und wenn man ihm über das Goldschmieden zuhört, tritt vor allem der nachhaltige Künstler in ihm zutage, der es Paaren gerne ermöglicht, Altgold mit ideellem Wert einzuschmelzen und von ihm zu etwas Neuem verarbeiten zu lassen.
Es sind viele Bälle, die Thomas Kreuz in der Luft hat – nach einem Balanceakt sieht es von außen aber trotzdem nicht aus. Im Gegenteil: Ich kenne ihn gelassen und ruhig, die Stimme immer in ihrer Mitte. Unaufgeregt und sachlich erklärt er bereitwillig, was man ihn fragt. Nicht viel mehr.
Außer wenn es um sein Grätzl geht. Dann erzählt er freimütig, also bohre ich ein bisschen nach, was ihn damals bewogen hat, die Idee mit dem im7ten-Blog voranzutreiben: „Man geht jeden Tag [an Geschäften] vorbei, weiß aber gar nicht, was drinnen ist. Ich kenne das von mir: Man hat eine Hemmung einzutreten, wenn man nicht wirklich etwas braucht. Aber es fällt leichter, wenn man weiß, was einen erwartet, wer dahintersteht und dass die manchmal lustige Sachen machen. Wenn ich Hintergründe weiß, fällt es mir viel leichter hineinzugehen, etwas zu fragen, und das soll der Blog bewirken.“

Nahbar und persönlich, so kennt man sich hier auch und macht damit die Welt zum Dorf.
Unser Gespräch wird durch das Eintreten eines Bekannten unterbrochen, der nach einer Tasse Kaffee fragt – hundsnormale Tagesordnung bei WauWau. Zur rosa-rötlich gemusterten Stoffhose trägt der Gast ein dunkelblaues Sakko mit dünnen weißen Streifen – das Negativ zu Thomasʼ Sakko. „Im-7ten-Dresscode?“, stelle ich scherzend fest und entlocke Thomas Kreuz ein Lachen, wie ich es bisher selten von ihm gehört habe. Für mich ist er der Freund des trockenen Humors, ein Beobachter, ein kritischer Prüfer, der sich mit frechen Gewürzmühlenfotos an den unmöglichsten Orten (die dann im WauWau-Kalender landen) den Tag versüßt. Ein bisschen Würze braucht das Leben.
Aller Schelm, der dem Neubauer Unternehmer in seiner medialen Inszenierung auf Facebook oder Instagram anzumerken ist, ist nur ein Add-on zum fachlichen Know-how und der professionellen Umsetzung des Kernproduktes. Sein Humor unterstreicht nur das Stehvermögen in Mark-Forster-Manier: „Auch wenn’s grad nicht so läuft wie gewohnt, egal, es wird gut, sowieso!“ (Und in meiner Phantasie kann ich ihn mir auch so vorstellen: die Westbahnstraße zum Beat im Kopf entlangschlendernd.)

Wenn Sie Thomas Kreuz noch nicht persönlich kennen sollten, halten Sie nach schwarz-weißen Streifen Ausschau: Er residiert in seinem Geschäftslokal Westbahnstraße Ecke Hermanngasse und empfängt seine KundInnen entweder als Gastgeber und zwischenmenschliche Anlaufstelle hinter der Theke oder an seinem Schreibtisch sitzend zwischen Stapeln von Foldern, Zeitschriften und Kalendern, die er immer griffbereit hat, um Werbung für sein Grätzl zu machen und den BesucherInnen noch einen Grund mehr zu geben, sich in den 7. Bezirk zu verlieben.

WauWau Pfeffermühlen
Westbahnstraße 7
1070 Wien
www.wauwau.at

Öffnungszeiten:
Montag – Freitag: 10 – 13 und 14 – 18 Uhr
Samstag: 10 – 13 Uhr

 

* PS: Es hat Jahre gedauert, Thomas Kreuz davon zu überzeugen, dass es einen Beitrag auf im7ten.com braucht, in dem es nur um WauWau geht, war er doch (meiner Meinung nach viel zu) besorgt, dass man es ihm als Eitelkeit auslegen könnte. Leute, lasst Euch gesagt sein: Das Team war beharrlich.

 

© Fotos: Veronika Fischer

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... legt Wert auf treffende, bedeutungsschwere Worte. Hat dafür sogar eine Waagschale. Liebt das Kreative und Ungewöhnliche. Erzählt den im7ten-LeserInnen am liebsten UnternehmerInnengeschichten, die man beim Einkaufen im Grätzl sonst nicht so schnell erfährt.

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