Ein Blog berichtet über den 7ten Bezirk

Urban Space – Kunst von Draußen für Drinnen

urban space kunstgalerie

Kunst muss schon lange nicht mehr in schweren vergoldeten Holzrahmen an den Wänden überteuerter Museen hängen, um Anerkennung zu finden. Die Welt ist eine riesige Leinwand, Kreativität kennt im 21. Jahrhundert keine Grenzen. Und da die Stadt als Ballungsraum menschlicher Koexistenz seit jeher auch als Schmelztiegel des Ideenreichtums dient, ist es wohl kaum verwunderlich, dass gerade hier eine besonders vitale Kunstszene kreiert, inszeniert und verschönert. Graue Wände, trister Beton und mitten drinnen Street Art. „Das ist ja Schmiererei, Jesus Maria, die reinste Sachbeschädigung!“, mag nun der Spießbürger empört ausrufen und aufgebracht eine Notiz in seinem kritischen Büchlein hinterlassen. Doch nicht nur wir sind von Street Art fasziniert, bei dem lang anhaltenden Hype kann man längst nicht mehr von einer Modeerscheinung sprechen. Und damit die Künstler auch ihre wohlverdiente Anerkennung ernten können, wurde vor kurzem die Kunstgalerie Urban Space in der Halbgasse im Siebten Bezirk eröffnet.

urban space kunstgalerie

Eine Schnittstelle zwischen KünstlerInnen und Öffentlichkeit

Die zentrale Aufgabe des jungen Teams besteht, laut eigenen Angaben, in der Errichtung einer Plattform für Kunstschaffende und Kunstinteressierte. Soweit, so gut, das ist ja der allgemein bekannte Zweck einer Kunstgalerie. Bei Urban Space geht es allerdings um weit mehr als nur passives Bestaunen, ein paar „Ahs“ und „Ohs“. Das Etablissement dient als soziokultureller Treffpunkt, hier wird Kunst gelebt. Durch diverse Veranstaltungen, wie Konzerte oder Ausstellungen, wird der Öffentlichkeit ermöglicht, einen Einblick in die Welt der Street Art zu erlangen. Gleichzeitig werden junge beziehungsweise unbekannte KünstlerInnen gefördert. Als Kunst- und Kulturverein präsentiert Urban Space nicht nur Maler und Sprayer, auch Designer von Schmuck, Kleidung und Ähnlichem können hier ihre Werke vorführen und verkaufen. Dabei wird darauf geachtet, dass alles im erschwinglichen Bereich bleibt. Und nicht nur bezüglich der Preise bleibt die Galerie am Boden, wer Talent hat und ausstellen will, kann sich bei dem Kollektiv melden und eventuell bald selbst Teil vom größeren Ganzen sein.

urban space kunstgalerie

Urban Space Market

Anfänglich musste sich der Verein noch bei diversen Locations einmieten, um Ausstellungen zu ermöglichen. Das ist seit Mai 2016 nicht mehr notwendig, die Galerie ist mittlerweile die größte Plattform für Urban Art in ganz Österreich. Nach zweijähriger Suche siedelte sich das Kollektiv in der Halbgasse im siebten Bezirk an, wo bereits vier Ausstellungen zu bestaunen waren. Neben der Galerie in Neubau betreibt das Team in regelmäßigen Abständen den Urban Space Market, der bereits im WUK, am Rathausplatz und am jährlich stattfindenden Streetlife Festival in der Babenbergerstraße abgehalten wurde. Die Veranstaltung bietet die Möglichkeit, Kunst und Mode von international vertretenen, kreativen Köpfen zu erwerben. Das Team von Urban Space arbeitet ehrenamtlich, der Verein finanziert sich unter anderem durch Standgebühren am Urban Space Market und wird vom Bezirk Neubau mit einer kleinen Förderung unterstützt.

urban space kunstgalerie

Vernissage und Künstleragentur

Alle zwei bis drei Wochen findet eine neue Ausstellung in der Kunstgalerie statt, es lohnt sich also, regelmäßig vorbeizuschauen. Das Ganze endet dann immer mit einer Vernissage, bei der in Begleitung von Cocktails und Snacks der Kontakt zu den ausstellenden KünstlerInnen gesucht werden kann. Die nächste Veranstaltung dieser Art findet heute am 6. September 2016 statt. Ein weiterer Service von Urban Space ist die Künstleragentur. Falls Sie schon immer der Meinung waren, dass der gräulich weiße Teint der Räumlichkeiten Ihrer Arbeitsstätte eher Platzangst und Kühlschrankfantasien hervorruft, statt Sie zu motivieren, können Sie sich von der Galerie einen Künstler vermitteln lassen, der Ihrem Büro einen neuen Anstrich verpasst. Selbiges gilt für den giftgrünen VW-Golf, den man irgendwann von der Großtante geerbt hat.

Fotos: Daniel Klingler

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.