Eckhaus in der Schottenfeldgasse

Posted On 21. Mai 2019 By In Anno dazumal, Architektur With 179 Views

Die Schottenfeldgasse – ein Name mit Geschichte

Die Schottenfeldgasse erhielt ihren Namen im Jahr 1862 kurz nach dem der Bezirk in seiner heutigen Form entstand. Die Eingemeindung der Vorstadt Schottenfeld nach Wien lag bereits zwölf Jahre zurück, doch die Teilung von 4. und 5. Bezirk zog eine neue Nummerierung der höher nummerierten Bezirke nach sich und so entstand Neubau in seiner heutigen Form. Was der Name Schottenfeldgasse mit St. Patrick, dem Nationalheiligen der Iren zu tun hat, gibt’s hier nachzulesen.

Schottenfeld – eine der fünf Vorstädte am Neubau

Da die ehemaligen Vorstädte Sankt Ulrich, Neubau, Spittelberg, Schottenfeld und Altlerchenfeld nunmehr als gesamter 7. Bezirk zusammengefasst und in „Am Neubau“ benannt wurden, wurde der Straßenzug der Ritter- und Feldgasse in Schottenfeldgasse benannt, um den Namen bzw. die Bezeichnung Schottenfeld zu erhalten.

Namensherkunft des Schottenfeldes

Um dem Namen Schottenfeld auf den Grund zu gehen, muss man erst ein wenig in (virtuellen) Geschichtsbüchern nachschlagen. Am besten funktioniert das im Rückwärtsgang durch die Zeitgeschichte.

Vom Acker zur Vorstadt

Vor der Verbauung wurde die Gegend als Gebiet ‘außerhalb St. Ulrich auf den Schottenäckern‘ bezeichnet, was auch gleich erklärt, welchem Zweck das Gebiet vor der Verbauung gewidmet war: Ackerbau. Die Felder, die sich hier bis Ende des 18. Jahrhunderts erstreckten, gehörten dem Schottenstift – einem Benediktinerkloster im 1. Wiener Gemeindebezirk. Abt Andreas Wenzel, der 1807 zum Abt des Schottenstifts gewählt wurde, eröffnete noch im selben Jahr das Schottengymnasium, das bis heute als katholisches Gymnasium in der Inneren Stadt besteht, und trieb auch die Bebauung der zum Stift gehörenden Felder außerhalb von St. Ulrich voran.

Woher kommen die Schotten im Namen Schottenfeld?

Nun, bis hierher leiten wir den Namen Schottenfeldgasse sehr logisch ab: Die Schottenfeldgasse geht auf das Schottenfeld und das wiederum auf das Schottenstift zurück.

Jetzt wird’s verstrickt …

Heinrich II. beruft iro-schottische Mönche

Wir schreiben das Jahr 1141. Der Babenberger Heinrich II. ist Markgraf von Österreich sowie Herzog von Bayern und führt noch einige andere Titel, die wir jetzt zur Vereinfachung als nebensächlich betrachten dürfen.
Er verlegt seine Residenz von Klosterneuburg nach Wien und beruft iro-schottische Benediktinermönche von Regensburg (wo er vor seiner Markgrafschaft über Österreich residiert hatte) eben hier her, um hier ein Kloster zu gründen: Ohne Mönche kein Kloster, ohne Kloster keine Konservierung von Wissen, ohne Wissen keine Macht. Diesen iro-schottischen Mönchen sichert er zu, nur Iro-Schotten zu berufen und stattet das im Jahr 1155 gegründete Schottenstift mit Besitzungen und Privilegien aus.

Herzogtum Österreich

Im Jahr darauf wird Heinrich II. Herzog von Österreich, das nun ein von Bayern unabhängiges Herzogtum darstellt. Der Herzog muss seine Residenzstadt durch die Ausbildung von Fachkundigen vieler Disziplinen wie dem Bildungswesen, der Verwaltung, dem Bau etc. stärken und die Bedeutung des Schottenstiftes wächst. An Heinrich II. erinnert uns heute nicht nur das Schottenstift, sondern auch die Jasomirgottstraße in Wien (gegenüber des Riesentors am Stephansplatz) und namensgleiche Straßen/Gassen in Tulln und Mödling.

Irland – Schottland – Wien

Die iro-schottische Kirche, denen auch die iro-schottischen Mönche aus Regensburg angehörten, begründete sich auf einer christlichen Missionierungsbewegung (Höhepunkt im 6. bis 8. Jahrhundert) von Wandermönchen aus Irland. St. Patrick – der Nationalheilige der Iren gilt als Begründer der iro-schottischen Kirche.

… aber eigentlich ganz einfach

Wenn man den Anfang und das Ende dieser kleinen Geschichtsexkusion betrachtet und ein paar Jahrhunderte und Zwischenschritte auslässt, dann geht der Name Schottenfeldgasse bis zum Heiligen Patrick von Irland zurück. Also liebe SchottenfeldgassenbewohnerInnen: Trinkt am 17. März – am St. Patrick’s Day – ordentlich viel Bier und tragt Grün … eine im 7. ohnehin sehr beliebte Farbe!

Die Schottenfeldgasse vom 19. ins 21. Jahrhundert

Wir reisen zurück ins Jahr 1807. Andreas Wenzel ist neuer Abt des Schottenstifts und die Felder des Gebiets Oberneustift werden zunehmend verbaut bis 1848 alles schon recht dicht mit historisch-secessionistischen, aber auch Biedermeiervorstadthäusern bebaut ist. Bis ins 21. Jahrhundert wird sich das architektonische Gesicht der Straße nur noch hier und da wird verändern.

Historische Gebäude in der Schottenfeldgasse

 

Schottenfeldgasse 7, Tapasta

In der Schottenfeldgasse 7 erwarten Tapas und Pasta hungrige GenießerInnen zum kulinarischen Verwöhnprogramm bei TAPASTA.

 

Gegenüber gibt es bei Schottenfeldgasse 8 dieses schmiedeiserne Vordacht zu bewundern.

Die Fassaden sind hier überhaupt durchwegs sehenswert:

Schienen führen in den Hof der Schottenfeldgasse 45 – mit 2 Stockwerken ein Winzling in der Schottenfeldgasse.

 

Finde mich in der Schottenfeldgasse/von der Schottenfeldgasse aus

Ein Beispiel für vertikale Begrünung in der Großstadt: Die Fassade des Hauses in der Schottenfeldgasse 13-15 (hier im Februar natürlich noch nicht in voller Pracht)

Die Altlerchenfelder Kirche in der Schottenfeldgasse 99/Ceija-Stojka-Park schließt nicht nur unseren heutigen Spaziergang ab, sie lädt auch gleich zu mehreren weiteren ein, denn hier kann man am direkt daneben liegenden Ceija-Stojka-Park eine Tour zu den vier Straßen, Gassen und Plätzen am Neubau beginnen, die nach Frauen benannt sind. Außerdem findet hier man jeden Freitag den Bauernmarkt, der nur einer von vielen Plätzen ist, an denen man verpackungsfrei einkaufen kann.

Hier geht’s zum Beitrag Kunstmäzenin, Unternehmerin, Künstlerin, Verfolgte – Namensgebende Frauen am Neubau.

Hier geht’s zum Beitrag Bewusst kaufen | Der weite Weg zu den kurzen Wegen (verpackungsfrei einkaufen in Wien 1070).

 

 

Das im7ten-Team wünscht viel Spaß beim Erkunden des Grätzls. Es gibt noch so viel zu sehen!

 

Fotos: © Veronika Fischer

Tags : , , ,

... legt Wert auf treffende, bedeutungsschwere Worte. Hat dafür sogar eine Waagschale. Liebt das Kreative und Ungewöhnliche. Erzählt den im7ten-LeserInnen am liebsten UnternehmerInnengeschichten, die man beim Einkaufen im Grätzl sonst nicht so schnell erfährt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.