froemmels_beitragsbild

Posted On 11. November 2016 By In Gastronomie, Shops With 2015 Views

Traditionsbewusste Naschkatzen tigern am Neubau gern zu frœmmel’s

Schokomoussetorte, Doboschtorte, Zitronentorte. Was darf’s denn sein?
Der Duft von selbstgemachten Bonbons, klassischen Torten nach tradiertem Rezept und frischem Kaffee umschmeichelt die Naschkatzennase, wenn man das frœmmel’s betritt.

Die Café Konditorei frœmmel’s – Burggasse/Ecke Zieglergasse – wird in zweiter Generation von Markus Frömmel geführt und bündelt mehrere Unternehmensgeschichten am Neubau zu einem Strang. Was die Konditorei mit der Mon-Chérie-Praline, der ungarischen Unternehmersfamilie Witamwas, dem Eisenbahner-Kaffeehaus Signal und einem Blumengeschäft zu tun hat, weiß der Zuckerbäcker zu berichten.

froemmels anno dazumal

Wie alles begann…

Wir befinden uns im Jahr 1932, als die ersten Aufzeichnungen über eine Konditorei an jenem Standort aufscheinen, den Zuckerbäcker Walter Frömmel, der Vater des heutigen Geschäftsführers, 1967 von der ungarischen Unternehmersfamilie Witamwas übernahm. Mit dem kleinen Geschäft in der Zieglergasse übertrug man ihm auch einige Altbestände, die sich noch im Lager der Konditorei befanden. Unzählige Gussformen für Schokopralinen, befanden sich in den Regalen, denn der Zuckerbäcker Witamwas war bekannt für seine in Schokolade und Rum getunkten Weichseln, die sozusagen ein Vorläufer der bekannten Praline mit französischem Namen waren.

Burggasse Zieglergasse

Zwei Geschäftslokale weiter – nur getrennt durch einen Blumenladen – befand sich am Eck Burggasse/Zieglergasse bereits um 1900 ein Kaffeehaus, das mehrmals seinen Besitzer und den Namen wechselte. Seine bis dahin wichtigste Rolle spielte das Café aber unter dem Namen Café Signal. Hier trafen sich die Eisenbahner des nahegelegenen Westbahnhofs, von denen sich viele im 7ten niedergelassen hatten. Als besondere Attraktion waren durch das Lokal Schienen verlegt, auf denen Modellbauzüge dahinbummelten und die Getränkebestellungen servierten.
Kinder der 1950er und 1960er Jahre erinnern sich auch heute noch daran, dass es diese kleine Sensation bis Anfang der 1970er gab – viele von ihnen schwärmen von der Tradition, am 24. Dezember im Café Signal Kakaotrinken zu gehen.

Süsses

Familie Frömmel erweitert

Walter Frömmel war – sehr entgegen dem väterlichen Wunsch, selbigem als Elektriker nachzueifern – stets klar gewesen, dass er den Berufsweg in Richtung Zuckerbäcker einschlagen würde. Da er sich einen ähnlichen Konflikt mit seinem eigenen Sohn ersparen wollte, drängte er ihn nie zur Übernahme des Unternehmens und förderte viel mehr, dass dieser andere schulische und berufliche Wege ging.

Walter Frömmel führte den Betrieb in denselben Räumlichkeiten fort, die er 1967 von Felix Witamwas gekauft hatte und erweiterte die Konditorei 1988 lediglich um das angrenzende Geschäftslokal, in dem sich zuvor ein Blumenladen befunden hatte – immer seine eigene Kapazität berücksichtigend und ohne den Anspruch, seinen Sohn Markus in die unternehmerische Pflicht zu nehmen.
Doch der hatte eigene Pläne… arbeitete in der Immobilienbranche, absolvierte die Konzessionsprüfung zum Makler und Verwalter und hatte familienbedingt auch immer den elterlichen Betrieb im Hinterkopf. So ergab es sich ganz natürlich, dass er zu Gleichenfeiern oder Vertragsunterzeichungen Torten oder Canapés brachte und sich daraus ein heute nicht mehr wegzudenkendes Standbein des frœmmel’s ergab – der Catering-Bereich.

Markus FrömmelNägel mit Köpfen

Es war ein Freitag im Jahr 1999, an dem Markus Frömmel seinem Vater seinen festen Entschluss mitteilte, in die Konditorei einzusteigen und hatte sich für den darauffolgenden Montag bereits für den Vorbereitungskurs zur Zuckerbäcker-Meisterprüfung angemeldet.
Mit dem ersten Tag des neuen Jahrtausends fand auch für Familie Frömmel ein großer Wechsel statt und Walter Frömmel übergab die Konditorei seinem Sohn. Mit dem Tod des Vaters im August desselben Jahres erlitt die Familie einen harten Schlag. Sein Vermächtnis lebt jedoch weiter.

Ein neues Kapitel der Unternehmensgeschichte

2003 kam es zur letzten Erweiterung, im Zuge derer Markus Frömmel nun auch das Ecklokal, in dem sich Jahre zuvor das Café Signal befunden hatte, dazunahm und damit dem stetig wachsenden Geschäft Rechnung trug, das sich mit dem Catering-Business einstellte. Heute beliefert das frœmmel’s mit seinem Catering vor allem Ministerien, Magistratsabteilungen oder auch Apotheker- und Wirtschaftskammer bei unterschiedlichen Veranstaltungen. Auf Auszeichnungen wie das Umweltzeichen für Tourismusbetriebe oder als Top-Lehrbetrieb ist der Unternehmer stolz. Und auch, dass der Präsident des Modelleisenbahn-Vereins als Stammgast regelmäßig im frœmmel’s vorbeischaut und die Lokomotiven im Schaufenster austauscht, um an die Tradition des Café Signals zu erinnern, freut ihn besonders. Die Geschichte darf hier weiterleben.

froemmels

Wie hoch Tradition hier gehalten wird, ohne antiquiert zu wirken, zeigt sich besonders in den kleinen Dingen: neues Interieur, gratis W-LAN, die Einführung des Mittagstisches, ein markantes Logo, der vorhandene Facebook-Auftritt – als Kontrast dazu die nostalgische Torten-Vitrine, klassisches Tortenspitzenpapier, in der Küche eine große Rührmaschine, die man als vintage-chic bezeichnen darf und die Torten, die nach wie vor nach den Rezepten des Vaters gebacken werden.
Und dann verrät Markus Frömmel noch, dass er insgeheim von einem eigenen Rezeptbuch träumt, mit dem man sich die süßen Versuchungen am Neubau auch nachhause holen kann.
Bis es soweit ist: Ab ins frœmmel’s – im Sommer sogar mit Schanigarten.

 

froemmel’s conditorei café catering
Zieglergasse 70, 1070 Wien
Mo-Fr 7-18:30 Uhr, Sa 7:30-18:00 Uhr (Sommermonate 13:00 Uhr)
Was es Schmackhaftes zu Mittag gibt, erfahren Sie immer auf der Facebook-Seite des Lokals. Am Freitag gibt es auf jeden Fall immer eine warme Süßspeise.

Fotos: Veronika Fischer | Bilder: zur Verfügung gestellt von frœmmel’s

Tags : , ,

... legt Wert auf treffende, bedeutungsschwere Worte. Hat dafür sogar eine Waagschale. Liebt das Kreative und Ungewöhnliche. Erzählt den im7ten-LeserInnen am liebsten UnternehmerInnengeschichten, die man beim Einkaufen im Grätzl sonst nicht so schnell erfährt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.