Posted On 11. August 2015 By In Glosse, Kolumne With 1585 Views

Im 7ten – August 2015

Unvergessen, wie der unvergessliche Paul Hörbiger einst das Lied „Das muss ein Stück vom Himmel sein“ intonierte. Leicht vergessen wird dabei allerdings, dass eine solche, wenn auch gesungene Vermutung Menschen dazu verleiten kann, ihr Land zu verlassen und hier eben besagtes beziehungsweise besungenes Stück vom Himmel zu suchen. Jedenfalls für Deutschland lässt sich dieser direkte Zusammenhang nicht von vornherein ausschließen. Der 7te Wiener Gemeindebezirk kann ein Lied davon singen, was es bedeutet, solche Himmelssucher aufzunehmen, hat er doch überdurchschnittlich vielen dieser Flüchtlinge aus Deutschland einen neuen Anfang ermöglicht.

Apropos Anfang. Es war Paul Hörbiger, der vor ziemlich genau 70 Jahren, in der Seidengasse 3–11, tatsächlich einen neuen Anfang wagte. Er gründete gemeinsam mit Leopold Arzt und anderen die erste freie Zeitung der Zweiten Republik. „Neues Österreich“ hieß das Blatt und verstand sich als „Organ der demokratischen Einigung“. Das waren noch Zeiten, Leopold Figl als Herausgeber und der Kommunist Ernst Fischer als Chefredakteur.

Heute sind die Aufgaben natürlich andere, neben den Flüchtlingen aus Deutschland will auch die wegweisende Neugestaltung von Ampelmännchen bewältigt werden. Vielleicht sollte man doch noch einmal Hörbigers Lied genauer hören. Es ist nicht der Text, es ist der Gesang. Natürlich! Unvergleichlich wie jeder Ton den nächsten anraunzt, in sich zusammenbricht, beleidigt entweicht … Vielleicht werden die deutschen Flüchtlinge es nie wirklich verstehen, aber wenn das hier ein Stück vom Himmel ist, dann bleibt nur noch der Wein.

Philipp Mosetter (*1956) lebt und arbeitet als freier Autor und Schauspieler in Wien und Frankfurt/Main. Er verfasst monatlich eine Kolumne über den 7ten im Falter.

up* – unpublished
Philipp Mosetter
www.unpublished.at

Foto: Bernhard Schramm

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Der erfahrene, „überhaupt schon etwas ältere“ Kolumnist und seine treffsicheren Randbemerkungen – so oder so ähnlich lassen sich in knappen Worten der Erschaffer der monatlich auf www.im7ten.com erscheinenden Glosse und dessen Stil beschreiben. Darin zeigt sich der freie Autor und Schauspieler immer ein wenig irritiert von der Wiener Seele: furchtsam und vorsichtig nähert er sich zwischen den Zeilen den ewig Klagenden und stetig Grantelnden an, voller Passion für die Historie und neugierig bis in die Fingerspitzen ☺

1 Responses

  1. katharina.franke@frankeleuchten.at'

    Ein wunderbarer Artikel mit vielen Inhalten zwischen den Zeilen… Danke!

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