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Posted On 19. Januar 2017 By In Shops With 1523 Views

Zweitkleid7 | 900 Ausprägungen von Nachhaltigkeit

„Jeder Tag ist eine Überraschung!“ erzählt mir Martina Brückl während sie drei ihrer 900 Kleiderbügel zurechtrückt. Perfekt sortiert hängen stylische Stücke von Esprit, Mexx, s.Oliver, Jones und anderen Marken selbigen Kalibers im Shop der Oberösterreicherin, die sich in der Westbahnstraße 7 (Eingang Hermanngasse 13), im wahrsten Sinne des Wortes den Traum vom eigenen Second-Hand-Laden erfüllt hat.

Foto 1_Zweitkleid7_Veronika Fischer (3)Von der Vision zur Realität

Während wir alle herrlich in unseren Betten schlafen, träumt Martina Brückl in dieser einen Nacht im Jahr 2013 einen klaren Traum über „ihr“ Geschäft, sieht vor ihrem geistigen Auge rot gestrichene Wände und eine Couch in der Mitte des Ladens, der in seiner Gestaltung eine Kombination aus neuem Chique und alten Elementen ist. Als sie aufwacht, bleibt eine Frage, die sie die halbe Nacht beschäftigt: „Wie baust du dir das Warenwirtschaftssystem auf?“ Noch an Ort und Stelle denkt sie sich ein Excelsheet aus, das sie heute in einer leicht adaptierten Version tatsächlich verwendet. Einige Monate später, im April 2014, eröffnet Martina Brückl den Second-Hand-Shop Zweitkleid7 im 7. Bezirk und wer ihn betritt sieht, dass die einstige Vision genau so Gestalt angenommen hat. Klingt eigentlich ganz einfach. Ist es aber nicht. Denn so wie Rom nicht an einem Tag erbaut wurde, war auch Martina Brückls Weg ein weiter…

Sprosse für Sprosse

Die gelernte Industrieschneiderin arbeitete einige Jahre als Näherin bei einem namhaften österreichischen Hersteller für funktionale Sportbekleidung, bevor sie in den Handel wechselte. Der Linzer Jeans-Shop, in dem sie die Grundlagen des Verkaufs lernte, bot als Service die sofortige Änderung von Jeans an – die Ausbildung wurde zum Türöffner für Martina Brückl: „Einer Schneiderin kann man den Verkauf beibringen, einer Verkäuferin aber nicht das Nähen“ – so das Credo des Inhabers.
Nach einigen Jahren lockte sie der Wissensdurst an die PÄDAK, mit dem Ziel Lehrerin zu werden. Nebenbei jobbte sie bei einem Bekleidungsriesen (von dem vermutlich jedeR LeserIn das eine oder andere Teil zuhause hat). Dass sie im Laufe des Studiums feststellte, dass sie sich selbst nicht im Klassenzimmer sehen konnte, desillusionierte sie keineswegs – das erworbene Wissen in Sachen Pädagogik und Psychologie nahm sie mit nach Wien, wo ihr in der Zwischenzeit ein Full-Time-Job bei einem Fast-Fashion-Unternehmen angeboten wurde. Beständig kletterte sie in verschiedenen Handelsunternehmen die Karriereleiter hinauf, bis sie als Storemanagerin für 104 MitarbeiterInnen verantwortlich zeichnete… und dann kam besagter Traum.

Foto 9_Zweitkleid7_Veronika Fischer (6)

…bis ans Ziel

Martina Brückls Bruder, der sich ein halbes Jahr zuvor selbstständig gemacht hatte, war von ihrer Idee begeistert und ermutigte sie, die nächsten Schritte zu wagen. Die angehende Unternehmerin absolvierte Workshops, klinkte sich in Weiterbildungsmöglichkeiten ein und vernetzte sich mit anderen Leuten, die sich ebenfalls im Prozess des Selbstständigmachens oder Gründens befanden, um vom Know-how anderer zu lernen und gemachte Fehler bestmöglich zu umschiffen.
Foto 7_Zweitkleid7_Veronika Fischer (20)Dass sie sich am Neubau nach einem Geschäftslokal umsehen würde, war ihr von Anfang an klar, genauso wie ihre Beschränkung auf qualitativ hochwertige, wenig bis ungetragene Kleidung, Schuhe und Accessoires, die vor allem in einem schönen Umfeld präsentiert werden sollten. „Vollgeramschte Shops gibt es zur Genüge“, spricht mir Martina Brückl aus der Seele und kann dabei nicht ahnen, welche Verzweiflungszustände jemand wie ich bekommt, wenn er/sie einen Laden betritt, in dem es vor Kleidung nur so wimmelt und man dennoch das einzelne Stück nicht mehr identifizieren kann. Hier ist das anders! Sofort sticht mir ein ärmelloser, taillierter Jeansoverall von Diesel ins Auge, petrolfarbene, wadenhohe Lederschnürstiefel verdrehen mir den Kopf und die große braune George, Gina & Lucy Tasche bettelt mich (nicht zuletzt wegen ihres sagenhaften Preises von 50 Euro für ein neuwertig aussehendes Stück) förmlich an, sie mit nachhause zu nehmen.

Vive la renaissance

Stellen Sie sich gedanklich für einen Moment an Ihren Kleider- und/oder Schuhschrank. Wie viele Dinge davon haben Sie in den letzten 12 Monaten kein einziges Mal angehabt? Warum heben Sie diese Stücke auf? Sie wissen, worauf ich hinaus möchte…Foto 2_Zweitkleid7_Veronika Fischer (2) Wenn Kleidung weiterleben darf, wird sie nachhaltig. Bei Zweitkleid7 ist für genau 900 solcher Kleidungsstücke, die anderen noch viel Freude bereiten können, Platz und mehr denn je gilt hier das Motto support local – think global! Ist der letzte Kleiderbügel voll, gilt Aufnahmestopp. Die genauen Annahme- und Verkaufsbedingungen finden trennungswillige Fashionistas (schon gewusst?!: Fashionista umfasst sowohl männliche als auch weibliche Modeverliebte) hier. Wer wann wie viel wofür bekommt, steht alles ganz genau erklärt.

Regelmäßig vorbeizukommen lohnt sich bei Zweitkleid7 definitiv – jede Kundin, jeder Kunde bringt oder holt, sodass sich das Angebot ständig verändert.
…und so manches gute Stück wechselt schneller den Besitzer als man Hermanngasse 13 sagen kann.

Zweitkleid7 e.U.
Westbahnstraße 7, Eingang: Hermanngasse 13
1070 Wien

Öffnungszeiten:
Dienstag – Freitag: 11 – 18 Uhr
Samstag: 10 – 15 Uhr (und manchmal auch ein bisschen länger)Foto 6_Zweitkleid7_Veronika Fischer (17)

Tipp: Einen Termin zum After-Work-Shopping mit den Besties, Yummies, Fashionistas und ganz einfach in guter Gesellschaft kann man sich mit Martina Brückl ausmachen. Kostet nichts – im Gegenteil: Ab einem Einkaufswert von 200 Euro bekommt der/die InitiatorIn ein Lieblingsteil um -50%.

 

 

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... legt Wert auf treffende, bedeutungsschwere Worte. Hat dafür sogar eine Waagschale. Liebt das Kreative und Ungewöhnliche. Erzählt den im7ten-LeserInnen am liebsten UnternehmerInnengeschichten, die man beim Einkaufen im Grätzl sonst nicht so schnell erfährt.

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