Posted On 15. Oktober 2015 By In Anno dazumal, Shops, Übers Grätzel With 1949 Views

Blumen über Blumen, so weit das Auge reicht

Es grünt so grün, wenn Neubau’s Blumen blühen …

Es regnet, in Strömen, als ich mich zu den ersten Etappen meiner Blumengeschäfte-Erkundungstour im Grätzel aufmache. Gut, denke ich mir, das muss ein Zeichen sein – denn wofür ist der viele Regen bestimmt gut? Richtig: für all die Pflanzen, und Bäumchen, und Blümchen…

Also nichts wie rein, und das erste Ziel meiner Recherche heimsuchen:

Blumen Brigitte Aigner
Westbahnstraße 5a
www.blumen-aigner.at

Allerlei Blumiges und Kuriosesbrigitte

Gleich als ich das Geschäft betrete, umgibt mich ein heimeliges Gefühl der Geborgenheit – so viel Grün und Bunt und Fülle um mich herum – ich bin direkt befangen ob der ganzen Pracht und Vielfalt. Ein üppiges Paradies voll von allem, was da so grünen und blühen mag, empfängt mich hier. Und mit demselben Reichtum an Erfahrungen und Wissen steht hier eine Frau ihren Mann, die weiß, wovon sie spricht und es intuitiv im Gespür hat, was Sache ist.

Das Haus, in dem Blumen Brigitte ansässig ist, wurde 1888 gebaut, und es dürfte hier laut der Mittfünfzigerin von Anbeginn an ein Blumengeschäft gegeben haben. Sie selbst ist als 15-Jährige als Lehrling in das Unternehmen eingetreten und hat das Geschäft dann vor 12 Jahren von der Alt-Chefin übernommen. Diese wirkt weiterhin im floralen Gewerbe mit und hat Brigitte Aigner mit mütterlicher Fürsorge durch all die Jahrzehnte begleitet.

Auch als ich im Laden unangemeldet aufkreuze aber trotzdem sehr offen willkommen geheißen werde, ist die Alt-Chefin vor Ort. Sie kehrt gerade den Boden, hält sich aber ansonsten ganz diskret im Hintergrund, und fällt mir erst wieder auf, als sie – mit ihrem Dackel an der Leine – das Geschäft wieder verlässt.

Mein neuer Arbeitsplatz

Freimütig macht mir also Brigitte Aigner ein Plätzchen zurecht, auf dem ich dann inmitten der ganzen Herrlichkeit throne. Und sie bringt mir sogar eine Schreibunterlage, natürlich mit einem Blumenporträt darauf. Gleich gegenüber von mir steht noch ein Stuhl, also eigentlich ein Stühlchen, in Kinderdimension, auf diesem hat Brigitte Aigner vor 2 Jahren Adventkränze gebunden und dekoriert. Gut sichtbar für alle, die vorbeigekommen sind, und sich sozusagen live von ihrem Können beeindrucken ließen. Gut möglich, dass sie sich dieses Jahr wieder in die Auslage begeben wird, für ihre vorweihnachtlichen Aktivitäten.

Aber nicht nur das Blumen- und Kränze-Binden ist ihr Metier, Brigitte Aigner bietet noch ein weitaus größeres Sortiment an pflanzlichen Genüssen an. Obstsäfte sehe ich in den Regalen, und Bio-Chilli gleich neben mir am Boden, neben asiatischem Koriander und einem herbstlichen Bouquet aus Kürbissen, Trauben, Zwetschken, Birnen, Äpfeln und Quitten, teils aus eigenem Garten, und auch aus jenem ihrer Schwester, aber auch von den Bauern ihres Vertrauens.

Kreativ und vielfältig

Brigitte Aigner ist ein ganz besonderer Mensch, und das, was sie verkörpert und lebt, spiegelt sich auch in ihrem Angebot wieder. In der Natur, in all ihren Facetten, vom Boden bis zur Decke – die mit einem selbst gemalten Himmel samt Regenbogen geschmückt ist. Nebst den anderen, natürlich auch selbst gemalten Bildern, die die Wände zieren.

Und auch in der Farbenpracht, so wie sie das Auge übergehen und die Seele lachen lässt. Und die sie auch im einfühlenden, umsichtigen Verkaufsgespräch ihren Kunden zuteilwerden lässt. Denn Verkaufen ist eben nicht nur Geld machen, weil wenn’s ihr allein um das ginge, hätte das doch immer wiederkehrende Zittern und Bangen um ihre Existenz keinen rechten Sinn.

Soziales Miteinander

Sie ist vielschichtig und vielseitig, erzählt von ihren politischen Anliegen genauso, wie von den Werten, die ihr Tun prägen: Teilen – Helfen – Nächstenliebe, im Kleinen, in ihrem Laden an der Ecke Hermanngasse/Westbahnstraße, und im Großen, globaler gesehen, gerade auch jetzt im Angesicht der Flüchtlingsströme und der Wiener Wahlen.

Brigitte Aigner beschreibt sich selbst als eine Freischauflerin und sie ist ganz bestimmt eine, die weiter als bis zu ihrer Nasenspitze denkt – davon konnte ich mich ganz spontan im persönlichen Gespräch mit ihr überzeugen: direkt aber doch auch geheimnisvoll, freidenkend und trotzdem auch mit ganz viel Sinn für das Tiefgründige, Erdige. Facebook-Guppe

Und weiter geht‘srobiza

Die Westbahnstraße stadtauswärts, noch immer regnet es, leider sogar noch eine Spur mehr. Ob die vielen Pflänzchen, und Bäumchen, und Blümchen um mich herum diesen vielen Regen wirklich brauchen?

Egal, ich stehle mich von Hausvorsprung zu Hausvorsprung, von Vordach zu Vordach, und schon bin ich da, am nächsten Ziel meiner Recherche:

Blumen Adolf Robitza
Westbahnstraße 35

Der Familienname prangt so richtig dominant und unübersehbar an der Glasfront, und schon allein die Schriftart erinnert mich sofort an all die Firmenschilder meiner Kindheit als Greißlerstochter.

Wie ich im Vorfeld erfahren habe, gehen die Besitzer dieses Blumenladens – ein Ehepaar der alten Generation – vielleicht bald in Pension. Richtigerweise sind sie es bereits; beide über 80 Jahre alt, und doch noch höchst aktiv, für das Geschäft. Fahren täglich über 60km, um hier immer noch ihrem Gewerbe nachzugehen. Und strotzen allen Widrigkeiten, stehen sogar – so wie heute, bei meinem Besuch – mit Halstuch und tränenden Augen im Geschäft.

Ideale einer längst vergangenen Zeit

Das ist halt Arbeitseinsatz, wie ich ihn kenne. Und ein Patriachart, wie es heutzutage so wahrscheinlich nicht mehr häufig praktiziert wird – zumindest nicht öffentlich. Wenn die Frau weggeschickt wird, weil sie zu viel redet, und sie sich das bereitwillig gefallen lässt – um des lieben Friedens willen.

Damit der Mann im Hause loslegen kann, mit seinen Erzählungen, und all sein Wissen kundtun kann, über die Vorfahren, und Dynastien, und Geschichten, die das Leben und Wirken der Familie Robitza geprägt haben und noch immer ausmachen.

Und, damit die Frau im Hause sich weiter an der Schaufenster-Dekoration tunlich machen und derweil auch die Verkäufe tätigen kann. So hat alles hier seinen Platz und nichts ist überflüssig. Und die Macht der vergangenen Zeiten tut ihr Übriges; hier wirkt, was werkt, und der einstige Glanz und die ehemalige Gloria sind mehr als deutlich spürbar.

Furore anno dazumal

Hat man doch einst die Sissi-Filme ausgestattet, und auch die Rosenhügel-Studios, wie es damals noch üblich war natürlich nur mit frischen, echten Sträußerln; und damit Geld verdient, wie man es sich heutzutage gar nicht mehr vorstellen kann. Vieles ist geblieben, vom Ruhm und dem Verdienst der einstigen Tage, ein Hektar großes Grundstück in Niederösterreich mit einem riesigen Haus darauf, das aber trotz dem vielen Getier, welches sich dort tummelt, zwar belebt aber doch auch recht einsam ist.

Kinderkleid

heißt übrigens Robitza auf Kroatisch, wie mich der Geschäftsinhaber wissen lässt. Und während ich da so vor mich hin recherchiere, finde ich auch, dass Roba die Ware ist. Ein vortreffliches Synonym für das, was hier angeboten wird: ein gutes, solides Sortiment, verbunden mit dem Wissen und auch den Erfahrungen zweier Menschen, die ihr Leben gelebt haben – in guten wie in schlechten Zeiten.

Das Geschäft selbst ist ein Relikt vergangener Zeiten: gleich als ich es betrete, fühle ich mich in die Blumengeschäfte meiner Kindheit zurückversetzt. Klare, sachliche Konturen – schlichte, minimalistische Eleganz, und drum herum oder eigentlich mittendrin Blumen, die durch ihre Dominanz bestechen, genauso, wie es ihre Verkäufer durch ihr Wesen tun.

Nachfolge

Familie Robitza ist seit 57 Jahren hier ansässig, und versteht sich als das alteingesessenste Fachgeschäft in der Westbahnstraße. Dank der vielen Stammkunden und mangels eines adäquaten Nachfolgers – alle 3 Kinder haben andere Laufbahnen eingeschlagen – werden Herr und Frau Robitza hier wahrscheinlich auch noch einige Jahre mehr für ihr Geschäft und Gewerbe leben.

Und wer weiß, vielleicht ergibt findet sich ja doch noch jemand, der die Geschicke und Zügel dieses Imperiums zukünftig in die Hand nehmen möchte – meine weitere Recherche ergibt, dass man sogar für NachfolgerInnen annoncieren kann – wahrlich erstaunlich, was es alles gibt:

www.nachfolgeboerse.at

Fortsetzung folgt

Eine Woche später mache ich mich wieder auf den Weg, zum 2. Durchgang meiner Blumengeschäfte-Erkundungstour. Wieder regnet es in Strömen, fast noch mehr als bei den ersten beiden Etappenzielen, und das muss einfach ein Zeichen sein, es ist wieder Blumenzeit – ganz bestimmt!

Nur leider bin ich diesmal nicht so erfolgreich, oder es regnet doch um eine Spur zu viel, jedenfalls sind alle meine heutigen Destinationen spontan nicht so gesprächsbereit bzw. nicht dementsprechend besetzt. So hinterlasse ich meine Kontaktdaten bei

Rosenkönig
Westbahnstraße 54
1070 Wien

Blumenlady (kurioserweise gleich gegenüber, auf der anderen Straßenseite)
Westbahnstraße 39
1070 Wien

Alles Blume (eine Institution, wie ich mir sagen habe lassen)
Kaiserstraße 70
www.allesblume.at

Flowery Field (dem etwas anderen ‚Blumengeschäft‘)
Schottenfeldgasse 28/2
www.floweryfield.com

und ziehe unverrichteter Dinge wieder von dannen. Was Du heute nicht besorgen kannst, musst Du halt auf morgen verschieben. Hier daher mein Aufruf an alle nun leider nicht näher beschriebenen Blumenfachgeschäfte, Blumenhandlungen, FloristInnen und Blumenbindereien: bitte melden, wenn Sie auch ein grünes Plätzchen auf diesem sagenhaft gutem Blog für sich in Anspruch nehmen wollen!!!

Und zu guter Letzt wie immer und üblich noch ein weises, vielversprechendes

Fazit: So ein bisschen mehr oder weniger Regen schadet nichts, weil wir sind ja alle nicht aus Zucker – wie ein alter Glaubenssatz aus unserer Kindheit so schön sagt! Und: die Hoffnung stirbt zuletzt – auf eine Fortsetzung, wieder unter dieser Adresse!

 

Fotocredits + Text: Cornelia Feiertag

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