Fotografin Michaela Krauss-Boneau sort mit den Haustürporträts Wiener UnternehmerInnen aus dem 7. Bezirk für Aufmerksamkeit für die von Covid-19 betroffenen Selbstständigen.

Posted On 31. Juli 2020 By In Allgemein, Übers Grätzel With 261 Views

Haustürporträts – ein Fotoprojekt von Michaela Krauss-Boneau

Die Neubauer Fotografin Michaela Krauss-Boneau hat mit ihren Haustürporträts in den vergangenen Corona-Wochen für Aufmerksamkeit gesorgt. Insgesamt 36 UnternehmerInnen wurden bereits kostenlos von ihr fotografiert und es sollen noch mehr werden.  Im Herbst ist eine Ausstellung der Fotografien geplant.

Welcome to Utopia? Welcome to your life!

Wochenlang geschlossene Geschäfte, leergefegte Straßen, Toilettenpapier- und Handseifenkauf als Odyssee für Hygieneglücksritter, eine Wirtschaft, die in die Knie geht, Rekordarbeitslosigkeit, Hiobsbotschaften aus der ganzen Welt – hört sich das nach etwas an, woran man sich erinnern möchte? Ja, und ob!

Ein Wechselbad der Gefühle

Corona-Geschichten sind so verschieden wie die Menschen selbst. Es sind Erzählungen persönlicher Herausforderungen und Glücksmomente. Zwischen Verzweiflung und Hoffnungsschimmer, Dankbarkeit und Haareraufen.

Corona-Leben durch die Linse betrachtet

„Corona“ war und ist aber auch eine Geburtsstunde neuer Ideen und war auch Anstoß für den aus Deutschland kommenden Hype, das Covid-bedingte Berufsausübungsverbot der Fotografen, für eine kreative Sache zu nutzen: kostenlose Haustürporträts. „FotografInnen ziehen durch die Straßen in ihrem Wohnort, Wohnbezirk oder „Grätzel“, um Porträts von den BewohnerInnen vor ihren Haustüren zu machen. Kostenlos, zur Erinnerung an die Corona-Zeit“, erklärt Michaela Krauss-Boneau das einfache Konzept. „Ich habe mich für dieses Projekt begeistern lassen und biete eine Ableitung der Haustürporträts nach internationalem Vorbild an. Meine Zielgruppe befindet sich im 7. Wiener Gemeindebezirk: Geschäftsleute und UnternehmerInnen. In meinen Augen leiden diese wirtschaftlich viel mehr unter den Coronamaßnahmen als private Personen. In der Hoffnung, ihnen mit meinen Fotos mehr mediale Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, lichte ich sie vor ihren Geschäftstüren ab.“

Begleitet werden die ausdrucksstarken Fotos, die die Fotografin auf Facebook, Instagram und ihrer Website teilt von persönlichen Worten der UnternehmerInnen aus dem 7. Bezirk. Sie geben Einblick in die wirtschaftliche Realität und individuelle Herangehensweisen, bringen zum Schmunzeln, machen nachdenklich, bewegen.

Ausstellung im Herbst 2020 geplant

Für Herbst ist eine Ausstellung dieser außergewöhnlichen Arbeiten von Michaela Krauss-Boneau geplant. In Kooperation mit den Kaufleuten der Westbahnstraße, Neubaugasse und der Kaiserstraße sowie der Neubauer Bezirksvorstehung sollen die Fotografien in der LIK Akademie gezeigt werden. Sobald es weitere Information dazu gibt, informieren wir natürlich hier und auf Facebook darüber.

Jetzt noch mitmachen!

Für den Moment heißt es noch: Mitmachen und die Corona-Erinnerung mitprägen.
Die Teilnahme ist für alle UnternehmerInnen im 7. Bezirk kostenlos!

So funktioniert es

Termin mit der Fotografin vereinbaren, während der Geschäfts- bzw. Bürozeiten kurz auf die Straße vor die Türe kommen und innerhalb weniger Minuten aus sicherer Entfernung geknipst werden. Mitmachende UnternehmerInnen erhalten die Fotos kostenlos per E-Mail zugeschickt. Die einzige Bedingung ist, dass die Teilnehmenden mit einer Veröffentlichung der entstandenen Fotos einverstanden sind.
Im August ist Michaela Krauss-Boneau noch in den Straßen des Siebenten unterwegs.

7 Sneak Peeks der Haustürporträts im 7. Bezirk

Für die im7ten-LeserInnen hat Michaela Krauss-Boneau einige Fotografien zur Verfügung gestellt.

SehProjekt – Optometrist Michael Reishofer | www.sehprojekt.at

Unternehmer Michael Reishofer aus der Westbahnstraße erzählt über die Corona-Zeit

„Mein Name ist Michael Reishofer, seit 5 Jahren darf ich jeden Tag meinen Traum leben. Schon früh wusste ich, dass ich ein eigenes Geschäft haben wollte und meine Philosophie des Augenoptikerhandwerks in die Tat umsetzen wollte. (…) Die Corona-Krise bedeutete zwar keine Schließung für meinen Shop, da wir Augenoptiker als systemrelevant galten, jedoch kann man diese Wochen nicht als „normal“ bezeichnen. Denn auch als solches, hatte ich mit einem absoluten Umsatzeinbruch umzugehen und die Fixkosten blieben gleich. Selbstverständlich hat diese Zeit viele Herausforderungen mit sich gebracht, allerdings bin und bleibe ich positiv gestimmt.“

Zweitkleid7 – Martina Brückl | www.zweitkleid7.at

Martina Brückl von Zweitkleid7 hat sich für das Projekt Haustürporträts ablichten lassen.

„Mein Name ist Martina, ich komme ursprünglich aus Oberösterreich und bin seit 6 Jahren begeisterte Second-Händlerin und Hundebesitzerin! (…) Corona war und ist für mich schon sehr hart. Die Umsätze sind weggebrochen, die Fixkosten laufen weiter. Das muss man nicht nur finanziell sondern auch psychisch stemmen können. Ich habe gottseidank ganz liebe Stammkundinnen, die mich tatkräftig unterstützen, aber von „normal“ sind wir weit entfernt! Ich hoffe für mich und für meine KollegInnen, dass dieser Spuk bald ein Ende hat, und wir alle es ohne größere Blessuren überleben!“

LIK Akademie – Ing. Nadja Gusenbauer, Direktorin der LIK Akademie für Foto und Design & Eric Berger, Lehrgangsleiter der LIK Akademie für Foto und Design | www.likakademie.com

„Wir freuen uns, die Praxistage im Bereich Fotografie, Film und Mediendesign unter Einhaltung aller erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen wieder vor Ort durchführen zu können. Nur wenige Lehrgangstermine der berufsbegleitenden Diplomlehrgänge der LIK Akademie für Foto und Design mussten verschoben werden. Die LIK Akademie für Foto und Design ist als privatwirtschaftliches Ausbildungsinstitut seit dem Jahr 1985 in Österreich tätig und hat bereits vor 7 Jahren begonnen einen Online-Fernlehrgang aufzubauen. Diese Erfahrung auf dem Gebiet des e-Learning hat uns in der Covid-19-Phase sehr geholfen, für unsere Kunden eine ungestörte Online-Fortführung zu ermöglichen. Wir freuen uns aber, dass alle Praxisteile dieses Semesters nun doch noch in der professionellen Studioumgebung unserer Akademie stattfinden können.“

Zargarian Orientteppichservice – Nader Zargarian | www.teppichservice.at

Seit 1984 ist Nader Zargarian in Österreich in der Orientteppichbranche tätig und ist mittlerweile einer der wenigen Fachleute auf dem Gebiet der Teppichwäsche und der Reparatur von handgeknüpften Orientteppichen. Da ihm jeder Orientteppich sehr am Herzen liegt, ist er immer bemüht, den Teppich in seinem natürlichen Glanz und seiner Schönheit zu erhalten bzw. wiederherzustellen.
Die Corona-Krise hat das Zargarian Orientteppichservice ganz besonders stark getroffen. Die Wäscherei liegt in Ungarn und die Grenzen waren bis vor kurzem geschlossen. Allerdings konnte sich Herr Zargarian auf die Hilfe seiner treuen KundInnen verlassen, die ihm in dieser schweren Zeit der Schließung insofern halfen, dass sie ihm Orientteppiche abkauften, damit er seine Mitarbeiter und deren Familien, um die er am meisten bangte, finanziell unterstützen konnte.

G. Dieroff Nachfolger e.U. – Gerald Egger-Lampersberger | www.wollkonzert.eu

„Die Firma Dieroff besteht seit 132 Jahren und wir denken, dass es nun das erste Mal zu einer Zwangsschließung gekommen ist. Diese Zeit habe ich durchaus als bedrohlich empfunden. Speziell am Abend, wenn ich aus der Firma rausging und die Straßen waren menschenleer, die Geschäftsauslagen finster, kein Leben. So habe ich die Zeit genutzt, um zu räumen, alte Projekte
abschließen und neue aufmachen. Unser Webshop für die Wollverarbeitungsgeräte hat uns wirtschaftlich sehr geholfen. Daher habe ich dann das Projekt zur Erweiterung des Webshops für unsere Naturwaren gestartet. Ich sehe den Webshop vor allem als Möglichkeit für Kunden, welche
im Nahbereich ihres täglichen Lebens nicht die Möglichkeit haben, diese Produkte zu erwerben.
Mein Wunsch ist jedenfalls, dass die Nahversorgung einen hohen Stellenwert hat. Nur so kann das wirtschaftliche und soziale Leben erhalten bleiben bzw. sogar gerade im urbanen Bereich wieder für die Menschen aufgewertet werden.“

SYLVIE T. – Sylvie Trenous | www.sylvie-t.at

„Da ich keine Onlineshop betreibe ist durch die verordnete Schließung der Umsatz eines ganzen Monats entfallen. Aber noch problematischer ist die Produktion der Sommerkollektion: Die gesamte Produktion der Sommer Kollektion wurde erst einmal auf Eis gelegt, da ein großer Teil davon in der Slowakei getätigt wird, was mit der Grenzschließung nicht mehr möglich ist.“

SBIN . austrian fashion – Sabine Kriebel | www.sbin.at

„Hallo, mein Name ist Sabine. Vor 4 Jahren habe ich meinen Traum erfüllt und meinen eigenen Store in der Burgasse 22 eröffnet. (…) In der Zeit der Schließung haben wir in kürzester Zeit einen Online Shop zum Leben erweckt, um hier ein sicheres Einkaufen von zu Hause aus zu ermöglichen. Gleich mit der ersten Gelegenheit das Geschäft wieder zu eröffnen, habe ich das getan – weil ich meinen schönen Shop vermisst habe und um wieder in einen kreativen Arbeitsprozess und eine gewisse Routine einzusteigen.
Dank meiner lieben treuen Kundinnen ist diese schwer einschätzbare Zeit auf jeden Fall etwas leichter. Ich bin sehr dankbar für alle, die sich bewusst für mein kleines Label und lokale, faire Mode entscheiden. Diese Wertschätzung und ein positives Tag-für-Tag-Denken unterstützt mich in meinem Tun. Langfristig gesehen hoffe ich natürlich, dass diese einschneidende Situation ein verstärkt nachhaltiges Umdenken hin zu lokalen Produzenten und lokalen Geschäften mit sich bringt. Meinen KollegInnen wünsche ich nur das Beste und viel Durchhaltevermögen.“

© alle Fotos dieses Beitrags: Michaela Krauss-Boneau
Titelbild: Lisi Lang vor ihrem Shop lila in der Westbahnstraße 3

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... legt Wert auf treffende, bedeutungsschwere Worte. Hat dafür sogar eine Waagschale. Liebt das Kreative und Ungewöhnliche. Erzählt den im7ten-LeserInnen am liebsten UnternehmerInnengeschichten, die man beim Einkaufen im Grätzl sonst nicht so schnell erfährt.

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