flash_Beitragsbild

Posted On 31. Januar 2017 By In Gastronomie, Geheimtipp With 1410 Views

x-fach Doppel Ix | flash Mädchencafé

Ein Ort zum Chillen, Quatschen und Spielen. Ein Platz zur Selbstentfaltung, Selbstbestimmung und zur aktiven, gemeinsamen Freizeitgestaltung. Ein Café, eine Werkstatt, eine Plattform, ein Raum. Das flash Mädchencafé ist kein Ort wie jeder andere.

c-veronika-fischer_flash-maedchencafe-3Wer die Zieglergasse von der Westbahnstraße kommend entlangspaziert, hat das Schablonengraffiti der Künstlerin Mandarina Brausewetter definitiv schon gesehen: „Die Entstehung der Welt“ zeigt ein Mädchen, das Weltkugel-Seifenblasen in die Luft pustet. Verspielt und verträumt? – vielleicht! Aber auch mutig, idealistisch und selbstsicher – auf dem Weg vom Kindsein ins Erwachsenwerden.
Links neben dem Graffiti öffnete 2011 das flash Mädchencafé seine Tore, um im Besonderen Mädchen und jungen Frauen im Alter von 10 bis 21 Jahren einen Raum zu geben – im echten wie auch im übertragenen Sinn.

Der partizipative Ansatz des Mädchencafés, das in den Verein der Wiener Jugendzentren eingebunden ist, erstreckt sich auf sämtliche Bereiche des flash, begann bei der Lokalsuche und Einrichtung, und reicht bis hin zur Programmgestaltung.

Girls Only

Die Räumlichkeiten stehen all jenen offen, die sich unter dem Begriff „Mädchen“ angesprochen fühlen, wobei die bewusste Schreibweise „Mädchen_*“ – mit Unterstrich und Stern – darauf aufmerksam macht, dass eine Vielfalt weiblicher Lebensentwürfe und -situationen unter dieser Definition Platz finden.
In der Regel machen Mädchen in den Teens und Early Twens vom Angebot des flash Gebrauch, kommen mal alleine, mal in Gruppen, treffen auf andere Mädchen, die ihnen aus Schule oder Freizeit bekannt sind, und finden sich hier in neuen Konstellationen zusammen. Der Kreis vergrößert und verändert sich dabei vorwiegend durch Mundpropaganda oder die Einsätze des Teams in nahegelegenen Parks in den Sommermonaten.

c-veronika-fischer_flash-maedchencafe-5 c-veronika-fischer_flash-maedchencafe-8 c-veronika-fischer_flash-maedchencafe-9

Mitsprache ist im Mädchencafé nicht nur erlaubt, sondern erwünscht. So gibt es laufend spannende Aktionen, die sich die Mädchen wünschen und auch aktiv mitplanen (können/dürfen/müssen): Kreatives – Kerzengießen, Peeling herstellen, Buttons machen, Fotoralley, Karaoke –, Soziales – Übernachtungsparty, regelmäßiges Kochen und gemeinsam Essen, Wuzzelturnier –, aber auch Kunst, Kultur und Bildung – Ausflüge in Museen oder zu Veranstaltungen, Theaterworkshop etc. – halten sich dabei die Waage.

Das Team des flash Mädchencafés hinten vlnr: Magdalena Mangl, Karin Staudigl vorne vlnr: Marina Progovac, Miriam Weiss, Marija Šabanović

Das Team des flash Mädchencafés
hinten vlnr: Magdalena Mangl, Karin Staudigl
vorne vlnr: Marina Progovac, Miriam Weiss, Marija Šabanović

Für Magdalena Mangl, die Leiterin des flash Mädchencafés, und ihr Team ist es von zentraler Bedeutung, mit viel Fingerspitzengefühl Dynamiken und aktuelle Themen bei den Besucherinnen aufzugreifen und in diese Richtung gehend Angebote zu stellen – am 5.12.2016 findet von 16 bis 17 Uhr einen Talk mit Stadträtin Sandra Frauenberger zum Thema Cybermobbing statt, um praktische Tipps und rechtliche Infos zu Hass-Postings oder Sexting weiterzugeben. Für Eltern, aber auch für die Mädchen selbst, ist es allerdings wichtig zu wissen (wenn auch aus unterschiedlicher Erwartungshaltung), dass das flash keine Beratungsstelle, sondern eine Freizeiteinrichtung ist, in der es um ein respektvolles und angenehmes Miteinander geht und wo sich das Team aus Sozialarbeiterinnen und
-pädagoginnen zurücknimmt, um den Mädchen einen möglichst großen (Spiel-)Raum zur Entfaltung zu geben. Das die immer offenen Ohren der kompetenten Erwachsenen ab und an konsultiert werden, versteht sich aber von selbst.

Work in progress

Im Gespräch mit Magdalena Mangl erfahre ich beispielsweise, dass die Mädchen für die gemeinsamen Kochabende die Regel aufgestellt haben, nur wer bis 17 Uhr kommt und mithilft, darf mitessen. Sonst ist es unfair. Schlüssig, nicht? Auch zum Umgang miteinander, zum vorsichtigen Umgang mit den Räumen, zur Beliebtheit der Übernachtungspartys, zur Rolle von sozialen Medien im SchülerInnen-Alltag (Dynamiken und Themen, die während des Schultags entstehen bzw. aufkommen, setzen sich in noch nie dagewesener Weise auch nachmittags in WhatsApp, Snapchat, Facebook und Co. fort),… weiß die erfahrene Sozialarbeiterin unheimlich viel zu berichten, aber ganz ehrlich: das sprengt hier den Rahmen. Mädchen_*, die das interessiert, finden im flash Mädchencafé einen wunderbaren Ort, um sich mit anderen unkompliziert auszutauschen und Erwachsene – insbesondere Eltern – müssen sich in Sachen Bauchwehthemen ohnehin anderswo schlaumachen. Im Lichte dessen fände ich jeden weiteren Satz, der mehr von diesem spürbar besonderen Raum preisgibt, als ganz schön fiesen Mädchencodexverstoß meinerseits.

Gemischter Freundeskreis

Für Jugendliche, die einen gemischten Freundeskreis mit Jungs und Mädels haben, gibt es im 7. Bezirk das cult.café, Neustiftgasse 89-91, das – ebenso wie das flash – ein Kaffeehaus mit taschengeldfreundlichen Preisen und ohne Konsumzwang ist und sich an Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren richtet, die sich außerhalb ihrer eigenen vier Wände mit (mehr oder weniger) Gleichgesinnten treffen wollen.

 

flash – Mädchencafé
Zieglergasse 34/3, 1070 Wien
flash.jugendzentren.at
Öffnungszeiten und besondere Termine am besten auf der Facebook-Seite des flash Mädchencafés abrufen.

 

P.S.: Jeden Mittwoch von 15 bis 18 Uhr dürfen immer schon die 8- bis 9-jährigen Mädchen mit dabei sein.

 

Fotos: Veronika Fischer
außer Teamfoto: © flash Mädchencafé

Tags : ,

... legt Wert auf treffende, bedeutungsschwere Worte. Hat dafür sogar eine Waagschale. Liebt das Kreative und Ungewöhnliche. Erzählt den im7ten-LeserInnen am liebsten UnternehmerInnengeschichten, die man beim Einkaufen im Grätzl sonst nicht so schnell erfährt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.