Alles Blume

Posted On 19. Januar 2016 By In Interviews, Shops With 1381 Views

Wie viele Emotionen dürfen es heute für Sie sein?

Ich bin ja sehr verlässlich und präzise, vergleichbar mit einem Schweizer Uhrwerk. Und manchmal hartnäckig wie ein Schnupfen, den man nicht losbekommt. Außerdem bleibe ich gerne am Ball, damit mir ja kein Tor entgeht. Deshalb musste es einfach sein, weil ich es ja hier auf diesem Blog (leider schon vor einiger Zeit) hochoffiziell versprochen habe:

Die (dafür umso ausführlichere) Fortsetzung meiner Blumen-Serie wartet nachfolgend auf unsere geneigten Leser und –innen! Und damit auch wirklich niemand das Köpfchen hängen lassen muss, kann ich eines schon vorweg nehmen: Ich schreibe diesmal nicht vom Regen! Dafür aber viel mehr von der Morgenröte, und davon, was sonst noch alles so erstrahlt bei

Alles Blume oder was?

Was und wer empfängt einen, wenn man bei Alles Blume in der Kaiserstraße 70 einkaufen geht? Das wird wohl jedeR gerne für sich selbst in Erfahrung bringen – in meinem Fall war es ein noch abgedunkeltes Blumengeschäft, im frühmorgendlichen Tiefschlaf und gleichzeitig auch in freudigster Erwartung des Ansturms.

Und vor allem dessen leutseliger Inhaber Linus Carigiet, der uns im gemütlichen Séparée im hinteren Teil der Geschäftsräumlichkeiten ein süßes Frühstück vorbereitet und mir währenddessen ausführlich Rede sowie Antwort gestanden hat.

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Vom Samenkorn zum Sprössling

Linus Carigiet bezeichnet sein Wesen und sein Werk als Mixtur aus vielem. Der ursprünglich aus der Schweiz stammende Geschäftsmann hat seine Gärtnerlehre im Landschaftsbau und der Produktion begonnen, weit weg vom Elternhaus und dem offenbar dort vorherrschenden Unverständnis für seine Berufswahl.

Der Vater, ein Hausbauer, konnte mit der emotionalen Ausprägung seines Sohnes wenig anfangen, obgleich doch beide auf ihre Art ein wunderbares und wertschöpfendes Handwerk für sich gefunden haben.

Der räumlichen Distanz ist es auch zu verdanken, dass Linus Carigiet recht bald schon seine Fühler in Richtung Floristik ausstrecken konnte. Nachdem sich das Heimfahren nicht rentiert hätte, blieb er auch nach seiner Arbeitszeit noch vor Ort und konnte dadurch im Blumenbinden und -arrangieren ein weiteres Betätigungsfeld für sich entdecken.

Alles Blume – das Gedeihen

Nachdem dann auch die Floristen-Zusatzlehre absolviert war, hat ein kleines Spital in der Schweiz von seinen neuerworbenen Fähigkeiten und Kenntnissen profitiert. „Natur kann vieles“, sagt Linus Carigiet, „auch Linderung und Heilung passieren durch das Erkennen von Natur in all ihren Erscheinungsbildern.“

Menschen kennenlernen und in Folge dessen nach Wien weiterziehen – so wurde hier nach 4 Jahren als Angestellter in einem traditionsträchtigen Unternehmen im 10. Bezirk die Meisterprüfung absolviert. Und seit 1999 gibt es nun schon “Alles Blume” in der Kaiserstraße. Dank der Unterstützung seiner Frau Krista und der Angestellten Frau Ringl, die bereits seit 15 Jahren mit dabei ist.

Des Pudels Kern

Was steckt eigentlich hinter Alles Blume? Ist das ein Synonym für die allmächtige Präsenz von Schönheit und Anmut? Oder doch mehr eine Aussicht auf das, was Linus Carigiet seinen Kunden in seinem Geschäft alles zu bieten hat?

„Der Samen wächst – wie ein Gedanke in unserem Kopf – und alles, was Du in die Hand nimmst, kann wachsen und gedeihen und vielleicht sogar blühen.“ Dieser umfassenden Vorstellung von Schöpfung begegne ich in meinem Gespräch mit Linus Carigiet immer wieder.

„Ich bin nicht besser oder schlechter als all die Lebewesen um mich herum. Wir alle können erahnen, was es heißt, wenn man abgeschnitten, entwurzelt wird. Wo geht’s dann weiter – wissen wir, was uns die Zukunft bringt? Ist das alles, was das Leben für mich bereithält?“

Unter diesem Aspekt gestaltet sich vieles im Bewusstsein von Linus Carigiet. Und er weiß, er fühlt, dass er in Wien, in dieser Straße, im Jetzt, wirklich etwas zu erledigen hat.

Was gedeiht denn da nun genau?

Da wären mal jene Blumen, die Linus Carigiet nicht so liegen und dennoch findet er auch an ihnen etwas Gutes: Gladiolen zum Beispiel sind als Vasenfüllung sehr schön anzusehen. Lediglich mit gefärbten Blumen kann er rein gar nichts anfangen. Wohingegen die Gerbera schon viel eher positive Assoziationen bei Linus Carigiet wecken dürfte.

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Dem Trend der letzten Jahre folgend, sind bei Alles Blume natürlich auch wunderschöne, bei meinem Besuch blau-lilafarbene, Hortensien erhältlich. Meine Assoziation mit dieser Gattung ist ja leider eher die einer Grabblume, aber ich habe sie auch schon als Rundum-Deko bei rauschenden Hochzeitsfeiern gesehen.

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Die Königs-Protea hingegen ist wahrlich majestätisch, ihr Erscheinungsbild ist wirklich beeindruckend, ein Wow-Effekt auf allen Sinnesebenen, sie ist sicher nicht ohne Grund die Wappenblume Südafrikas.

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Kann man Inspiration erwerben oder lernen?

Die Techniken und das Basiswissen der Floristik sind erlernbar. Aber Gefühl und Empathie müssen vorhanden sein. Es ist eine andere Form von Hingabe, wenn man bei Alles Blume die Hektik einfach draußen lässt und in kleinen Dosen Liebe konsumiert.

Linus Carigiet schafft dafür eine gefühlvolle Atmosphäre, die schöne Umgebung verführt geradewegs dazu, im Fluss zu sein. Eine Insel des Rückzugs, die einem mit Geborgenheit empfängt – Linus Carigiet hat sehr viel Reflexionsarbeit geleistet, um diesen, seinen Ort entstehen lassen zu können.

Und er fotografiert seine Blumen nicht, wie er mir vehement erzählt – er möchte keine Abbilder schaffen, hält auch nichts von Floristik Shows und Events. Ein Foto weckt Erwartungshaltungen und Enttäuschung ist nicht in seinem Sinn. Jede Blume steht für sich und will wahrgenommen werden.

Also habe ich dann selbst ganz schnell ein paar Schnappschüsse angefertigt und als Gustostückerln für unseren Blog mitgenommen. Ohne große Inszenierung, ganz unverblümt sozusagen…

Spezialisierung

Ziel bei Alles Blume ist ein reibungsloser Ablauf. Was bei den vorherrschenden hohen Ansprüchen nicht immer einfach zu erfüllen ist. Aber die Kunden sollen immer das Gefühl haben, dass sie wahr- und ernstgenommen werden. Und das Vertrauen hat einen ganz hohen Stellenwert – niemand soll über den Tisch gezogen werden und alle sollen sich immer verlassen können.

Wie z. B. die Lehrerin, welche einmal als Spezialauftrag eine Kakaobohne für ihren Unterricht benötigt hat. Wege suchen und vieles bereitstellen, das ist die Spezialität von Linus Carigiet. Ein ‚Nein‘ kommt manchmal auch vor, trotzdem werden immer wieder Möglichkeiten aufgespürt.

Die Zustellung in ganz Wien erfolgt zumeist mit dem Auto, in zwei Touren, vormittags sowie nachmittags. Auch öffentlich sind Linus Carigiet und Frau Ringl in dieser Mission unterwegs, mit einer großen Tasche – immer flink, immer koordinativ.

Die Zeit ist für alle knapp, deshalb wollen viele Kunden auch ganz einfach von zu Hause aus bestellen. Blumenvermittlungen wie Fleurop, die diesem Anspruch weltweit gerecht werden, sind da die richtigen. Alles Blume agiert auch in diesem Umfeld als vertrauenswürdiges Mitglied.

Helfe ich anderen, so wird auch mir geholfen

Die Klientel ist sehr gemischt, es gibt vielerlei Anbieter, die Konsumenten vergleichen und wiegen ab. Die Kundenbindung ist daher essentiell – das füreinander da Sein und die Zeit, die man investiert. „Die Hilfsbereitschaft und sich in die Lage der anderen versetzen sind wichtig.“, sagt Linus Carigiet.

Es gibt immer wieder Situationen, in denen man ansteht, in denen es Zeit wird, sich auf den Weg zu machen. Wenn der Leidensdruck dazu führt, dass man die Sichtweise ändert, und dadurch Wege und Muster erkennt. Wenn man die treibenden Kräfte spürt und Dinge, die man sieht, gestalten möchte.

Alles Blume ist „Irre meditativ.“, und wenn man den Worten von Linus Carigiet lauscht, lässt sich zumindest vieles erahnen von dieser Rückbesinnung auf die Verbindung zur Erde. „Pflanzen wissen viel mehr.“ Wachsen – blühen – reifen – verblühen, das ist der ewige Kreislauf des Lebens.

Fazit: Wer Emotionen sucht, wird sie bei Alles Blume finden! Und jedeR die/der diesen Beitrag gelesen hat, möge doch nun selbst vorbeikommen und den Floristikmeister persönlich darauf ansprechen!

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Fotocredits + Text: Cornelia Feiertag

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