Puppenmacherin_Beitragsbild

Posted On 12. Februar 2018 By In Shops With 1262 Views

Casa Carolina – Die Puppenmacherin im7ten

Eine Farbexplosion mitten im Grau des Winters – etwas Schöneres kann mir an diesem Dienstagvormittag nicht passieren, als ich bei Carolina Gorriz de la Calle hereinschneie. Leuchtendes Rot, tiefes Nachtblau, sattes Grün, kleine Sterne, Polkadots und pinke Herzen wetteifern um meine Aufmerksamkeit. Ein gepunktetes Seepferdchen baumelt verkehrt von einer hölzernen Schaukel, ein Monster mit langen rot-weiß gestreiften Beinen seilt sich scheinbar von seiner Aussichtsplattform ab, in kleinen Kisten und auf Regalen sitzen sie, als hielten sie gerade eine Versammlung ab. Ich werde von mindestens zweihundert Knopfaugenpaaren angestarrt, die auf den Fröschen, Sonnen, Hasen und Monstern angenäht sind und sie alle scheinen mir zu sagen: „Nimm mich mit und zeig mir die Welt.“

Carolina Gorriz de la Calle ist gebürtige Spanierin, ausgebildete Kostümbildnerin und Modedesignerin. Der Liebe wegen hat es sie nach Wien verschlagen, wo sie in der Modebranche und bei einem Juwelier arbeitete, bevor sie sich vor zwei Jahren als „Die Puppenmacherin“ selbstständig machte. Zuerst nähte sie einen frechen Kuschelfreund mit Zippverschlussschnauze für sich selbst, dann wurden es zwei und schlussendlich so viele, dass sie begann, die Fäden zusammenlaufen zu lassen, bis sie hier, in der Schottenfeldgasse 92, ihren eigenen Shop eröffnete.

Jedes Stück, das sich hier befindet, ist ein von Carolina handgemachtes Einzelstück. Sie kennt jedes und hat einige Stunden mit ihm verbracht, bevor sie es zum Verkauf freigibt. So entstehen Shopper, Handyhüllen und vor allem kuschelige Freunde in verschiedenen Formen – die Macherin beschreibt sie als Frösche, Sonnen, Hasen und Teufelchen und sobald sie es ausgesprochen hat, sehe auch ich die Wiederholung, die so zufällig und individuell scheint, wie wir das bei uns Menschen kennen. Die Stoffzusammenstellung ist niemals dieselbe und trotzdem sieht man ihnen an, dass sie aus dem gleichen guten Haus kommen. Die Stoffe kauft Carolina in Wien oder auf Urlaub in ihrer Heimat, sie wählt sie sorgsam aus und wäscht sie (!), bevor sie sie verarbeitet.
Begonnen wird immer mit den Augen, die in einem liebevoll perfekten Durcheinander auf dem Stoff angenäht werden, der später der Puppenkopf sein wird. Kombiniert mit Bändern, Baumwollstoffen und Reißverschlüssen entsteht so Stich für Stich eine kleine Persönlichkeit, die in naher Zukunft einem kleinen oder großen Menschen ein Fröhlichkeit stiftender Freund sein wird.
Kinder, die bereits eine Puppe von Carolina Gorriz de la Calle besitzen, kommen sie manchmal besuchen, erzählen, was sie mit den Kuschelmonstern erlebt haben oder was sie in ihren Schnauzen versteckt halten – Schokolade, Ringe, Legosteine, schöne und traurige Gedanken.

Die Nähmaschine rattert hier das ganze Jahr über einige Stunden täglich – acht bis neun Stunden ist die Künstlerin damit beschäftigt, neue Stücke zu fertigen, die sie vor allem beim Weihnachts- und Ostermarkt vor dem Schloss Schönbrunn an ihre neuen BesitzerInnen übergeben wird. Wer in der Zwischenzeit eine der Puppen erstehen möchte, kann im Geschäft vorbeikommen, um ausführlich zu gustieren.

Die mit Liebe selbstgemachten Figuren kommen auf 25 bis 50 Euro – wer sich selbst schon einmal ans Pedal einer Nähmaschine gesetzt hat und sich vorstellen kann, wie viele Arbeitsschritte man fürs Inslebenrufen eines Kuscheltieres braucht, weiß, dass das ein absolut angemessener Preis ist.
Neben eigenen Entwürfen fertigt Carolina auch Figuren nach den Zeichnungen ihrer kleinen KundInnen – im selben Preisspektrum! So entstanden beispielsweise diese Gefährten:

Foto: Carolina Gorriz de la Calle

Foto: Carolina Gorriz de la Calle

 

 

 

 

 

 

 

Foto: Carolina Gorriz de la Calle

Foto: Carolina Gorriz de la Calle

 

 

 

 

 

 

 

 

Was sie sich für die Zukunft wünscht, ist die Erweiterung ihres Sortiments – Geldbörsen, Brillenetuis, Taschen und Beutel. Vielleicht T-Shirts. Während sie noch alles im Alleingang fertigt und die Tage nur 24 Stunden haben, wird sie stressfrei Schritt für Schritt weitergehen und sich auch ein bisschen von der Nachfrage überraschen und inspirieren lassen. Bevor sie ihr Business vergrößert, sagt sie, muss sie lernen, die Arbeit aus der Hand zu geben, und stellt lachend fest, dass die Puppen wie ihre Kinder sind, die sie vom ersten Schnitt bis zur letzten Naht selbst macht, um sie dann guten Gewissens in die große, weite Welt entlassen zu können.

Die Puppenmacherin
CAROCGC Carolina Gorriz de la Calle
Schottenfeldgass 92
1070 Wien
carocgc.com

 

Fotos (wenn nicht anders gekennzeichnet): Veronika Fischer

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... legt Wert auf treffende, bedeutungsschwere Worte. Hat dafür sogar eine Waagschale. Liebt das Kreative und Ungewöhnliche. Erzählt den im7ten-LeserInnen am liebsten UnternehmerInnengeschichten, die man beim Einkaufen im Grätzl sonst nicht so schnell erfährt.

2 Responses

  1. Wowasiknya@wowasiknya.com'

    Thanks for commenting Veronika Fischer. 🙂

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