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Posted On 19. Mai 2017 By In Shops With 440 Views

Wie man stilvoll an die Decke geht

Ich wusste nicht wahnsinnig viel über Stuck, bevor ich Martin Kastner in seinem Geschäft in der Kaiserstraße 32 besucht habe und es stellt sich heraus: das muss man auch nicht. Stuck ist eine Frage des Geschmacks, eine Frage der Ästhetik, eine Frage, die sich aus dem Bauch heraus ganz einfach mit ja oder nein beantworten lässt. Zu Besuch bei Kaiser Stuck

(c) Veronika Fischer_Kaiser Stuck_Martin Kastner (14)Stuck ist nicht modern – so viel ist sicher. Er ist klassisch, elegant und transportiert den Vibe einer Zeit, in der man es mit der stoischen Haltung noch sehr ernst genommen hat. Man sieht ihn in sakralen Gebäuden, Schlössern und an Hausmauern, die von Zeiten erzählen, in die man sich als Zeitreisender wünscht – nur um mal zu sehen, wie das damals wirklich war. Und aus all dem ergibt sich der Trugschluss, dass Stuck für Otto Normalverbraucher nicht leistbar sei oder man das heute in der Form gar nicht mehr kaufen kann. Absoluter Unfug! Denn bei Kaiser Stuck bekommt man hochwertigen Stuck aus speziell gehärtetem Gips. Der „berühmte“ Mann von der Straße kauft hier schon ab knapp dreißig Euro eine Stuckrosette oder quadratische Elemente mit Struktur für die Wand – beispielsweise als dekoratives Kopfende hinter einem Bett. Auch der Großhandel (Tapezierer, Raumausstatter, Maler …) wird hier fündig und das Objektgeschäft (Bauherren, Baumeister, Hausverwaltungen …) weiß, dass man hier an der richtigen Adresse ist, wenn man Umbauten in Gründerzeithäusern vornimmt. „Für den Fall, dass man eine große Wohnung in mehrere kleine teilen möchte, muss der Originalstuck teilweise ergänzt werden: Beim Aufstellen einer Zwischenwand oder dem Abhängen einer Decke entstehen neue Oberflächen, an denen der Stuck ergänzt werden muss, denn am Ende soll es wieder so aussehen, als wäre der Raum mit seinem Stuck 120 Jahre alt“, weist mich Martin Kastner in die Anwendungsbereiche ein.

Ein Gestaltungselement mit Tradition
Schon um 7000 v. Chr. fand in Kleinasien Gips zur Innenraumgestaltung Verwendung. Auch im alten Ägypten wurde er vielseitig eingesetzt – jeder kennt die Büste der Nofretete – und im Griechenland der Antike wurde Gips für Verzierungen an Häusern herangezogen. Im Mittelalter und der Renaissance wurden Material und Technik verfeinert. Im verspielten und prachtvollen Barock und Rokoko erlebte das Stuck-Handwerk eine Hoch-Zeit, während es in der Gründerzeit als typisches Gestaltungselement an Hausmauern wiederzufinden war (und ist). Auf Schlichtheit bedacht war man dagegen im 20. Jahrhundert. Heute geht wieder alles.

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Dazu muss man wissen: Stuck ein sehr dankbares – weil vielfältig einsetzbares, wandelbares und vergleichsweise kostengünstiges – Dekorationselement. Eine schmucklose Hauseinfahrt eines Altbaus verwandelt sich dank vorgegossenen Gipsleisten schon mal rasch in ein prunkvoll anmutendes Herrschaftshaus und eine kahle Decke bekommt mit dem Anbringen einer Stuckrosette im Handumdrehen echtes 19.-Jahrhundert-Flair verliehen. Das sind Einsatzgebiete, bei denen der Laie Stuck auch als solchen erkennt, doch das ist noch lange nicht alles, was der Gips kann!: Vor einigen Jahren hatte Martin Kastner eine Anfrage eines Kunden, der sich ein Zimmer seiner Wohnung nach dem Vorbild des Schreibzimmers von Kaiserin Elisabeth in der Kaiservilla in Bad Ischl gestalten ließ. In der Optik einer Holzvertäfelung wurde mit Stuck aus Gips gearbeitet und dem Raum ein völlig neues Gesicht gegeben. Bei Projekten wie diesem übernimmt Martin Kastner mit seinem Unternehmen Kaiser Stuck die Gesamtkoordination mit diversen Partnern unterschiedlichster Handwerksbereiche.

(c) Veronika Fischer_Kaiser Stuck_Martin Kastner (23)Stuckelemente aus Gips können mit Blattgold verziert oder auch in jeder erdenklichen Farbe des Regenbogens lackiert werden sowie einen Metallic- oder Holzoberflächen-Look bekommen. Wer das unbedingt einmal selbst ausprobieren möchte, ohne großen Schaden anrichten zu können, kann sich gegen eine Spende für die Kaffeekassa bei Kaiser Stuck jederzeit Probierstücke aus dem Lager von Martin Kastner holen.
Großartig zum selbst bemalen sind auch der „Arsch mit Ohren“, den es exklusiv bei Kaiser Stuck gibt – vielleicht fällt Ihnen spontan jemand ein, den es damit zu beschenken gilt –, sowie die Brillen-Nasen. Selbige waren bereits auf Reisen in der Neubaugasse bei Optiker Längle, der seine Brillenfassungen auf den Gipsskulpturen in der Auslage präsentierte.

Stück für Stück zum Stuck
(c) Veronika Fischer_Kaiser Stuck_Martin Kastner (22)Fabelhaft abenteuerlich ist Martin Kastners persönliche Geschichte mit dem Stuck: Seine Eltern machten Urlaub in Italien und entdeckten in ihrem Urlaubsort ein Malergeschäft, das Stuck-Rosetten führte. Sie spürten den Hersteller auf, dessen Produktion sich in Padua befand und arbeiteten die folgenden dreißig Jahre mit ihm zusammen. In einem Skoda Oktavia Combi fuhren sie anfangs einmal pro Woche, später einmal im Monat, nach Italien. Sie legten die Rückbank um und breiteten eine Decke über die Säcke an Spezialkleber, die sie gekauft hatten, um Sohn Martin eine bequeme Sitz- bzw. Schlafgelegenheit für die Rückfahrt zu machen.
Das Stuckgeschäft in Wien führte Martin Kastners Mutter, der Vater arbeitete bei der Post und unterstützte seine Frau tatkräftig. „Samstag und Sonntag fuhren wir nach Italien, holten die Waren ab und fuhren in Wien von einer Maler- oder Tapeziererfirma zur nächsten“, erzählt Martin Kastner von der Anfangszeit.
Als seine Mutter das Pensionsalter erreicht hatte, übernahm er das Geschäft, in dem heute viel von seinem eigenen Herzblut steckt: „Ich wurde mit dem Gen angesteckt und kann mir nicht vorstellen, etwas anderes zu machen.“

Prädikat: Sehenswert!

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Kaiser Stuck
I + P Kastner GmbH
Kaiserstraße 32
1070 Wien
www.kaiser-stuck.at

 

Fotos:  © Veronika Fischer

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... legt Wert auf treffende, bedeutungsschwere Worte. Hat dafür sogar eine Waagschale. Liebt das Kreative und Ungewöhnliche. Erzählt den im7ten-LeserInnen am liebsten UnternehmerInnengeschichten, die man beim Einkaufen im Grätzl sonst nicht so schnell erfährt.

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