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Posted On 12. Februar 2017 By In Geheimtipp, Shops With 1796 Views

Eine Frage des Alters | Antiquitäten im 7ten

Antiquitäten sind so etwas wie die Schlagzeilen der Vergangenheit. Irgendwann einmal brandaktuell, angesagt, dann vielleicht vergessen, verloren geglaubt oder schlichtweg in festen Händen und nun, da sie einen Zeitraum variabler Länge überdauert haben, der über ihren Wert entschieden hat, sind sie nicht nur zur Raritäten, sondern vor allem zu Kostbarkeiten herangereift, die es zu erobern gilt.

Während SammlerInnen im Aufspüren ausgewählter, ihre Sammlung vervollständigender Stücke ihre Freude finden, sind es oft junge Menschen, die einen ersten Anknüpfungspunkt suchen, sich mit dieser Nische vertraut zu machen. Das gute alte Stück fasziniert! Wenn man aber nicht gerade ein antikes Familienerbstück vermacht bekommt, das die Basis einer Sammlung bildet, stellt sich die Frage: Wo fängt man an?

Zur Auflösung ebendieses Fragezeichens und dem Senken etwaiger Hemmschwellen habe ich mich an sieben Schau-Plätzen im 7. Bezirk für Sie umgesehen:


Ramsch & Rosen

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Das skurrilste Antiquitätengeschäft im 7. Bezirk – vielleicht der skurrilste Shop am Neubau überhaupt – ist Ramsch & Rosen. Mitten im Einkaufseldorado Neubau treffen Sie auf Astrid, Claudia, Olivia und Franz, die den Laden schmeißen. [Ramsch & Rosen ist neben lichterloh (1060) und der Glasfabrik (1160) die dritte Spitze eines Shopping-Dreiecks in dessen Zentrum „das gute alte Stück“ steht. Jede der drei Filialen hat einen Schwerpunkt –] im Kultladen Ramsch & Rosen landen Kuriositäten und Accessoires ab 1870, Objekte aus den 1950er- bis 1970er-Jahren, aber auch moderne Gebrauchsgegenstände, die jeder gute, schrullige und Nostalgie-verliebte Haushalt braucht. Stimmungspreise und eine Umstellung des Geschäfts nach Präferenz des diensthabenden Mitarbeiters sind keine Seltenheit und haben dem Laden seine Bekanntheit, weit über die Grenzen des Siebenten hinaus, beschert.
Absolut einzigartig: Im Rahmen der Nachlass-Hoppings öffnen Angehörige eine zu räumende Wohnung. Organisiert und betreut wird die nachhaltige Aktion von Ramsch & Rosen, wo man über die Facebook-Seite von neuen Terminen erfährt. Nach dem First-Come-First-Serve-Prinzip können Interessierte einen Einlassschein um 15€ erwerben und zum angegebenen Zeitpunkt ALLES, was sie möchten, mitnehmen: Vom Putzmittel, über die Kuchengabeln, den Eiskasten oder die Couch bis hin zum Klavier haben Fündige den Gegenständen immer ein neues Zuhause geschenkt. Findet man nichts, gibt es eine Geld-zurück-Garantie. Sollte man definitiv einmal gemacht haben.

Apfel Antik

Neubaugasse 31, 1070 Wien
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„Unsere Leidenschaft gilt alten Dingen“ – so das Motto des familiengeführten Unternehmens, das sich auf Kunstgegenstände und Antiquitäten aus verschiedenen Epochen spezialisiert hat. Inhaber Leopold Apfel begann von 30 Jahren mit dem Antiquitätenhandel und wird heute von seinem Neffen Sebastian unterstützt, der nicht zuletzt auf Grund seines Alters frischen Wind und Jugendlichkeit in eine Branche bringt, die sich in der Regel noch fest im Griff unserer Vorgänger-Generation befindet. Doch es ist vor allem die realistische und sensible Haltung dem Kunden gegenüber, die mich hier beeindruckt. Bei Apfel Antik werden sowohl die Wünsche des Sammlers mit Kennerblick als auch die des Neuland-Eroberers bedient. Ganz gleich ob man fachlich versiert ist oder sich auch ohne großes Know-how in die schöne Welt der Antiquitäten begibt: Hier ist man gut aufgehoben.
(Ich konnte nicht einmal mit der Frage schockieren, ob man Antiquitäten auch mit einem IKEA-Style-Wohnzimmer kombinieren darf. Im Gegenteil.) Im übersichtlich und freundlich gestalteten, 250m²-großen Schauraum im Innenhof der Neubaugasse 31 finden Sie Gemälde, Kleinkunst sowie Mobiliar. Den Gegenständen wird hier im wahrsten Sinne des Wortes Raum gegeben und spätestens beim Lokalaugenschein wird klar, dass Antiquitäten eine Aura haben – einen Bann, in den man sich ziehen lassen kann, eine Geschichte, die es zu ergründen gilt.

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Sollten Sie sich von einem guten Stück trennen wollen, sind Sie bei Apfel Antik ebenfalls an der richtigen Adresse. Angekauft werden sowohl Einzelstücke als auch ganze Verlassenschaften.

City-Antik_1City-Antik

Neubaugasse 40, 1070 Wien

Jedem Neubaugassen-Besucher ist das Geschäftslokal bestimmt schon einmal ins Auge gestochen. Der sich über 450 m² erstreckende Schauraum, in dem eine Auswahl des Möbelsortiments sowie Bilder, Keramik und Silber- und Glasartikel präsentiert werden, zeigt allerdings nur eine Facette, des Portfolios von Oliver Hunter. Beachtlich ist vor allem auch das Angebot auf eBay, wo man sich sehr schnell einen Überblick verschaffen kann: Atemberaubende Goldscheider-Figuren, Stücke aus dem Hause Meissen, Lötz-Vasen, Wiener Bronzen, Jugendstilmöbel und vieles mehr. Ein beträchtlicher Teil des Geschäfts wird online abgewickelt und die verkauften und versteigerten Stücke in die ganze Welt versandt – oder, wenn möglich, persönlich zugestellt.

Edith Edler

Lindengasse 20, 1070 Wien

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts ist Familie Edler im Antiquitätenhandel tätig. Während sich der Verkaufsstandort in der Inneren Stadt befindet, ist die Werkstätte für Möbelrestaurierung seit den 1960er-Jahren an ihrem Standort in der Lindengasse 20 geblieben, wo der Betrieb heute in 5. Generation geführt wird. Das Unternehmen versteht sich als Nahversorger und ist mit der Balance zwischen der aufwendigen Restaurierung wertvoller Antiquitäten und der damit verglichen banal wirkenden Reparatur eines zu leimenden Sessel stets nah an seinen KundInnen. Die absolut charmante Liebe zu den alten Stücken wird Ihnen spätestens dann bewusst, wenn Dieter Edler eindringlich vor unsachgemäßen „Aufhübschungen“ von Autodidakten warnt, die sich auf dem freien Markt unter die jahrelang fachmännisch ausgebildeten Restauratoren mischen. In der Art und Weise, wie er darüber spricht, wird dem Zuhörer die wahre Leidenschaft zum guten alten Stück bewusst! Achten Sie also auf den Gewerbeschein und fragen Sie lieber gleich beim Profi nach. Eine fachmännische Restaurierung sollte sich wertsteigernd auf Ihre Antiquitäten auswirken.
Tipp: Im Bedarfsfall ist der Kontakt zur Werkstätte am Neubau über die Niederlassung in Wien 1 herzustellen.

Antiquitäten Brune

Westbahnstraße 8, 1070 Wien

Das aus der Pfalz stammende Ehepaar Brune greift auf Fachwissen aus 40 Jahren Erfahrung zurück und versteht sich als Einrichter für Kunstgegenstände. Französische und italienische Waren füllen seit 2009 das Geschäftslokal in der Westbahnstraße, das optisch meiner Vorstellung eines Antiquitätenladens entspricht – ich dachte immer, an etwas Volles. Platztechnisch gesehen, aber auch geheimnisVOLL, gehaltVOLL (im Sinne von geschichtsträchtig), VOLLkommen in der Einzigartigkeit und doch manchmal unVOLLständig, weil so manches Detail über „das Leben“ eines Stückes nicht in die Gegenwart transportiert werden kann. Dass ich meine romantische Phantasie ablegen muss, zeigt mir ein langes Gespräch mit Brigitte Brune, denn im Grunde genommen ist der Antiquitätenhandel ein sehr klares Business: Die Zeit, aus der ein Stück stammt, lässt sich eingrenzen, der Zustand genau bestimmen, Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis.
Aufklärung ist Teil ihrer Arbeit, besonders dann, wenn Laien einen größeren Schatz in ihrem Besitz vermuten, als er in Realität ist und die Schere zwischen ideologischem und monetärem Wert weit geöffnet ist. Unterm Strich: Das Antiquariat ist auf Sammler ausgerichtet, die hier auch mit kleinerem Budget das eine oder andere Stück finden – nach oben ist aber viel Spielraum. www.antiquitaeten-brune.at

galerie zeitloos

Kirchengasse 44 & Burggasse 47, 1070

Gänzlich anders als die Vorgänger positioniert sich zeitloos, wo die Designklassiker des 20. Jahrhunderts zuhause sind. Der Schwerpunkt liegt auf den 1940er- bis 1980er-Jahren, weshalb mein Kopfradio hier auch von klassischem Orchester zu Swing- und Pop-Musik tuned.

Galerie Holzer

Siebensterngasse 16, Siebensterngasse 32, Kirchengasse 30, 1070 Wien

Die Galerie Holzer feiert heuer ihr 40-jähriges Firmenjubiläum und zählt zu Wiens größten Anbietern von Antiquitäten, die dem Jugendstil und Art Deco zuzuordnen sind. Die Bezeichnung „Galerie“ trifft es auf den Punkt – die Stücke werden sehr klar und luftig ausgestellt und kommen dadurch wunderbar zur Geltung. Spannend ist hier, dass man sich Möbelstücke nach Maß in traditioneller Handwerkstechnik und nach historischem Vorbild fertigten lassen kann.

P.S.: Das wunderschöne schmiedeeiserne Schild auf dem Titelbild gehört übrigens zum Kunsthandel Fiedler – ebenfalls im 7. Bezirk zuhause.

 

Fotos:
Apfel Antik: © Apfel Antik
alle anderen: © Veronika Fischer

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… legt Wert auf treffende, bedeutungsschwere Worte. Hat dafür sogar eine Waagschale. Liebt das Kreative und Ungewöhnliche. Erzählt den im7ten-LeserInnen am liebsten UnternehmerInnengeschichten, die man beim Einkaufen im Grätzl sonst nicht so schnell erfährt.

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