Posted On 22. Juni 2015 By In Events With 1595 Views

Boatpeople

Es ist das Jahr 2015 in welchem wir uns befinden und wir leben in Europa. Es geht uns gut.

Doch nicht weit entfernt von uns werden Menschen vertrieben, verfolgt und getötet. Die Ursachen sind mannigfaltig, nicht nachvollziehbar. Es herrscht Krieg und Elend. Wir befinden uns noch immer im Jahr 2015.

Die einzige Möglichkeit diesem Elend zu entkommen und der einzige Ausblick auf Überleben scheint die Flucht. So schnell wie möglich weg. Dorthin wo es besser ist. Dorthin wo keine Verfolgung und Lebensentzug droht. Eine Flucht in die Sicherheit. In das sichere Europa. Alles wird angenommen um nur weg zu kommen von den grauenhaften Szenen der eigenen Heimat. Nur in der Fremde scheint die Zukunft liegen zu können. Geld wird zusammengetragen, Familien teilweise zurückgelassen, da die Zukunft höchst ungewiss ist.
Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, sagt man.
Und dann wird das zusammengekratzte Geld Schleusern hoffnungsvoll in die Hand gedrückt. Diese sollen sie überbringen, über das große Meer. Hinüber in die rettenden Arme Europas. Doch der Weg ist zermürbend; das Wetter und das Meer sind bedrohlicher auf kleinen Booten als auf großen Fähren. Die Tage vergehen, Trinkwasser wird knapp und Leichen treiben auf dem Wasser vorbei. Bis das rettende Ufer in Sichtweite gelangt, geht es an die Substanz.
Niemand vermag sich vorzustellen wie es in einer Person zu diesem Zeitpunkt aussieht. Was in ihr vorgeht.

Endlich ist das Ufer erreicht. Die Rettung nahe, eine Zukunft gewisser? Mitnichten.

Nicht alles ist schlecht. Doch es überwiegt die Angst. Auf beiden Seiten. Die Menschen Europas fürchten um ihr eigenes Wohl. Fürchten ein ungerechtes Ungleichgewicht. Weshalb?

Oftmals ohne böse Hintergedanken, sondern allein wegen des Unbekannten wegen. Zahlen werden in den Nachrichten verbreitet. Hunderttausend Flüchtlinge sollen es sein. Fragen über Fragen breiten sich aus. Wie wird es wohl werden, sobald die Flüchtlinge hier sein werden, schießen Gedanken durch Köpfe. Was passiert dann mit uns? Werden wir etwas zu spüren bekommen? Werden wir darunter leiden müssen? Wer sind sie überhaupt? Fremde. Flüchtlinge. Aber weshalb?

Wir kennen ihre Namen, ihre Gesichter und ihre Sprache nicht. Gesichtslos in der Masse.

Schreckt ab und löst Vermutungen aus.
Doch es sind Menschen. Menschen wie du und ich.

Und diesen Menschen, Flüchtlingen – tagelang unterwegs – wollte Markus Thums ein Gesicht geben. Beziehungsweise ihr Gesicht sichtbar machen. Und das ist ihm gelungen. 19 Personen, betreut vom Verein Ute Bock. 19 Personen, 19 Flüchtlinge, 19 Männer. Auf dem Weg in den Deutschunterricht. Angesprochen, ob ein Portrait gemacht werden dürfe. 19 Personen haben innerhalb der zwei Tage zugesagt und dieses Projekt somit ermöglicht. 19 Personen wurden nach ihrem Vornamen, ihrer Herkunft und nach der Tagesanzahl auf dem Boot befragt. Dies waren genug der intimen Fragen.

Die Idee dieses Projektes Boatpeople entstammt einem Bild eines toten 2-Jährigen Mädchens, welches im Meer neben anderen Leichen trieb. Gesichtslos und somit nur ein kleiner Teil einer großen Zahl, welche in den Medien verlautbart wird. Dies war der Zeitpunkt etwas zu verändern, die Gesichter zurück ins Licht zu rücken, befand Markus Thums.

Und nun werden die 19 Portraitphotos ab Dienstag, den 23.Juni für zwei Wochen im Amtshaus Neubau ausgestellt. Der Erlös der gekauften Photos geht an den Verein Ute Bock.
Und diese 19 Männer haben ihr Gesicht wieder. Hervorgetreten aus einer undefinierbaren Zahl.

Literatur zu dem Thema Flucht findet man unter anderem im Philogreissler in der Kaiserstraße.
Empfehlungen:

Ein Aufruf, die Welt zu verändern und zu einer sozialen Ordnung beizutragen.
Jean Ziegler: Ändere die Welt! Warum wir die kannibalische Weltordnung stürzen müssen. Bertelsmann Verlag 2015

Adornos Reflexionen aus seiner Emigration in die USA:
Adorno: Minima Moralia. Reflexionen aus einem beschädigten Leben. Suhrkamp 2012

Fazit: Bei freiem Eintritt können die Bilder der 19 Männer im Amtshaus Neubau von 23. Juni – 7. Juli 2015 zu den Öffnungszeiten (Mo-Mi,Fr 07:30-15:30 Uhr und Do 07:30-17:30 Uhr) betrachtet werden.

Eine ausdrückliche Empfehlung!

Vernissage Boatpeople
Markus Thums für Ute Bock
23. Juni 2015, 18 Uhr
Festsaal, Amtshaus Neubau
7., Hermanngasse 24-26
Der Eintritt ist frei.

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miriam.tsekas@gmx.net'

Die Germanistikstudentin liebt die Natur sowie die Kultur gleichermaßen. Ihr Bestreben, in der Kultur schöpferisch Fuß zu fassen und für eine breite Allgemeinheit tätig zu werden, hat sie in der Recherche am Volkstheater bereits verwirklicht. Was die Natur anbelangt, geht ihr aber weiterhin nichts über einen regennassen Sommertag oder schneebedeckte Berge. Derart minimalistisch und existenziell kann das Schreiben also sein und wer sich davon selbst ein besseres Bild machen möchte, liest am besten gleich auf www.im7ten.com nach ☺

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